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Kronach
Zukunft

Lucas-Cranach-Campus nimmt weiter an Fahrt auf

Der Kreistag hat in seiner Sitzung am Montag ein Kommunalunternehmen ins Leben gerufen. Dieses soll den Lucas-Cranach-Campus nicht zuletzt mit Blick auf erforderliche Grundstücke und Immobilien vorantreiben.
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Um den Lucas-Cranach-Campus in Kronach tatsächlich ins Leben rufen zu können, hat der Kreistag am Montag mit der Gründung eines Kommunalunternehmens einen wichtigen Schritt unternommen. Foto: Archiv/Meißner
Um den Lucas-Cranach-Campus in Kronach tatsächlich ins Leben rufen zu können, hat der Kreistag am Montag mit der Gründung eines Kommunalunternehmens einen wichtigen Schritt unternommen. Foto: Archiv/Meißner

Mit der Gründung des Kommunalunternehmens "Lucas-Cranach-Campus KU des Landkreises Kronach" nimmt die Entwicklung der Kreisstadt zum Hochschulstandort weiter an Fahrt auf. Am Montag wurde in der Kreistagssitzung eine entsprechende Satzung verabschiedet.

Demnach hat das Kommunalunternehmen seinen Sitz in der Stadt Kronach. Das Stammkapital liegt bei 100 000 Euro. Die Aufgabe von "Lucas-Cranach-Campus KU" ist es nun, die hochschulorientierte Regionalentwicklung durch Konzeptionierung, Planung, Bau und Ertüchtigung sowie die Zuverfügungstellung von Grundstücken und Immobilien auf dem Gebiet des Landkreises zu sichern beziehungsweise voranzutreiben. Die Stadt Kronach, so Michael Schaller von der Abteilung Zentrale Angelegenheiten im Landratsamt, könne jederzeit dem "Lucas-Cranach-Campus KU" beitreten.

Das Kommunalunternehmen setzt sich aus einem Vorstand zusammen, der auf die Dauer von fünf Jahren bestellt und vom Verwaltungsrat gewählt wird. Dieser besteht aus dem Landrat, der auch den Vorsitz innehat, und sechs weiteren Mitgliedern. Bis zum 30. April 2020, also bis zum Ablauf der derzeitigen Legislaturperiode, setzt sich der Verwaltungsrat aus Jürgen Baumgärtner, Hans Rebhan und Bernd Liebhardt (CSU) zusammen. Seitens der SPD-Fraktion sind im Verwaltungsrat Richard Rauh und Ralf Pohl vertreten. Von den Freien Wählern ist Rainer Detsch mit dabei.

"Wir werden der Satzung zustimmen", betonte Edith Memmel (Grüne). Allerdings sei sie nicht mit der Besetzung des Verwaltungsrats des Lucas-Cranach-Campus KU" einverstanden. Wenn dieser Campus modern gestaltet werden solle, erachte sie es als notwendig, dass auch Frauen, kleinere Parteien und Gruppierungen mit dabei sind. Der Anteil weiblicher Studenten nehme zu. "Wir brauchen einen familienfreundlichen Campus." Sie sei überzeugt, dass diesbezüglich die Frauen bessere Anregungen hätten.

Es habe alles gut begonnen, aber die Zusammensetzung des Verwaltungsrates sei ein Rückschritt, so Petra Zenkel-Schirmer von der Frauenliste. Sie forderte die größeren Fraktionen auf, den Worten Söders, nämlich das Parlamente und Gremien weiblicher werden müssen, auch Taten folgen zu lassen. Ziel müsse es sein, dass es nicht um die Verteilung von Posten gehe, sondern dass der Campus ein Alleinstellungsmerkmal besitze.

Richard Rauh (SPD) warf die Frage auf, ob die beiden Rednerinnen meinten, dass nur Frauen einen familienfreundlichen Campus entwickeln könnten?

Wirtschaftlicher Bereich

CSU-Fraktionsvorsitzender Bernd Liebhardt wies darauf hin, dass das Kommunalunternehmen "Lucas-Cranach-Campus KU" nur für den wirtschaftlichen Bereich verantwortlich sei. Für die Ausrichtung des Campus werde eine Stiftung ins Leben gerufen. Außerdem können der Vorsitzende des Verwaltungsrats bei Sitzungen Dritte miteinladen. "Wir haben im Kreistag immer alle mitgenommen"

Personelle Veränderungen

"Wir brauchen Leute, auch aus den Fraktionen heraus, die bereit seien, in der Stiftung mitzuarbeiten", betonte Landrat Klaus Löffler (CSU). Je stärker man sich in der Stiftung engagiere, desto stärker werde auch der Lucas-Cranach-Campus sein. Jetzt müsse der Campus Dynamik erhalten. Daher sei die Gründung eines Kommunalunternehmens zum jetzigen Zeitpunkt notwendig, um Entscheidungen treffen zu können. Er wies darauf hin, dass nach dem 30. April aufgrund der im März stattfindenden Kommunalwahlen der Kreistag neu konstituiert werde. Eventuell bringe das ja auch personelle Veränderungen mit sich.

"Lasst uns bitte keinen Spalt reinbringen", bat Hans Rebhan (CSU). Es gehe jetzt um die Frage, wie Studierende nach Kronach gebracht werden können. Da seien alle gefragt. Er sprach vom Ziel, im Herbst 2020 die ersten Studierenden in Kronach begrüßen zu können. Daher sei der jetzige Zeitpunkt für die Gründung des Kommunalunternehmens notwendig. Er bitte darum, keine kritischen Töne reinzubringen, die die gute Stimmung in ein komisches Licht rücken. Letztendlich stimmten auch die Frauenliste und die Grünen für die Satzung. Petra Zenkel-Schirmer hofft jedoch, dass der Appell gehört werde und Früchte trage.

Ein weiterer Punkt der Kreistagssitzung war die Vorstellung und der aktuelle Stand zum Thema "Shuttle-Modellregion Oberfranken" durch den Leiter der Abteilung Kreisentwicklung, Wolfgang Puff.

"Es ist ein großes Projekt", ist Puff überzeugt. Zunächst handele es sich um Forschung und Entwicklung. Er wies darauf hin, dass vergangene Woche mit der Überreichung des Förderbescheids in Höhe von insgesamt zwölf Millionen Euro durch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in Rehau der Startschuss erfolgt ist. Insgesamt kostet das für zwei Jahre angelegte Projekt 15,3 Millionen Euro. Somit werden die Regionen Hof und Kronach Testregion für autonom fahrende Linienbusse erhalten. Integriert sind laut Wolfgang Puff zehn Partner aus den unterschiedlichen Bereichen. Darunter auch der Landkreis und die Stadt Kronach, Hof, die Rehau AG sowie die Hochschule Hof und die technische Universität in Chemnitz.

Wie Wolfgang Puff erklärte, soll in Kronach der Shuttle von Neuses aus nach Kronach in die Stadtmitte und ins Industriegebiet fahren. Gedacht sei zudem auch an die Festung Rosenberg. Die Shuttles sollen im normalen Verkehr eingebunden werden. Betrieben wird der Verkehr durch die DB Regio Ostbayern. Eingerichtet werden soll in Hof eine Zentrale, von wo aus auf die Shuttles in Kronach, Hof und Rehau zugegriffen werden könne. Die Coburger Hochschule wolle das Ganze wissenschaftlich begleiten. Denn eines sei klar: "Das autonome Fahren wird auch Auswirkungen auf Passanten haben."

Entscheidend für die Wahl Oberfrankens als Testregion sei das Engagement des Autozulieferers Valeo in Neuses gewesen. Dort forsche man unter der Federführung von Jörg Schrepfer an Fahrassistenzsystemen. Valeo sei für die Programmierung von Software, für die Steuerung und Sensorik der Shuttles zuständig.

Für den Landkreis Kronach, so Wolfgang Puff, betrage die Fördersumme 2,8 Millionen Euro. Der Landkreis schaffe damit unter anderem zwei Shuttles an. Weitere Mittel fließen in die Ausstattung und Streckenpräparierung bis hin zu Ampelschaltungen.

Wolfgang Puff sprach davon, dass nach zwei Jahren geprüft werden soll, ob dieses Projekt in eine Marktfähigkeit überführt werden könne. Der Landkreis sei aber verpflichtet, die Shuttle-Busse für fünf Jahre im Besitz zu halten. Man werde also nach Ablauf des Projektes über die weitere Nutzung der Busse entscheiden müssen.

Edith Memmel (Grüne) fragte nach dem Ausbau eines 5G-Netzes. Diese Strukturen, so Puff, seien derzeit noch nicht vorhanden. Deshalb werden Strecken für autonomes Fahren präpariert mit 3G- und 4G-Netzen.

"Dieses Projekt steht einmal mehr für die Zukunftsfähigkeit unseres Landkreises", freute sich Landrat Klaus Löffler. Sein Dank in diesem Zusammenhang galt Wolfgang Puff und Gabriele Riedel von der Kreisentwicklung sowie dem Geschäftsführer vom Campus Innovations Kultur, Thomas Kneitz, und Jörg Schrepfer von Valeo, die beide im Vorfeld viele Gespräche geführt haben. Der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch (CSU) war stolz, dass Schrepfer aus seiner Gemeinde kommt. Zudem meinte er: "Das ist für den ländlichen Raum eine unheimliche Stärkung."

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