Teuschnitz
Gottesdiensttest

Mariä Himmelfahrt in Teuschnitz: Licht sorgt für mehr Sein als Schein

Unser Tester nahm den Gottesdienst in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Teuschnitz unter die Lupe. Dort erlebte er einen sehr lebensnahen Gottesdienst.
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Die Kirche Mariä Himmelfahrt in Teuschnitz.Marco Meißner
Die Kirche Mariä Himmelfahrt in Teuschnitz.Marco Meißner

Das Urteil unseres Testers:

Die heilige Messe wurde in Teuschnitz in unserer Besuchswoche am Freitagabend durchgeführt, dennoch fanden erfreulicherweise mehrere Dutzend Christen den Weg ins Gotteshaus. Dabei profitierte man natürlich von der vorangegangenen Bittprozession. Aus den Gesprächen der Gläubigen war herauszuhören, dass sie sich über den Besuch des Oblatenpaters aus Kronach und seine auch abseits des Gottesdienstes sehr freundliche Ansprache gefreut hatten. Die Messfeier verlief in einem entsprechend angenehmen Flair, das nur stellenweise etwas durch die gefühlte Distanz der weit über die Bänke verstreuten Gläubigen getrübt wurde. Lediglich die Prozessionsteilnehmer präsentierten sich als enge Gemeinschaft in den vorderen Reihen. Insgesamt regte die Messe auf unaufdringliche Weise zum Nachdenken an. Das Kirchenteam trug mit seiner netten Art hierzu bei.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg

An diesem Freitagabend leitete Pater Gottfried Hofer vom Oblatenkloster in Kronach die heilige Messe. Vorab hatte eine Bittprozession der Wickendorfer zum Gotteshaus Mariä Himmelfahrt nach Teuschnitz stattgefunden. Dort machten die Gläubigen aus dem Nachbarort unmittelbar vor der Messe an der Kirche Station, wo auch die Blasmusik spielte. Trotz dieses Höhepunkts gelang es Hofer anschließend ohne Probleme, die Gläubigen auf den "normalen" Gottesdienst einzustimmen. Schön wäre es aber für diejenigen gewesen, die nicht an der Prozession teilgenommen hatten, ein paar Sätze mehr über dieses Ereignis und den Pater zu erfahren.

2. Musik

Die Begleitung durch den Organisten wirkte sehr sicher und untermalte den Gottesdienst angenehm sowie melodiös. Allenfalls hätte das Instrument stellenweise einen Tick leiser sein können, um den Stimmen der Gottesdienstbesucher und des Geistlichen mehr Raum zu geben. Nicht zuletzt die Teilnehmer der Bittprozession aus Wickendorf sorgten dafür, dass rund 40 Menschen am Freitagabend ins Gotteshaus fanden und so auch gesanglich ein gewisses Volumen erreicht wurde.

3. Lesungen

Die Lesung aus der Apostelgeschichte befasste sich mit Paulus in Korinth. Ein Ehrenamtlicher las die Stelle über Paulus vor dem Richterstuhl klar, verständlich und gut betont vor. Die Gemeinde folgte den Worten andächtig. Pater Hofer ging auf das Johannes-Evangelium ein. Er wählte einen Text der anschaulich den Zusammenhang von Schmerz und Freude verdeutlichte. Ruhig vorgetragen, konnte dieser auf die Gläubigen wirken.

4. Predigt

Der Geistliche erinnerte an die Bedeutung der Taufe und des Festes Mariä Himmelfahrt. Daran machte er einen recht abstrakten Begriff wie die "Wirklichkeit des ewigen Lebens" gut nachvollziehbar. Immer wieder bezog er sich in seiner Predigt auf die von ihm gewählte Textstelle aus dem Evangelium. Er versuchte aber auch, mit sehr bildlichen Vergleichen eine Brücke zum alltäglichen Leben jedes einzelnen zu schlagen. Gut gelungen!

5. Kommunion/Abendmahl Pater Gottfried Hofer führte die Wandelkommunion alleine durch. Er reichte den Leib Christi an die Gläubigen, die in zwei Reihen zu ihm kamen. Bei der Wandlung selbst fiel positiv auf, dass das Spiel der Schellen länger und sehr melodiös angelegt war. Das setzte einen sehr feierlichen Akzent für die Eucharistie. Etwas befremdlich war hingegen, dass in den hinteren Reihen, die teilweise nur mit je einer Person besetzt waren, kaum der Kontakt für den Friedensgruß gesucht wurde.

6. Segen Pater Hofer leitete den Ausklang des Gottesdienstes mit einem kurzen Gebet und dem Erbitten von Gottes Segen ein. Hierbei schloss er den Kreis und führte inhaltlich wieder zu der vorangegangenen Bittprozession. So bat er besonders um den Schutz der Felder und der Natur. Hierfür nahm er sich auch einige Minuten Zeit.

7. Ambiente

Die Teuschnitzer Saalkirche Mariä Himmelfahrt wirkt im Vergleich zur Bauweise der meisten anderen katholischen Kirchen im Frankenwald äußerlich wie innerlich besonders. Der sehr kantige, mächtig wirkende Körper des Gotteshauses und der dunkle Stein mit der schwarzen Dacheindeckung lassen die Kirche schon vor dem Betreten sehr imposant auf den Betrachter wirken. Der Innenraum ist klar strukturiert und architektonisch im Besucherbereich viel weniger verspielt als andernorts. Das Gotteshaus wirkt sehr gepflegt. Einzig ein Auffrischen der Farbe an den Seitenwänden würde wieder einmal guttun.

8. Kirchenbänke

Ein großer Pluspunkt im Teuschnitzer Gotteshaus ist die Ausstattung der Kirchenbänke. Sie sind nicht nur gepflegt, sondern auch bequem - einschließlich der Kniebänke. Diese sind mit einem Polster ausgestattet, das es auch Älteren oder Menschen mit Kniebeschwerden ermöglicht, schmerzfrei am Knien teilzunehmen. Ein "Luxus", den man in den heimischen Kirchen nicht oft antrifft, der aber durchaus sinnvoll erscheint.

9. Beleuchtung

Die Beleuchtung sorgt in Teuschnitz für eines der Aha-Erlebnisse. Betritt man das Gotteshaus wirkt es im ersten Augenblick recht dunkel - das Holz, die dunkle Malerei, der weitläufige Raum, der nicht wie andernorts von einer weißen oder hellgrauen Säule aufgebrochen wird. Wenn das Licht angeht, schlägt dieser Eindruck von einem Moment auf den anderen um. Die Beleuchtung ist nicht nur so eingesetzt, dass sie den Raum wirklich hell und doch angenehm ausleuchtet, sondern sie setzt auch den Kirchenschmuck sehr lebendig in Szene.

10. Sinne

Wenn im Teuschnitzer Gotteshaus die Lampen angehen, hat es für einen an sich nüchternen Kirchenbau erstaunlich viel zu bieten. Das Licht fängt sich im Gold und Silber der Skulpturen, die Bildnisse kommen gut zur Geltung und der Altarraum ist zudem dezent mit Kerzen bestückt. An diesem Freitagabend vor Pfingsten belebte ein Banner in den vatikanischen Farben den Bereich um den Altar. Ein Pilgerzug aus dem Nachbarort Wickendorf brachte einen angenehmen Hauch von Weihrauch mit ins Gotteshaus. Nur die Mikrofonanlage lieferte nicht von jedem Standort des Pfarrers einen gleich guten Klang.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Tests werden auf unserem Internetportal unter www.infranken.de/gottesdiensttest gesammelt.

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