Kronach
Heimatkunde

Lohn für die Tapferkeit der Kronacher

Weil sich die Bürger gegen die Schweden zwischen 1632 und 1634 heldenhaft wehrten, bekam die Stadt Kronach die Rittergüter Stockheim und Haßlach.
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Tapfer wehrten sich die Kronacher gegen die schwedischen Angriffe zwischen 1632 und 1634. Als Lohn für die heldenhafte Verteidigung erhielt Kronach die Rittergüter Stockheim und Haßlach.Repro: Gerd Fleischmann
Tapfer wehrten sich die Kronacher gegen die schwedischen Angriffe zwischen 1632 und 1634. Als Lohn für die heldenhafte Verteidigung erhielt Kronach die Rittergüter Stockheim und Haßlach.Repro: Gerd Fleischmann
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Seit 1639 bestehen zwischen Stockheim und Kronach enge Verbindungen, die bis in unsere Zeit reichen. Als Belohnung für die heldenhafte Verteidigung gegen die schwedische Belagerung zwischen 1632 und 1634 erhielt Kronach die beiden Rittergüter Stockheim und Haßlach verliehen. Am 25. Februar 1639 unterzeichnete Franziscus von Hatzfeld, Bischof zu Bamberg und Würzburg und Herzog zu Franken, die offizielle Schenkungsurkunde. Am gleichen Tag verwandelte der Bischof per Urkunde die bisherigen Rittermannlehen Stockheim und Haßlach in Bürgermannlehen.

Dieses historische Datum hat sich bis in die heutige Zeit ausgewirkt, denn die Stadt Kronach darf sich auch heute noch eines beträchtlichen Grundbesitzes im Gemeindebereich von Stockheim erfreuen. Freilich umfasst der Großteil der Schenkung aus alter Zeit Wald, und der wird bekanntlich immer problematischer.

Kronacher profitierten lange

Das bischöfliche Entgegenkommen hat sich in den letzten Jahrzehnten für die Kronacher in Grundstücksfragen günstig ausgewirkt: So manches hübsche Sümmchen bereicherte den Stadtsäckel. Als Beispiel sei das 1979 eingeweihte Stockheimer Rathaus genannt. Um die bauliche Realisierung in dieser zentralen Lage zu ermöglichen, musste die Gemeinde Stockheim 8500 Quadratmeter Grund und Boden von der Lucas-Cranach-Stadt erwerben. Und so ist es vielen Häuslebauern ergangen.

Dagegen sah die wirtschaftliche Situation zur Zeit der Schenkung alles andere als rosig aus. Denn die beiden Rittergüter waren mit erheblichen Schulden belastet und somit ein echter Problemfall für die tapferen Verteidiger. Pech für die Kronacher, denn sie sollten zuerst die attraktiveren Rittergüter Weißenbrunn und Theisenort erhalten. Doch soweit kam es nicht.

Am 15. Oktober 1632 - Wallenstein hatte gerade für drei Tage sein Hauptquartier in Unterrodach aufgeschlagen - kam der Stein ins Rollen. Bürgermeister und Rat der Stadt nahmen die Gelegenheit wahr, Wallenstein darum zu bitten, er möge beim Kaiser eine Entschädigung für ihre in kaiserlichen Diensten erlittenen großen Verluste erwirken. Als angemessene Wiedergutmachung wurde die Schenkung der an Bamberg anheimgefallenen Rittergüter Weißenbrunn und Theisenort gefordert.

Noch am 17. Oktober entsprach Wallenstein der Kronacher Bitte. Diese vorläufige Übertragung der Güter durch den Feldherrn des Kaisers bedurfte der Ratifikation durch den Kaiser selbst. Ferdinand II. akzeptierte den Kronacher Wunsch und sprach sich am 23. Februar 1634 für eine Übertragung vorgenannter Rittergüter aus.

Diese Angelegenheit schien nach Lage der Dinge für die Kronach bestens gelaufen zu sein. Doch man hatte zu früh gejubelt und den Bamberger Bischof bei dem Gütertausch nicht berücksichtigt. Der geistliche Lehensherr war seit 1631, als der Schwedensturm in Franken begann, außer Landes gewesen, und als er nun 1634 zurückkehrte, schien er wenig geneigt, die Schenkung in den darauffolgenden Monaten anzuerkennen. Er hielt die Kronacher hin und spielte auf Zeit.

Allerdings waren die Stadtväter nicht gewillt, einfach aufzugeben. So sandten sie, als Ferdinand III. 1636 zu Regensburg zum römischen König gewählt wurde, eine Abordnung dorthin, um an höchster Stelle um "gütigste Vermittlung" zu bitten. Erfreut registrierte die Delegation aus dem Frankenwald, dass der Kaiser weiterhin ihrem Anliegen gewogen war. Doch trotz dieser erneuten Fürsprache am 24. Januar 1637 war man in Bamberg auch weiterhin nicht bereit, Fakten zu schaffen.

Verzweifelt nach Ausweg gesucht

Die Hoffnungen der Kronacher sanken nun ganz beträchtlich, denn die bisherigen Besitzer der Rittergüter Theisenort und Weißenbrunn konnten dem Bischof in der Zwischenzeit klarmachen, dass sie wegen ihres hohen Alters gar nicht gegen den Kaiser gedient hätten und somit eine Enteignung völlig unbegründet sei. Die Kronacher hatten jetzt schlechte Karten. Verzweifelt suchte man nach einem Ausweg.

Als Bischof Franziscus von Hatzfeld und der Domprobst Melchior Otto Voit von Salzburg im Jahr 1638 Kronach persönlich aufsuchten, baten die Bürgermeister Michael Lohnmüller und Nikolaus Zitter den Domprobst Melchior Otto, beim Bischof zu vermitteln. Als Ausgleich schlugen die Bürgermeister die beiden Rittergüter Stockheim und Haßlach vor, die dem Hochstift anheimgefallen waren. Die Geschlechter von Mengersdorf (Stockheim) und von der Cappel (Haßlach) waren seit einigen Jahren bereits ausgestorben.

Kompromissbereitschaft gezeigt

Mit diesem Vorschlag demonstrierten die Kronacher Kompromissbereitschaft, die beim Domprobst ihre Wirkung nicht verfehlte. Der Bischof gab schließlich "grünes Licht" für eine gütliche Regelung: Er überließ die Güter Stockheim und Haßlach der tapferen Stadt.

Allerdings stellte der oberste Lehensherr die Bedingung, dass Bürgermeister und Rat auf Kosten Kronachs 200 Soldaten anzuwerben hätten, die der Bischof zum Dienst in der Stadt selbst oder im Hochstift verwenden konnte. Diesem Vorschlag stimmten die Kronacher zu, die alsbald eine neue Enttäuschung verkraften mussten. Denn beim endgültigen Abschluss in Bamberg erfuhren sie erstmals, dass Haßlach mit einem Schuldenstand von 6000 Gulden belastet war. Dieser Betrag war im Vergleich zum Wert des Gutes eine enorme Summe.

Nun wollten die Kronacher nicht mehr. In letzter Minute lenkte der Bischof ein und minderte die Schuldenlast des Rittergutes Haßlach um 3000 Gulden.

Am 25. Februar 1639 war es dann endlich soweit: Bischof Franziscus von Hatzfeld unterzeichnete die offizielle Schenkungsurkunde. Die Stadt, so heißt es in dem Papier, erhalte als Entschädigung für die im Krieg eingetretenen materiellen Verluste die beiden Güter Stockheim und Haßlach. Alle Einkünfte der Stadt aus diesen Besitzungen seien vornehmlich zur Wiederherstellung der Verteidigungskraft, vor allem zum Ausbessern der Stadtmauern, zu verwenden.

Auf Grund dieser Schenkung entstand seit 1639 eine enge Verbindung mit Stockheim und Haßlach. Im alten Hofhaus des ehemaligen Stockheimer Schlosses wohnten fortan die städtischen Förster. Und an die Ära der Zusammengehörigkeit erinnert auch heute noch das Kronacher Wappen von 1651, das an der Emporebrüstung der St.-Wolfgang-Kapelle im Jahr 1710 in Stockheim angebracht wurde.

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