Laden...
Kronach
Interview

Lucas-Cranach-Campus in Kronach bekommt Strukturen

Wenn es um die Zukunft Kronachs als Hochschulstadt geht, wird viel diskutiert und viel spekuliert. Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner erläutert den tatsächlichen Stand der Planungen und Vorarbeiten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Für den Wohnraum, der für Studenten geschaffen wird, soll besonders der innerstädtische Leerstand in Kronach unter die Lupe genommen werden. Dabei könnten Bereiche, wie beispielsweise rund um den Hussitenplatz, interessant werden. Foto: Marco Meißner
Für den Wohnraum, der für Studenten geschaffen wird, soll besonders der innerstädtische Leerstand in Kronach unter die Lupe genommen werden. Dabei könnten Bereiche, wie beispielsweise rund um den Hussitenplatz, interessant werden. Foto: Marco Meißner

Der Campus in Kronach kann bald starten. Die geplante Beamtenfachhochschule wird eine erheblich größere Dimension als bislang vorgesehen erreichen. Das waren die Ergebnisse der CSU-Klausur in Seeon (Kreis Traunstein). Doch während die bereits im Bau befindliche Finanzhochschule in den Tagen nach der Söder-Rede in aller Munde war, ging die weitere Entwicklung des Lucas-Cranach-Campus in der Diskussion etwas unter. Dabei stehen hierfür entscheidende Weichenstellungen unmittelbar bevor.

Im Interview spricht der Initiator des Projekts, Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU), über den aktuellen Stand. Was passiert nach der Bekanntgabe Söders, dass innerhalb der ersten fünf Jahre mit 280 Studenten auf dem Campus geplant werden kann? Jürgen Baumgärtner: Am 27. Januar werden das Kommunalunternehmen und die Stiftung für den Campus ins Leben gerufen. Das soll im Rahmen der Kreistagssitzung geschehen. Somit entsteht jetzt eine professionelle Struktur für das Projekt.

Welche Funktion übernimmt dabei die Stiftung? Sie fördert ausgewählte Projekte aus Lehre, Forschung und Transfer. Außerdem finanziert sie die Stiftungsprofessuren, betreut Marketing-Maßnahmen und verzahnt Handwerk, Handel, Industrie sowie Tourismus mit Wissenschaft und Gesellschaft. Das ist eine große Aufgabe. Man könnte sagen, verglichen mit einem Computer wäre die Stiftung die Software-Komponente. Und das Kommunalunternehmen? Das ist quasi die Hardware des Projekts. Es stellt den Wohnraum, den Lehrraum und abgestimmte Infrastruktur bereit. Es kann also zum Beispiel Impulsgeber für die Gastronomie und eine Wohlfühl-Infrastruktur werden.

Wer wird in den beiden Einrichtungen die Zügel in der Hand halten? Im Aufsichtsrat des Kommunalunternehmens werden Vertreter der kommunalen Gremien sitzen. Diese werden den Vorstand bestimmen. Als Spitzen der Stiftung will ich erfahrene Persönlichkeiten aus Industrie und Handwerk, weil es mir um den Wissenstransfer geht. Es geht um die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen sowie die Generierung von regionalen Start-ups. Zudem soll die Stiftung einerseits eine internationale Komponente erfahren als andererseits auch eine regionale Abbildung. Zurzeit wird der Campus als Außenstelle der Hochschulen Coburg und Hof benannt. Sind damit die anderen Hochschulen, mit denen im Vorfeld Kontakt aufgenommen wurde, ausgebootet? Nein. Der Lucas-Cranach-Campus ist eine Plattform der unterschiedlichsten Akteure. Keiner unserer Partner ist raus! Aber es gibt immer unterschiedliche Phasen, zu denen sie auf den Plan treten. Mit Blick auf die Zahl von 280 Studenten innerhalb der ersten fünf Jahre: Bleibt es bei einem Start mit 70 Studenten Ende 2020 oder Anfang 2021? Ja, dabei bleibt es. Das ist realistisch. Wir fangen klein an und lassen das Projekt langsam wachen. Wir haben da keinen Druck. Es gilt: Nachhaltigkeit vor Geschwindigkeit. Wie weit sind die Überlegungen zur Unterbringung der Campus-Studenten vorangeschritten? Da haben wir natürlich Handlungsbedarf. Aber wir machen uns im studentischen Wohnungsbau auch auf den Weg. Ich habe die feste Absicht, die Studenten und das Lehrpersonal im Leerstand unterzubringen. Der soll in modernsten Wohnraum umgewandelt werden. Beim studentischen Wohnungsbau konzentrieren wir uns ausschließlich auf die Kernstadt, beim Personal auf den gesamten Landkreis. Es ist schließlich ein Projekt für alle. Wir sind Lucas-Cranach-Campus!

Und an alle, die sagen, es geht nicht: Wir machen's trotzdem! Im März haben wir schon die ersten Notartermine. Und ich will auch deutlich machen: Wir werden die Städte Wallenfels und Ludwigsstadt in die Hochschule einbinden - in welcher Form auch immer. Was sagen Sie zu Befürchtungen, der studentische Wohnungsbedarf könnte den Mietwohnungsmarkt im Kreis Kronach weiter aufheizen? Für die 600 Studenten der Finanzhochschule wird Wohnraum auf dem Campus geschaffen. Alle andere Studenten werden sukzessive eingegliedert, somit wird der Mietdruck nicht erhöht. Man kann sich sicher sein, dass die Verantwortlichen das im Blick haben. Wir haben im Landkreis auch kein Problem mit dem Wohnraum an sich, sondern mit dessen Qualität. Hier steht uns eine Entwicklung über eine Dekade bevor, aber am Ende wird es für alle gut werden. Wann fallen die ersten Entscheidungen über konkrete Studienangebote? Mit welchen Studiengängen der Campus startet, das muss man gut abwägen. Diese Entscheidung zu fällen, ist nicht meine Aufgabe. Da habe ich großes Vertrauen in die Hochschulen, die diese Entscheidung treffen werden. Noch ein kurzer Schwenk zur Aufstockung der geplanten Beamtenfachhochschule von 200 auf 600 Studierende. Wie wirkt sich diese Ausweitung auf den zeitlichen Rahmen der bereits laufenden Bauarbeiten aus? Das, was geplant ist, bleibt im Zeitplan. Wir planen jetzt nicht um. Das aktuelle Gebäude wird also wie vorgesehen gebaut. Darüber hinaus werden wir einfach größer. Die Planungen hierfür gehen wir jetzt an.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren