Birnbaum
Freundschaft

Männerfreundschaft mit Rollstuhl

"Schnappi" und "Schlemmi" sind beste Freunde. Nur eines wissen sie nicht mehr: seit wann.
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Manuel Schnappauf (links) und André Beez sind beste Freunde. Foto: Franziska Knobloch
Manuel Schnappauf (links) und André Beez sind beste Freunde. Foto: Franziska Knobloch
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"Auf eigenen Beinen hab ich ihn nie laufen sehen. Ich könnt' nicht einmal sagen, wie groß er ist. Ich kenn' ihn nur sitzend", sagt Manuel. - "Da darfst du auch froh sein, sonst würd' ich dir auf den Kopf spucken", frotzelt André. Die zwei Kumpels sitzen am Küchentisch, es ist nach Feierabend. Sie tragen schwarze Käppis, dicke Pullis und Westen, fleckige Engelbert-Strauss-Hosen, Arbeitsschuhe.

Wie und wann genau Manuel Schnappauf (29) und André Beez (31) sich kennen gelernt haben, wissen sie nicht mehr. "Wir wurden schon so oft gefragt und haben uns stundenlang die Köpfe zerbrochen, aber es fällt uns nicht mehr ein", sagt Manuel. Fest steht nur, dass es nach dem 10. Oktober 2003 gewesen sein muss.

An jenem Tag führt der damals 20-jährige André Wartungsarbeiten an einem Ladewagen durch. Dabei löst sich ein Eisenhebel und zerquetscht ihm einen Rückenwirbel.
Seitdem sitzt er im Rollstuhl.


André erzählt davon mit klarer, ruhiger Stimme, ohne verbitterten Unterton. Ob er nicht manchmal mit seinem Schicksal hadert, oder sich die Frage stellt - warum ich? "Nee, wieso? Ich war selbst schuld, weil ich nicht aufgepasst habe. Es ist passiert und jetzt geht's weiter", sagt der Birnbaumer bestimmt. Er habe sich schnell mit der Situation abgefunden, die Reha nach fünf Wochen beendet. Normalerweise dauert sie im Schnitt fünf Monate.

Bagger verbindet

Auf den dunklen Westen von Schlemmi und Schnappi, wie die beiden auch genannt werden, leuchtet in grünen Lettern der Striftzug "GALA-Bau Beez", darunter ist ein Rollstuhlfahrer in den Stoff gestickt. GALA steht für Garten- und Landschaftsbau. In dieser Branche hat sich André nach dem Unfall selbstständig gemacht, verleiht und repariert Werkzeuge und Geräte, mäht und baggert im Auftrag von Gemeinden und Privatleuten. Manuel teilt Andrés Leidenschaft für Traktoren und Maschinen.

"André hat sich damals einen Bagger gekauft, um den Hof zu pflastern, damit er sich mit dem Rollstuhl leichter tut", erinnert sich Manuel. "Ich wollte schon immer mal Bagger fahren und da hat mich André gefragt, ob ich seinen ausleihen will."

Seitdem hilft Manuel, der in Neufang wohnt und in Steinwiesen arbeitet, nach Feierabend bei seinem Kumpel mit. "Es ist ein reiner Freundschaftsdienst", sagt Manuel. Er sei weder fest angestellt, noch bekomme er Geld - dafür ab und zu halt ein Bier.

Manchmal sitzen die beiden auch einfach nur zusammen in der Küche von Andrés Elternhaus, trinken Kaffee, unterhalten sich. So wie jetzt. "Wenn wir uns am Vortag gestritten haben, kommt es auch vor, dass die erste halbe Stunde erst mal keiner was sagt. Aber dann geht's weiter", erklärt Manuel und André gibt zu: "Ich sag' ihm direkt ins Gesicht, wenn mir was nicht passt".

Immer füreinander da

Diese Ehrlichkeit rechnet Manuel seinem Kumpel hoch an, auch seine Zuverlässigkeit. "Ich hab viele Kollegen, aber keiner ist so wie er. Kein einziger", beteuert Manuel. "Er ist immer da, wenn ich ihn brauche. Da muss echt was Gravierendes bei ihm dazwischen kommen, dass er sagt ‚Ich kann nicht'. Und Sätze wie ‚Das will ich nicht machen‘ gibt's bei ihm nicht. Das hab ich noch nie von ihm gehört."
Andrés Handy klingelt, jemand braucht Hilfe mit dem ausgeliehenen Spalter. "Soll ich kommen, brauchst du mich? Ja, dann bis gleich", spricht André in den Telefonhörer.

Respekt

Egal ob mauern oder mähen, flexen oder Traktor fahren - Schlemmi schreckt vor nichts zurück, nur weil er im Rollstuhl sitzt. "Angst? Der? Nein. Da hab ich mehr Angst um ihn als er um sich selber", schnaubt Manuel. Dabei schwingt aber vor allem auch eines mit: Respekt.
Und André? Der nimmt' s locker und grinst verschmitzt: "Angst und Geld haben wir nicht."

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