Kronach
Wirtschaft

Loewe-Insolvenz in Kronach - Klappe, die Zweite

Loewe beantragte am Donnerstag bei Gericht eine Sanierung in Eigenverwaltung. Diese Maßnahme soll jedoch zu keinem Abwickeln des 500 Mitarbeiter starken Unternehmens führen, sondern zu einer schnelleren Neuausrichtung.
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Loewe steht erneut vor großen Herausforderungen. Foto: Teresa Hirschberg
Loewe steht erneut vor großen Herausforderungen. Foto: Teresa Hirschberg

Im Jahr 2013 stand Loewe am Scheideweg. Ein zähes Insolvenzverfahren ließ Schlimmes für den TV-Hersteller befürchten. Nach einem Auf und Ab in den folgenden Jahren wurde das Kronacher Unternehmen nun wieder bei Gericht vorstellig. Den Begriff Insolvenz sucht man in der Pressemitteilung hierzu vergebens. Die Rede ist von einer "Sanierung in Eigenverwaltung". Faktisch meint dies das Gleiche. Doch es soll ausdrücken, dass es klar um den Erhalt von Loewe geht, nicht um ein Abwickeln der Firma.

Pressesprecher Daniel Kolk vom Coburger Gericht bestätigt, dass am Donnerstag ein entsprechender Eigenantrag für die Loewe Technologies GmbH gestellt und umgehend ein Sachwalter eingesetzt wurde, der nun unter anderem das Firmenvermögen prüfen wird.Aus Kolks Sicht ist klar: "Es ist eine Eigenverwaltung beantragt worden, daher wurde der Sachwalter mit dem Ziel der Sanierung bestellt."

Zukunftskonzept schneller umsetzen

Diese Einschätzung deckt sich mit der Stellungnahme des Unternehmens. Durch dessen jetziges Vorgehen soll das umfassende Zukunftskonzept (der FT berichtete) nicht etwa getilgt, sondern die Umsetzung beschleunigt werden. Das ist nach Auffassung der Geschäftsführung dringend erforderlich. Deren Vorsitzender Ralf Vogt unterstreicht in der Pressemitteilung: "Unser relevantes Marktsegment in der gehobenen Preisklasse ist im laufenden Quartal um 20 Prozent rückläufig. Wir haben uns deshalb entschlossen, auf diesem Weg die weitere Sanierung von Loewe im Rahmen unseres Zukunftskonzeptes zu forcieren."

Pressesprecher Roland Raithel pflichtet bei, dass der jetzige Antrag die Reaktion auf die schlechte Marktentwicklung in den vergangenen Monaten bis zurück ins Jahr 2018 ist. Diese Situation "hat die Entscheidung nahegelegt, das Zukunftskonzept schneller anzugehen". Die Marktlage bei den Fernsehgeräten bestärke die Geschäftsführung in ihrem Bestreben, Loewe zügig breiter und internationaler aufzustellen.

Eckpfeiler sollen bestehen bleiben

Die finanzielle Basis für eine Sanierung sei auf alle Fälle gegeben, betont Raithel. Entscheidungen, wie die geplante Ausgliederung der Produktion in eine eigene Organisationseinheit, müssten nun zwar noch einmal unter dem neuen Licht gesehen werden, doch grundsätzlich solle gerade an solchen Eckpfeilern des Zukunftskonzepts festgehalten werden. "Das Management weiß, was es tut", untermauert Raithel angesichts der weitreichenden Planung. "Das war es auch, was das Gericht überzeugt hat."

Die beantragte Eigenverwaltung bietet Unternehmen einen rechtlichen Rahmen, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb in enger Abstimmung mit den Gläubigern neu aufzustellen. Die unternehmerische Verantwortung bleibt dabei in den Händen der Geschäftsführung, die die Sanierung selbst steuert, wie es in der Pressemitteilung weiter heißt. "Der Geschäftsbetrieb von Loewe geht während der Sanierung ohne Einschränkungen weiter", unterstreicht Vogt. "Wir können alle Kundenaufträge planmäßig erfüllen und werden auch unsere Lieferantenverbindlichkeiten begleichen, die während des Verfahrens entstehen."

Die Löhne und Gehälter der gut 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien in der Sanierungsphase gesichert. Allerdings waren gestern Stimmen aus der Belegschaft zu hören, die von einem angeblichen Appell zum Gehaltsverzicht für den zurückliegenden Monat sprachen.

Spielräume sollen weiterhin auch durch die kürzlich geschlossene Partnerschaft mit dem japanischen Unternehmen Toyoichi entstehen. In der akuten Lage hilft das jedoch noch wenig. "Diese Partnerschaft ist nichts, was sich von heute auf morgen auswirkt", erklärt Raithel. "Für die Zukunft versprechen wir uns aber einiges davon."

Landrat von Meldung kalt erwischt

Landrat Klaus Löffler (CSU) wurde von der Meldung über Loewe kalt erwischt. Aus dem Internet erfuhr er am Freitagmittag, was in Kronach kurz zuvor der Belegschaft mitgeteilt worden war. "Es macht mich persönlich sehr betroffen. Insbesondere, wenn ich an die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter denke, die bereits mehrmals durch schwere Zeiten mit dem Unternehmen gegangen sind und dabei bereits viel Lohn und Zeit zum Wohle des Unternehmens eingebracht haben", erklärt er.

In den bevorstehenden Monaten seien alle Verantwortlichen gefordert, die richtigen Entscheidungen im Sinne der Beschäftigten und des Unternehmens zu treffen. Wie schon beim "Durchschlagen des gordischen Knotens" in der Krise von 2013/14 biete man Loewe alle Hilfen im Rahmen der Möglichkeiten an.

Politik ist überrascht

Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU) fühlte sich ebenfalls überrascht von der jüngsten Entwicklung bei Loewe. Er will nun zunächst Gespräche suchen.

Gleiches gilt für Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW). Allerdings sieht er im Loewe-Antrag durchaus positive Aspekte. Die Führungscrew des Unternehmens hinterlasse einen sehr bodenständigen Eindruck und beweise mit ihrem Vorgehen auch den Mut, sich für die Umsetzung ihres Konzepts ins Kreuzfeuer zu begeben. Nun müsse man den Verantwortlichen auch das Vertrauen schenken, diese Pläne anzugehen. Immerhin gehe es um den Erhalt des Unternehmens und von 500 Arbeitsplätzen.

Beiergrößlein nimmt aber auch die Firmenleitung in die Pflicht, intensiv an dieser Sanierung zu arbeiten. Denn eines ist für ihn klar: "Für mich ist das jetzt die letzte Chance, das Unternehmen am Markt zu erhalten!"

Kommentar: Großer Geschichte droht ein Ende

"Wer nach der Kooperation mit dem japanischen Unternehmen Toyoichi Ende Februar dieses Jahres zwischen den Zeilen gelesen hat, konnte bereits erkennen, dass es mit Blick auf die finanzielle Situation von Loewe nicht etwa fünf vor Zwölf ist, sondern schon darüber hinaus ...

Mehrfach war die Rede von frei werdenden finanziellen Ressourcen oder auch von einem finanzstarken Partner. Doch der Plan, schnellstmöglich wieder finanziellen Spielraum zu gewinnen, ist nicht aufgegangen.

Aufgeschreckt wurde man bereits Ende 2018, als Mark Hüsges aus der Geschäftsführung ausgeschieden ist - ein Beleg dafür, dass es ihm trotz intensivster Bemühungen nicht gelungen ist, das Unternehmen wieder profitabel zu gestalten.

Die nachfolgende Geschäftsführung um Ralf Vogt kämpft seitdem gegen Windmühlen. Ein Grund hierfür sind auch auslaufende Darlehen. Wie dem aktuellsten Geschäftsbericht im Bundesanzeiger zu entnehmen ist, lief beispielsweise bereits Ende des Jahres 2018 ein Darlehen über zwei Millionen Euro aus. Weitaus größere Tragweite hat allerdings ein Darlehen über 25,5 Millionen Euro, das 2015 über eine Laufzeit von fünf Jahren abgeschlossen wurde und bis auf einen Teil gezahlter Zinsen am Ende der Laufzeit im kommenden Jahr beglichen werden muss. In der Summe viel Geld - vermutlich zu viel ...

Das nun eingeleitete Verfahren bietet die Chance, sich zumindest von einem Teil der finanziellen Altlasten zu trennen - vorausgesetzt die Gläubiger spielen mit. Ob dies am Ende reicht, um für Finanzinvestoren interessanter zu werden, ist fraglich.

Unterm Strich ist es Loewe nicht gelungen, sich einerseits für seine Premiumprodukte einen lukrativen Markt zu erschließen und andererseits massentaugliche Geräte der breiten Bevölkerung schmackhaft zu machen. Ein Spagat, der in dieser Form vielleicht auch gar nicht zu schaffen ist.

Angesichts der Historie von Loewe gleicht die Entwicklung einem Desaster. Ohne zu schwarz malen zu wollen, aber das einstige Vorzeigeunternehmen droht Geschichte zu werden. Denn ein weiteres Mal wird es wohl nicht gelingen, Finanzinvestoren zu gewinnen, ohne die eigene Seele zu verkaufen. So ist mehr denn je zu befürchten, dass am Ende wie beim Traditionsunternehmen Grundig ein großer Name bestehen bleibt, mehr nicht ..."

Kommentar von Alexander Löffler

Lesen Sie weiter: Rückblick - TV-Hersteller Loewe: Aus der Krise in die Krise

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