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Tradition

Machbarkeitsstudie: Wie die Flößerei im Kreis Kronach nachhaltig gesichert werden soll

Der Freistaat Bayern finanziert zu 100 Prozent eine Machbarkeitsstudie zur Sicherung der Flößerei im Kreis Kronach. Für Wallenfels spielt dabei ein Rückhaltebecken eine wichtige Rolle.
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In Wallenfels hofft man auf eine zukunftsfähige Lösung zur Sicherung der Flößerei. Foto: Archiv
In Wallenfels hofft man auf eine zukunftsfähige Lösung zur Sicherung der Flößerei. Foto: Archiv

Kaum schwirrt der Satz wie ein Elfmeter durch den Raum, der nur noch verwandelt werden muss, hat ihn Klaus Löffler auch schon versenkt. "Der große Unterschied zu den vergangenen gescheiterten Versuchen ist es, dass nun erstmals alle Verantwortlichen in einem Schiff sitzen, dass nur eine Flagge hat", erklärt der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner. "Und auf der steht: Wie sichern wir die Zukunft der Flößerei?" Auftritt Löffler: "Nicht in einem Schiff, alle auf einem Floß", scherzt der Landrat - der nicht als Einziger im Sitzungssaal des Wallenfelser Rathauses beste Laune hat.

Start im Januar

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Auch Bürgermeister und Gastgeber Jens Korn sowie Baumgärtner strahlen schon vor dem Beginn der Pressekonferenz fröhlich um die Wette. Den Grund liefert einige Minuten später der Landtagsabgeordnete, als er verkündet, dass der Freistaat zu 100 Prozent eine Machbarkeitsstudie finanzieren wird. Deren Ziel soll es sein, die Zukunft der Flößerei in Wallenfels und der Region zu sichern. Daher soll in diesem Rahmen ein möglicher Standort für ein Rückstaubecken gefunden werden. "Wir steigen mit der Vorstudie im Januar nächsten Jahres ein und werden dann mal sehen, wo wir im Juli stehen", sagt Baumgärtner.

Er geht davon aus, dass die Studie bis zu 100 000 Euro kosten könnte. Zwar habe Ministerpräsident Markus Söder ihm versichert, dass er sich für die Flößerei starkmachen werde, doch das allein reiche nicht aus, um eine solche Summe zur Verfügung zu stellen. Die gebe es vielmehr, weil gleich drei Bereiche von einem Rückstaubecken profitieren würden: neben den Flößern auch der Hochwasserschutz und der "sanfte Tourismus".

Mehr Wasser für die wilde Fahrt

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Da ein solches Becken bei Starkregen Wasser aufnehmen könnte, würde es einen Hochwasserschutz bis vor die Tore Kronachs garantieren. Dass das Vorhaben zu Problemen mit Naturschützern führt, glaubt Baumgärtner nicht. "Weil ein Rückhaltebecken einen hohen Grad an Biodiversität bringen wird", ist er überzeugt.

Was im Winter zu viel an Regen vom Himmel kommt, würde im Becken dann so lange gespeichert werden - ehe es die Flößer in den Sommermonaten entnehmen, um die Touristen an möglichst vielen Tagen in der Saison auf der Wilden Rodach von Schnappenhammer nach Wallenfels auf die nasse Fahrt schicken zu können. "So wird die Flößerei auch wieder planbar", so Baumgärtner.

Historischer Tiefstwert

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Genau das war in der gerade zu Ende gegangenen Saison nämlich nicht mehr möglich. Von 15 geplanten Floß-Tagen mussten acht wegen eines zu geringen Pegelstandes abgesagt werden. "Die Saison war für uns eine außergewöhnliche - im negativen Sinn", bilanziert daher Bürgermeister Jens Korn. "Man kann sagen: Es war eine einzige Katastrophe!"

250 000 Euro Verlust

Denn in den rund 40 Jahren, in denen in Wallenfels in der derzeitigen Art touristisch geflößt wird, hätten noch nie so viele Fahrten abgesagt werden müssen. Statt 6500 Gästen seien nur knapp 2000 nach Wallenfels gekommen. "Das sind 60 Prozent Einnahmeverluste", erklärt Korn. Der regionalen Wirtschaft seien heuer dadurch 250 000 Euro entgangen. Die Machbarkeitsstudie sieht er daher als einen Meilenstein, von dem er sich erhofft, dass er die Flößerei auf Dauer sichern wird.

Bleiben die Flöße auch in den kommenden Jahren so oft wie in dieser Saison an Land, sei diese Tradition nicht mehr zu halten. "Und das wäre das Schlimmste, denn damit würde ein Stück unserer Identität verloren gehen", betont Korn. Dass es sich für diese zu kämpfen lohne, zeige auch der Zuspruch der Jugend. Als einer der wenigen Vereine im Landkreis habe der Flößerverein kein Nachwuchsproblem, so der Bürgermeister.

Ein erster Schritt

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Parteikollege und Landrat Klaus Löffler nennt die Flößerei einen "Inbegriff für Identität schlechthin". Mit ihr werde nicht nur Wallenfels, sondern auch das Obere Rodachtal verbunden. "Ich bin überzeugt, dass wir mit der Studie den ersten Schritt auf einem langen Weg gehen werden", meint Löffler. "Aber jeder Weg beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt." Baumgärtner geht sogar noch einen Schritt weiter: "Das ist der Anfang von der Lösung!"

Alleine nicht machbar

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Floßmeister Henry Stöcker hätte sicher nichts dagegen, wenn es tatsächlich so kommen sollte. Alleine könne der Verein nicht mehr sicherstellen, dass 15 Mal im Jahr geflößt werden kann. "Das schaffen wir nicht. Daher war es uns ein Anliegen, an höhere Stellen heranzutreten, um da etwas zu bewegen", sagt Stöcker. "Wenn die Maßnahme Früchte trägt und man alle mit ins Boot nimmt, bin ich überzeugt, dass wir es mittelfristig schaffen." Und wieder liegt der Ball auf dem Elfmeterpunkt.

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