Kronach
Wirtschaft

Loewe-Insolvenz: Gläubiger-Ausschuss trifft sich erstmals

Der Kronacher TV-Gerätehersteller ist in seinem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung einen Schritt weiter. Der Gläubigerausschuss trat erstmals zusammen. Die Gespräche stimmen den Sachwalter positiv.
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Bei Loewe werden die Weichen für den Fortgang der Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Foto: Marco Meißner
Bei Loewe werden die Weichen für den Fortgang der Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Foto: Marco Meißner

Der nächste Schritt im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung des Kronacher TV-Geräteherstellers Loewe ist getan. Am Donnerstag trat der Gläubigerausschuss zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Sachwalter Rüdiger Weiß spricht von einem sehr konstruktiven Klima in dem "wegweisende Entscheidungen" getroffen wurden.

Diskutiert wurde demnach unter anderem über die Begleitung des sogenannten Investorenprozesses. "Nach unserer Vorstellung sollte dieser bis spätestens Ende des Jahres abgeschlossen sein", hofft Weiß, dass in den kommenden Monaten ein passender Kandidat für Loewe gefunden wird. Für das bevorstehende internationale Bieterverfahren ist er jedenfalls zuversichtlich. Immerhin könne mit Loewe ein "vollständig bereinigtes Unternehmen" übergeben werden, bei dem "keine alten Zöpfe mehr abgeschnitten werden müssen".

Rückkehr zum Tagesgeschäft

Loewe-Pressesprecher Roland Raithel berichtet derweil auf Anfrage des Fränkischen Tags, dass für das Hauptverfahren der Insolvenz noch kein Termin festgelegt wurde. "Wir stehen dazu in Verhandlungen mit dem Betriebsrat."

Der Stillstand der Produktion scheint hingegen beendet zu sein. Hierzu erklärt der Pressesprecher, dass vor allem im Bereich der Auftragsfertigung in diesen Tagen wieder die Arbeit aufgenommen worden sei. "Auch neue TV-Geräte werden ausgeliefert", ergänzt Raithel und sagt: "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass auch die anderen Bereiche wieder starten." Dafür müsse aber erst die Lieferkette wieder vollständig und reibungslos zum Laufen gebracht werden.

Es werde alles daran gesetzt, die vorliegenden Auftragspakete für die Kunden zügig abzuarbeiten, versichert der Pressesprecher. Man gehe jedenfalls davon aus, dass das Tagesgeschäft in Kürze wieder wie gewohnt laufen kann.

Parallel bereite das Unternehmen Gespräche mit "einer Reihe von potenziellen Investoren" vor, die sich mittlerweile schon gemeldet hätten.

Wie funktioniert eine Insolvenz in Eigenverwaltung?

Fachmann Insolvenz in Eigenverwaltung - für Nichtjuristen ist das erst einmal ein Buch mit sieben Siegeln. Was dahinter steckt, erklärt der Berliner Rechtsanwalt Jörg Franzke in neun Schritten (siehe unten und ausführlich unter www.ra-franzke.de).

Vorteile Franzke verweist zudem auf vier Vorteile dieses Verfahrens gegenüber der Regelinsolvenz: Kein Kontrollverlust für das Unternehmen, Betriebs-Know-how bleibt erhalten, geringer Imageschaden und Liquidität statt Neuverschuldung (zum Beispiel durch das Insolvenzgeld).

1. Antrag auf Eigenverwaltung: Die Eigenverwaltung kann für jedes Regelinsolvenz-Verfahren beantragt und angeordnet werden, nicht jedoch für Verbraucherinsolvenzen. 2. Insolvenzantrag als Anlage: Die Anordnung der Eigenverwaltung setzt einen Insolvenzantrag voraus. Also wird nicht nur die Eigenverwaltung beantragt, sondern zugleich die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Unternehmens.

3. Der Gläubigerausschuss: Dieser Ausschuss überwacht den Sanierungsvorgang. So wie der Sachwalter, soll auch er darauf achten, dass die Geschäftsführung in der Eigenverwaltung keine Gläubiger benachteiligt. 4. Die vorläufige Eigenverwaltung: Ein Gericht prüft, ob das Unternehmen überhaupt für die Eigenverwaltung geeignet ist. Der Prüfvorgang kann zwischen einem und zehn Tagen dauern. Bei einem positiven Ausgang führt der Geschäftsführer das Unternehmen fort. Ein Sachwalter wird zum "Aufpasser". Das Unternehmen steht unter Gläubigerschutz (Pfändungen, Arreste usw. sind ab sofort unwirksam, bereits gepfändete Gegenstände und Konten bleiben aber gepfändet).

5. Eröffnung des Hauptverfahrens: Wie die vorläufige Eigenverwaltung beginnt auch das Hauptverfahren mit einem Gerichtsbeschluss. Während die vorläufige Eigenverwaltung insbesondere dazu dient, den Schock der Insolvenz zu überwinden und das Unternehmen vor dem "Absaufen" zu bewahren, ist das Hauptverfahren auf die Befriedigung der Insolvenzgläubiger ausgerichtet.

6. Prüftermin und Gläubigerversammlung: Aus den angemeldeten Forderungen erstellt der Sachwalter die Insolvenztabelle. Diese enthält die Beträge der Gläubiger-Forderungen. Unmittelbar auf den Prüftermin folgt die Gläubigerversammlung. Diese sollte folgende Beschlüsse fassen: Das Unternehmen wird fortgeführt; die Eigenverwaltung bleibt angeordnet; die Schuldnerin wird beauftragt, der Gläubigerversammlung einen Insolvenzplan zur Abstimmung vorzulegen. 7. Erarbeitung eines Insolvenzplans: In diesem Schritt setzt das Sanierungsteam die Beschlüsse der Gläubigerversammlung um. Ein Insolvenzplan ist so etwas wie ein Vertrag über einen Teilzahlungsvergleich: Der erste Teil enthält alle wesentlichen Entscheidungsgrundlagen und stellt dar, wie sich die Quote für die Gläubiger berechnet. Der zweite Teil gibt Auskunft darüber, wie sich der Insolvenzplan auf die Gläubiger auswirkt. 8. Abstimmung über den Insolvenzplan: Der Insolvenzplan wird mit dem Sachwalter, dann mit dem Richter und schließlich mit den Gläubigern abgestimmt. Die Abstimmungsrunde dauert zwischen vier und zwölf Wochen. Schließlich stimmen die Gläubiger über den Insolvenzplan ab. Im Erfolgsfall ist der Schuldenschnitt danach perfekt. 9. Verteilung der Quoten und Verfahrensabschluss: Damit wäre das Ende der Insolvenz in Eigenverwaltung erreicht. Dann müssen die Quoten an die Gläubiger ausgeschüttet, die Verfahrenskosten festgesetzt und bezahlt sowie das Insolvenzverfahren mit einem Beschluss des Gerichts offiziell aufgehoben werden.

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