Marktrodach
Tourismus

"Made in Marktrodach" zum Mitnehmen

Marktrodach will mit Flößerprodukten und weiteren Neuerungen bei Besuchern punkten.
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Sie haben die neuen Flößerprodukte schon mal vorsichtshalber probiert. Von links Bürgermeister Norbert Gräbner, Vorsitzender Friedrich Fricke und Floßmeister Michael ThiemannMaria Löffler
Sie haben die neuen Flößerprodukte schon mal vorsichtshalber probiert. Von links Bürgermeister Norbert Gräbner, Vorsitzender Friedrich Fricke und Floßmeister Michael ThiemannMaria Löffler
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"Schmeckts?" "Es schmeckt!" Sie prosten sich nochmal zu und überlegen anschließend, ob sie sich lieber ein Glas roten oder weißen Pressack öffnen. Der Marktrodacher Bürgermeister Norbert Gräbner, Friedrich Fricke, Vorsitzender des Floßvereins Unterrodach und Floßmeister Michael Thiemann haben es sich vor dem Flößermuseum gemütlich gemacht. Es gibt "Halberomd", denn wer arbeite, müsse auch essen.

Was sie hier probieren, sind die neuen Flößerprodukte. Auf dem Tisch stehen roter und weißer Flößer-Pressack, Flößerfleisch, Schrötla (Geräuchertes) und zur Abrundung ein Flößertropfen (Haselnussgeist). Rustikal, fränkisch, schmackhaft, so könnte man sie umschreiben, die neuen Produkte aus der Metzgerei Kolb. Für das "gebrannte Glück" ist Ina Kürschner verantwortlich.

Warum es ab sofort diese Produkte im Handel gibt und was es damit auf sich hat, weiß Geschäftsleiterin Katja Wich: "Die Flößerei repräsentiert die Heimatverbundenheit der Marktrodacher. Um es den Besuchern der Gemeinde zu ermöglichen, ein Stück Heimat mit nach Hause zu nehmen, bietet das Flößermuseum seinen Besuchern ab jetzt diverse kulinarische Köstlichkeiten an." Auf Bestellung soll es sie aber auch im Rathaus und während der Öffnungszeiten im Gasthaus Ströbel geben. Und alle sind voll und ganz "Made in Marktrodach," versichert sie. Und dann betont Katja Wich eindringlich: "Alles, was wir geplant haben, soll aber auf keinen Fall eine Konkurrenz für die örtliche Gastronomie bedeuten. Es soll vielmehr eine sinnvolle Ergänzung sein."

Aber die neuen Produkte sind nur ein Teil der Veränderungen, über die sich gerade die Gemeindeführung die Köpfe zerbricht. Norbert Gräbner zeigt hinter sich auf das Museum und anschließend auf den Schallersgarten mit seinem Scheunenkomplex. "Wir wollen etwas verändern, voranbringen und gleichzeitig wollen wir uns auf unsere Wurzeln besinnen. Die Flößerei hat uns geprägt und unseren Ort zu dem gemacht, was er heute ist. Jetzt wollen wir uns darum kümmern, dass unser Wissen in die Welt hinausgetragen wird und dass unsere Gäste sich hier wohlfühlen und gut aufgenommen fühlen."

Neues im Museum

Was er damit meint, erläutern Friedrich Fricke und Michael Thieman: "Das Museum ist in die Jahre gekommen. Es wird Zeit, dass man einige Dinge überarbeitet. Wir bringen unter anderem Soundmodule an, damit die Besucher die Ausstellung nicht nur sehen, sondern auch hören können. Wir konnten Rico Böhme von RadioEINS überzeugen, uns seine Stimme zu leihen." Richtung 4.0 soll es also gehen, zumindest was die Digitalisierung betreffe. Und passend dazu haben sich die Verantwortlichen schon eine passende Präsentationsform ausgesucht: Die Museumsnacht am 19. Oktober 2019 ab 18 Uhr. Welches Programm da genau auf die Besucher wartet, bleibt vorerst noch ein Geheimnis. Eines wurde aber dennoch schon verraten: Es soll nämlich unter anderem eine Sonderausstellung geben.

Und dann kommt der Bürgermeister auf den "Schallersgarten" vor dem Museum zu sprechen. Auch der soll ein neues Gesicht erhalten und zur durchgängigen Grünfläche werden. Dazu will man das Anwesen in der Friedhofsstraße 3 abreißen. "Parallel dazu wollen wir den Scheunentrakt ausbauen. Er wird zur Festdomäne - wenn es gut läuft, sogar unter ständiger Bewirtung, das müssen wir aber erst ausloten." Katja Wich spricht von einem "Verkaufspaket". Die Geschäftsleiterin sieht schon jetzt eine ausgebaute Festscheune mit Platz für etwa 60 Personen, die man jederzeit buchen könne." Und bei Familienfeiern beispielsweise kann man dann eine Museumsführung buchen."

Dabei kommt man beim Halberomd auch noch auf den neuen "Flößerweg" zu sprechen, der später einmal zehn bis 15 Infotafeln umfassen soll und am Friedhof seinen Anfang nimmt. Stationen sollen auch ein paar Floßherrenhäuser sein und Bauwerke, die zur Wasserhaltung und Flussregulierung dienen.

Kantige Männer

"Der Flößer an sich war ja kein angenehmer Mensch," reißt Friedrich Fricke die Anwesenden aus ihren Gedanken und zeichnet ein Bild von harten, kantigen und unnachgiebigen Männern, die mehr berüchtigt, als berühmt gewesen sein sollen. "Das waren die, die jemanden immer schon vorsichtshalber eine Schelln angeboten haben." Nichts desto trotz sei die Flößerei ein unverzichtbares Element der wirtschaftlichen Entwicklung gewesen. Sie habe dafür gesorgt, dass die Wirtschaft florierte und "ohne sie hätte es zum Beispiel keine Kirchen oder Schlösser gegeben. Sie sicherte den Transport des Werkstoffes Holz als Baustoff und Brennstoff." Etwa 20 000 Floße hätten im Jahr den Frankenwald verlassen und seien unter anderem mit Kohle zurückgekehrt.

Abschließend brachte es Bürgermeister Norbert Gräbner auf den Punkt: "Die Flößerei ist wie ein Wurzelstock, den man uns gegeben hat. Jetzt müssen wir anfangen, ihn zu gießen, damit er in die Höhe wachsen kann."

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