Ludwigsstadt
Ärztemangel

Versorgung gefährdet: Ludwigsstadt sucht händeringend einen Mediziner

Seit Wochen sucht die Stadt Ludwigsstadt dringend einen Arzt beziehungsweise eine Ärztin. Nun hat die Stadt ein Fachbüro eingeschaltet.
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Für die Praxis Nora Kindl wird dringend ein Nachfolger gesucht.  Foto: Veronika Schadeck
Für die Praxis Nora Kindl wird dringend ein Nachfolger gesucht. Foto: Veronika Schadeck

Ludwigstadt benötigt einen Mediziner: Es gehe darum, die medizinische Versorgung im Bereich der Allgemeinärzte zu sichern und neue Fachärzte nach Ludwigsstadt zu bringen, erklärte Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD) am Donnerstagabend bei der Bürgerversammlung in der Hermann-Söllner-Halle.

Nora Kindl kann aus gesundheitlichen Gründen ihre Praxis nicht mehr weiterführen. Außer ihr gibt es zwar noch einen Allgemeinarzt, der aber in absehbarer Zeit in Rente gehen wird. Die bisherigen Bemühungen blieben erfolglos. Für 15 000 Euro wurde nun ein Fachbüro beauftragt. Dieses soll Anfang Dezember die Arbeit aufnehmen und die Suche unterstützen. Der Stadtrat hofft auf Ergebnisse bereits im ersten Quartal 2019.

Arzt im Angestelltenverhältnis?

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass es Möglichkeiten gebe, einen Arzt auch in ein Angestelltenverhältnis zu übernehmen. Mehr Details wollte er nicht preisgeben.

Auch Landrat Klaus Löffler (CSU) hat seine Unterstützung zugesichert. Er habe als ehemaliger Steinbacher Bürgermeister mit dem Tod des damaligen praktizierenden Hausarztes eine derartige Situation erlebt, erklärte er. Der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung sei in der Gesundheitsregion Kronach dringend notwendig, trage diese doch zur Attraktivität einer Region bei.

Verschiedene Projekte realisiert

Folgte man den Ausführungen des Bürgermeisters, so hat sich in Ludwigsstadt - nicht zuletzt dank großzügiger Förderungen - in den letzten Monaten einiges bewegt. So konnten verschiedene Projekte angegangen beziehungsweise realisiert werden. Ehrhardt sprach unter anderem von der Digitalisierung der Schule, der Errichtung eines Fitnessparks und von der städtebaulichen Aufwertung der B 85 - Kronacher Straße. In die Sanierung von Ortsstraßen investierte die Stadt 70 000 Euro.

Hinzu kommt die Revitalisierung der KEZ-Brache. Dort entsteht eine Anlage mit neun Wohnungen und einer Gewerbeeinheit. Die Realisierung ist für 2019 vorgesehen. Es ist ein gemeinsames Projekt zwischen dem Investor, der Saco GmbH mit Gerd Sembale, und der Stadt. Die Stadt beteiligte sich finanziell am Abriss und an der Hangsicherung. Aufgrund dessen, dass das ursprüngliche Konzept - dieses sah mehr Wohnungen vor - aufgrund zu geringer Nachfrage nicht zum Tragen kam, erwirbt nun die Stadt drei Wohneinheiten. Rund drei Millionen Euro sollen in dieses Projekt fließen. An Eigenmitteln wendet die Stadt dafür 150 000 Euro auf.

Realisiert werden sollen weiterhin unter anderem eine Parkscheune in Lauenstein, ein Dorfgemeinschaftshaus in Lauenhain und auch der Ersatzneubau des Bauhofgebäudes.

Timo Ehrhardt ging zudem auf den Umbau des Wohn- und Geschäftshauses in der Kronacher Straße 14 ein. Das ehemals leerstehende Gebäude habe die Stadt erworben und saniert. Geschaffen wurden zwei Wohneinheiten. Er wies darauf hin, dass der Freistaat Bayern das Vorhaben über das Sonderprogramm "Leerstand nutzen - Lebensraum schaffen" unterstützte. Im Gegenzug sei aber die Stadt verpflichtet, die Immobilie in den ersten sieben Jahren vorrangig an anerkannte Flüchtlinge zu vermieten. Rund 385 000 Euro seien hier investiert worden, der Eigenanteil der Stadt liege bei 57 000 Euro.

"Flüchtlinge zahlen Miete"

Ihm sei bewusst, sagte Ehrhardt, dass dieser Umbau auch Kritik verursacht habe, weil damit Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge geschaffen wurde. Er stellte aber klar, dass diese Menschen nicht umsonst dort wohnten, sondern ihre Miete zahlten.

Ehrhardt ging auch auf Zahlen ein, die sich durchaus positiv entwickelt haben. Die Stadt konnte dank Unterstützung verschiedener Fördergeber trotz angespannter Haushaltslage in den Jahren 2017/2018 Projekte mit einem Volumen von 8,4 Millionen Euro verwirklichen. Der Eigenanteil der Stadt betrug dabei 3,23 Millionen Euro.

Der Schuldenstand hat sich seit 2007 von rund 14 Millionen Euro auf unter sieben Millionen Euro reduziert. Stabilisiert hat sich mit knapp 3500 Einwohnern die Bevölkerungsentwicklung. Positiv entwickelt hat sich die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze: So stehen derzeit 1423 Arbeitsplätze 1366 Erwerbstätigen gegenüber (2005: 1250:1317). Diese positive Entwicklung, so Erhardt, habe aber auch dazu geführt, dass die Stadt bezüglich der Städtebauförderung künftig nicht mehr mit dem Höchstfördersatz von 80 Prozent rechnen könne.

Landrat Klaus Löffler begründete die "stabilen Verhältnisse" in Ludwigsstadt mit der wirtschaftlichen Stärke der Stadt, Digitalisierung, Bildung, der kulturellen Vielfalt und dem starken Ehrenamt.

Nur wenige Bürger meldeten sich zu Wort. So bat Markus Dietz den Bürgermeister, sich mit dem Besitzer eines "verwahrlosten Hauses" in Lauenstein in Verbindung zu setzen. Aufgrund dessen, dass in der Nachbarschaft die Gebäude abgerissen wurden, steche dieses Haus an der Engstelle jedem Vorbeifahrenden ins Auge.

Willi Rentsch freute sich darüber, dass es nun für die Lauenhainer ein Dorfgemeinschaftshaus geben soll.

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