"Da küssen sie einander und waren glücklich für ihr Lebtag" - aber es war ganz schön knapp. Beinahe wäre es nicht zum Happy-End gekommen. Die Rede ist von der Jungfrau Maleen, Titelfigur des gleichnamigen Märchens, und ihrem jungen Prinzen. Beinahe wäre es der wunderschönen Königstochter an den Kragen gegangen. Aber sie wurde gerettet. Dafür wurde ihre hässliche und böse Widersacherin einen Kopf kürzer gemacht.
"Manche meinen, das ist gar kein Märchen, und es sei auch nicht für Kinder geeignet", sagte Märchenerzählerin Sigrid Früh. Warum sie diese Geschichte aus dem Reich der Fantasie trotzdem den Jungen und Mädchen vorträgt, hat einen ganz einfachen Grund. Eine Schülerin hatte die liebenswerte, ältere Dame gefragt, welches Märchen sie als allererstes gekannt habe. Sigrid Früh hatte sich sofort erinnert und spontan gefragt: "Wollt Ihr es hören?" Ihr junges Publikum wollte natürlich.

Intrigen überstanden


Und so erzählte sie - ganz spontan und ohne langes Überlegen - die Geschichte eines Prinzen und einer Prinzessin, die sich von Herzen liebten und nach vielen Wirrungen und Intrigen endlich zueinander fanden. Vorher hatten die Schüler schon "Das Eselein" und "Der Kräuterdieb" zu hören bekommen, deren Inhalt etwas "harmloser", aber nicht weniger spannend war.
Aber ist ein Märchen wirklich spannend für Fünftklässler, deren bevorzugte Freizeitlektüre in Zeiten von Romanserien wie "Freche Mädchen" oder "Die wilden Hühner" wohl etwas anders aussehen dürfte? "Sehr spannend", antwortete Annika Wiersig nach der Märchenstunde auf die Frage, wie ihr die 45 Minuten gefallen haben. Die Elfjährige kommt aus Schneckenlohe und saß - wie ihre ein Jahr jüngeren Klassenkameradinnen Lea Stadelmann und Luisa Müller (beide aus Marienroth) - in der ersten Reihe.
Annika erinnerte sich, dass sie sich schon etwas gewundert hatte, als ihre Lehrer von der anstehenden Märchenstunde an der Schule erzählt hatten. "Ich habe schon befürchtet, dass das eher langweilig wird. Aber dass die Märchen so spannend sind, hätte ich nicht gedacht", freute sie sich danach.
Ähnlich sah es Lea: "Ich habe bekanntere Märchen erwartet - wie ,Hänsel und Gretel‘ oder ,Dornröschen‘. Aber ich kannte keines von den dreien. Sie waren aber alle schön."
Luisa pflichtete ihr bei: "Sigrid Früh hat aber auch sehr gut erzählt. Die Märchen gefallen ihr selbst, das hat man ihr angemerkt." Außerdem habe die Erzählerin sehr gut betont. Sie habe Gesten mit der Hand gemacht und auch ihre Stimme verändert, so dass die spannenden Stellen noch aufregender geworden seien, meinte Annika.