Zeyern
Zwischenfall

Mann stört Gottesdienst in Zeyern - Besucher fürchten sich

Das haben die Kirchengänger in Zeyern noch nicht erlebt. Und auch der Kaplan ist sprachlos über das Verhalten eines unbekannten Mannes, der massiv den Gottesdienst störte. Er schloss ihn ins Gebet ein.
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Der mysteriöse Vorfall geschah in der Kirche St. Leonhard in Zeyern.  Foto: Archiv/Heike Schülein
Der mysteriöse Vorfall geschah in der Kirche St. Leonhard in Zeyern. Foto: Archiv/Heike Schülein
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Angesichts der Enthauptungen von westlichen Geiseln durch die IS-Terror-Milizen litten rund zwei Dutzend Besucher des Gottesdienstes am Dienstagabend in der Zeyerner Kirche für einige Minuten Höllenqualen und waren wie erstarrt. Ein noch Unbekannter hatte den Gottesdienst gestört und angeblich "Du alle Kopf ab!" und "Dschihad" (Heiliger Krieg) gerufen.

Die Kriminalpolizei Coburg, die nach einer Anzeige wegen Störung der Religionsausübung ermittelt, konnte bislang keinen islamistischen Hintergrund erkennen. Man vermutet, dass der seltsame Auftritt von einem offenbar verwirrten Mann stammt. Der Ausspruch "Kopf ab!" werde in Richtung der Heiligenfiguren gemeint gewesen sein, informierte Achim Dowerg von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken. Ob der Störer ein Deutscher oder Ausländer sei, konnte Dowerg nicht sagen.


So fing es an

Was war geschehen? Dienstagabend, Zeyerner Kirche, ein Gottesdienst wie viele andere. Etwa zwei Dutzend Gläubige sind im Kirchenraum. Kaplan Sven Raube feiert den Gottesdienst. Das Eingangslied ist gesungen. Es ist kurz nach 18 Uhr. Da betritt ein Mann, dessen Alter zwischen 25 und 40 Jahre geschätzt wird und der zwischen 170 und 180 Zentimeter groß ist, das Gotteshaus, läuft im Gang nach vorne bis zu den Altarstufen. Die Gottesdienstbesucher wundern sich über dieses Gebaren. Noch mehr erstaunt sind sie, als der Mann mit tschechischem oder slowakischem Akzent "ich arm, Du reich" ruft. Man denkt an einen Bettler. Aber mitten im Gottesdienst betteln? Das wirkt schon sehr befremdlich.

Dieses Befremden wandelt sich schnell in Angst und Schrecken, denn der Mann ruft dann in schwer verständlicher Sprache immer wieder zusammenhanglose Parolen und religiöse Worte. Einige Kirchenbesucher wollen unter anderem die Fragmente "Du alle Kopf ab, Du Christ!", "falscher Gott" und "Dschihad" verstanden haben. Erst als eine beherzte Gottesdienstbesucherin "Raus jetzt!" schreit, verlässt der mit Jeans und blaugemusterter Jacke bekleidete Mann das Gotteshaus und entkommt unerkannt. Der Spuk endet so abrupt wie er begonnen hatte.


Wirre Sachen gerufen

Kaplan Sven Raube, der ähnlich wie die Gottesdienstbesucher über den ungewöhnlichen "Auftritt" erschrocken und konsterniert ist, hat das Wort "Dschihad" nicht gehört. "Es war ungewöhnlich und beängstigend. Er hat wirre und zusammenhanglose Sachen gerufen", erinnert sich der Kaplan. Eine Störung des Gottesdienstes in dieser Form hat er noch nicht erlebt. "Der Mann ist mir verwirrt vorgekommen", schließt auch der Kaplan einen psychischen Hintergrund nicht aus. Eine Gefahr für Leib und Leben der Gottesdienstbesucher habe zu keinem Zeitpunkt bestanden, weil sich der Störer nicht auf die Gläubigen in aggressiver Art zubewegt habe. Nachdem der Mann gegangen sei und sich die Lage beruhigt habe, sei der Gottesdienst fortgeführt worden. Er habe den Mann ins Gebet eingeschlossen.

Noch am Dienstagabend hat Sven Raube den Kronacher Regionaldekan, Thomas Teuchgräber, über den Vorfall informiert. Der konnte verstehen, dass dieser "Auftritt" den Zeyernern in die Glieder gefahren ist. Aus den Schilderungen gewann Teuchgräber den Eindruck, dass es sich bei dem Störer um eine erkrankte Person gehandelt hat. "In München hatten wir pro Jahr zwei bis drei solcher Vorfälle", berichtet der Regionaldekan. In dieser Heftigkeit sei dies jedoch im Frankenwald ein Novum. Der Mann soll nach seinen Informationen am Mittwoch von einer Frau in Zeyern gesehen und identifiziert worden sein.

Die Coburger Kripo prüft derzeit, ob sich der Mann möglicherweise in einer psychischen Ausnahmesituation befand oder ob es sich um einen politischen Hintergrund handeln könnte. Die Ermittler bitten unter Telefon 09561/645-0 um Mitteilungen von Zeugen, die Hinweise geben können.

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