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Loewe: Warum Wolfgang Beiergrößlein Fingerspitzengefühl beweisen muss

Der neue Besitzer Skytech würde mit Loewe gerne auf das Areal in der Industriestraße zurückkehren, hat das Miet-Angebot der Stadt bislang aber nicht angenommen. Dennoch könnte bald alles ganz schnell gehen.
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400 Mitarbeiter waren kurz vor der Insolvenz noch bei Loewe beschäftigt. Kehrt der neue Inhaber der Markenrechte mit dem Unternehmen auf das Areal in der Industriestraße zurück, werden allerdings deutlich weniger Gebäude benötigt. Zunächst sollen lediglich um die 30 Arbeitsplätze entstehen. Foto: Archiv
400 Mitarbeiter waren kurz vor der Insolvenz noch bei Loewe beschäftigt. Kehrt der neue Inhaber der Markenrechte mit dem Unternehmen auf das Areal in der Industriestraße zurück, werden allerdings deutlich weniger Gebäude benötigt. Zunächst sollen lediglich um die 30 Arbeitsplätze entstehen. Foto: Archiv

Wann kehrt Loewe auf das gleichnamige Areal zurück? Mitte Dezember kaufte die Skytech-Gruppe die Namensrechte des insolventen Kronacher TV-Geräteherstellers dem britischen Finanzinvestor Riverrock ab (wir berichteten). Die Hoffnung vieler ehemaliger Loewe-Mitarbeiter war daher groß, dass auf dem Areal in der Industriestraße schon bald neue Arbeitsplätze entstehen.

Immerhin hatte Skytech-Chef Vladislav Khabliev im Vorfeld des Kaufs verlauten lassen, mindestens 30 Stellen schaffen zu wollen. Schon wenige Wochen nach einer erfolgreichen Übernahme solle "die Arbeit an neuen Produkten am Standort Kronach" starten, hieß es in einer Pressemitteilung des Beteiligungsunternehmens.

Patente und Maschinen

Knapp drei Wochen nach dem Kauf der Markenrechte ruht die Arbeit in den einst von Loewe genutzten Gebäudeteilen allerdings noch immer. Aus gleich mehreren Gründen. Denn mehr als die Markenrechte besitzt Skytech bisher nicht. Während das Grundstück der von Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) geführten Stadtentwicklungs GmbH gehört (siehe Infokasten), hält derzeit noch Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß die Hand über die restliche Insolvenzmasse. Dabei handelt es sich vor allem um Patente, Maschinen, Werkzeuge, Mobiliar, das Rohteillager, Ersatzteile und die vor der Insolvenz noch produzierten Geräte.

"Konstruktive Verhandlungen"

Nun könnte alles aber ganz schnell gehen. "Die genauen vertraglichen Regelungen werden derzeit abgestimmt", sagt ein Sprecher der Kanzlei des Insolvenzverwalters auf Anfrage des Fränkischen Tags. "Ich glaube, wirtschaftlich ist man sich soweit einig." Derzeit befinde sich Khabliev in Las Vegas (USA) auf der Technikmesse CES. Sobald er zurück ist, sollen jedoch die Unterschriften erfolgen. "Ich hoffe, dass es zeitnah zu einem Abschluss kommt", so der Sprecher.

Auch Wolfgang Beiergrößlein sieht inzwischen Licht am Ende des Verhandlungstunnels. Der Mietvertrag mit Skytech werde gerade erarbeitet. "Da sind wir auf einem guten Weg und mit Skytech in engen, sehr konstruktiven Verhandlungen", erzählt der Rathauschef. Noch müssten sich beide Seiten allerdings weiter aufeinander zubewegen. Spätestens bis zum Dienstag, 14. Januar, soll die restliche Distanz allerdings überbrückt sein - immerhin verschickte Beiergrößlein für diesen Termin am gestrigen Dienstag an die Fraktionen eine Einladung zu einer nichtöffentlichen Sondersitzung des Kronacher Stadtrats, in der die Inhalte des Vertrags vorgestellt werden. "Ich hoffe, dass ich vom Gremium einen entsprechenden Empfehlungsbeschluss bekomme, sodass ich als Geschäftsführer guten Gewissens den Mietvertrag unterschreiben kann.

Wichtige Rücklagen

Einigen ehemaligen Loewe-Mitarbeitern kann es mit der Unterschrift gar nicht schnell genug gehen. Nicht nur unsere Redaktion erreichten Nachrichten, die eine zu zögerliche Haltung der Stadt anprangern. Auch Beiergrößlein hat schon einigen Unmut zu spüren bekommen. "Da kann es schnell emotional werden, wenn man Mails von ehemaligen Mitarbeitern bekommt, die schreiben, ob mir ihre Arbeitsplätze nicht am Herzen liegen", erzählt er. Ihm seien die "Arbeitsplätze eminent wichtig", aber als Geschäftsführer einer GmbH sei er verpflichtet, sie so zu führen, dass die Liquidität gesichert ist. "Wir wollen da nichts vergolden, aber wir brauchen Rücklagen, um die Gebäude auch sanieren zu können."

Mehrere Mieter

Beiergrößlein muss nun einiges Fingerspitzengefühl beweisen. Skytech ist nicht darauf angewiesen, mit Loewe weiterhin in der Kreisstadt zu bleiben. Zwar möchte das Unternehmen das Fachwissen der ehemaligen Loewe-Mitarbeiter nutzen - aber sicher nicht um jeden Preis. Nur, wenn es sich wirtschaftlich auch rechnet, hat Loewe in Kronach eine Zukunft.

Das von der Stadt unterbreitete Angebot, das sich am ortsüblichen Mietpreis orientiert, scheint Skytech aber noch zu hoch zu sein. Das Problem: Loewe war schon seit Jahren nicht mehr der einzige Mieter auf dem Areal in der Industriestraße. Neben kleineren Firmen sind dort längst auch der Lernort Kronach der Hochschule Coburg oder die private Seibel-Fachoberschule heimisch heimisch geworden. Und die sollen sich nicht ungleich behandelt fühlen, weil sie eine ortsübliche Miete zahlen. "Das wäre ihnen gegenüber verantwortungslos", betont Beiergrößlein.

Zu den bisherigen Mietern gehört übrigens auch der chinesische Elektronikkonzern Hisense. Der hat den Kampf um die Loewe-Namensrechte zwar verloren, wird sein Forschungs- und Entwicklungszentrum laut Beiergrößlein aber trotzdem von Düsseldorf nach Kronach verlegen. Neu auf dem Gelände wird bald auch die Dr. Schneider Unternehmensgruppe sein, die bekanntlich die EMS-Fertigung aus der Insolvenzmasse erworben hat (wir berichteten).

Zudem gebe es neben Skytech einen weiteren Interessenten, so Beiergrößlein. Entscheidend sei, dass möglichst viele Arbeitsplätze entstehen - und dass das Grundstück nicht unter Wert vermietet wird. Die Indizien sprechen allerdings nicht dafür, dass die Stadt Skytech die Tür noch vor der Nase zuschlägt. Denn Loewe an einem anderen Standort zu sehen, dürfte in Kronach kaum einer wollen.

Doch eine Produktion in Kronach?

Skytech hat derweil erneut bekräftigt, den Firmensitz von Loewe in der Lucas-Cranach-Stadt belassen zu wollen. Damit würden entsprechend auch das Marketing, der Service oder der Vertrieb vor Ort bleiben, so ein Sprecher der von Skytech mit der Pressearbeit beauftragten Agentur "behle & partner". Über eine Produktion in Kronach werde zudem nachgedacht. Es stehe aber noch nicht fest, in welchem Umfang und wann diese starten soll.

So wurde die Stadt zum Vermieter

Um Loewe nach dessen erster Insolvenz finanziell unter die Arme greifen zu können, gründete die Stadt Kronach 2014 die Stadtentwicklungs GmbH und kaufte dem Traditionsunternehmen das 56 000 Quadratmeter große Grundstück ab. Die Geschäftsführung übernahm Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein. Zum damaligen Kaufpreis möchte er sich nicht äußern. Mehr als dass es "damals zu einem angemessenen Preis erworben" wurde, ist ihm nicht zu entlocken. Dem Vernehmen nach legte die Stadt für das Loewe-Areal aber 2,5 Millionen Euro auf den Tisch. "Ich bin echt dankbar, dass wir es 2014 in einer schwierigen Haushaltslage erworben haben. Sonst wäre es irgendwo hin gerutscht - an wen auch immer", so der Bürgermeister.

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