Laden...
Kronach
Wohnen

Leben im Kloster: Gewinn durch Verzicht

Das Oblatenkloster in Kronach ist das Zuhause von vier Männern, die als Priester und Seelsorger tätig sind. Vom Leben in der Gemeinschaft.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Zimmer sind mit dem notwendigen Mobiliar eingerichtet, die Ausgestaltung obliegt den Patres selbst.Magdalena Kestel
Die Zimmer sind mit dem notwendigen Mobiliar eingerichtet, die Ausgestaltung obliegt den Patres selbst.Magdalena Kestel
+3 Bilder

Mit einem Kloster assoziieren viele Menschen sicherlich ein karges, spartanisches Leben im Angesicht Gottes. Ein Alltag aus Gebet und Verzicht. Klischees und Vorstellungen, geprägt von der Vergangenheit, aber auch durch Film und Fernsehen. Pater Rudolf Welscher aus dem Oblatenkloster in Kronach räumt mit den Vorurteilen auf, indem er hinter die Mauern des 350 Jahre alten Gebäudes in der Lucas-Cranach-Stadt blicken lässt.

An dem Lebensstil hat sich seit dem Mittelalter viel verändert. In der Anfangszeit der Klöster schliefen alle Mönche zusammen in einem einzigen Saal - dem sogenannten Dormitorium. Erst im Spätmittelalter wurde der Schlafsaal in Klosterzellen aufgeteilt. Diese kargen Zimmer waren nach den Mönchsregeln des heiligen Benedikt nur mit Tisch, Schrank, Bett und einem an der Wand hängenden Kreuz ausgestattet, erzählt Pater Welscher. Dusche und Toilette befanden sich auf dem Gang und wurden gemeinschaftlich genutzt. Seitdem ist der Komfort gewachsen.

"In den 70er Jahren wurde das Kloster umgestaltet, so dass jeder eine eigene Nasszelle hat", erklärt Pater Welscher, der diesen Luxus zu schätzen weiß. Das Zuhause im Oblatenkloster teilt er sich mit den Patres Waldemar Brysch, Helmut Haagen und Gottfried Hofer. Jeder der vier hat ein eigenes Zimmer mit Bad. Die Räume verströmen keinen Luxus, sind jedoch hell und geräumig und dürfen selbst ausgestaltet werden.

Geregelte Abläufe

Für die vier Patres beginnt der Tag mit einem Morgenritual. Um kurz nach sieben Uhr treffen sie sich in der Hauskapelle und sprechen die Laudes - das Morgengebet. Danach wird 30 Minuten geschwiegen. "Stille halten" nennt es Pater Welscher. "Es ist eine ganz kostbare Zeit. Mir tut es gut, einfach mal die Gedanken kommen zu lassen", erzählt der Priester. Nach dem gemeinsamen Frühstück geht jeder der Männer seinen Aufgaben und Pflichten nach.

Der Orden der "Missionare Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria", dem die vier Herren angehören, ist ein tätiger Orden. Neben Gottesdiensten in der Klosterkirche und verschiedenen Pfarrgemeinden der Umgebung leisten die Patres auch seelsorgerische Arbeit in den Pfarreien und Seniorenhäusern. "Wir finden einen Kompromiss zwischen den strengen Ordensregeln und unserer pastoralen Arbeit", macht Pater Welscher deutlich. Daher kann und muss nicht jeder täglich am Mittagsgebet teilnehmen, was der persönliche Terminplan auch gar nicht zulassen würde. Am Sonntagabend jedoch bleibt der Kalender frei und die vier Männer nehmen sich Zeit für die Gemeinschaft. "Die Basis ist das normale Menschliche", sagt Pater Welscher über das Zusammenleben. Bei den Geistlichen geht es nicht nur ums Beten. Sie reden über ganz alltägliche Dinge, erzählen sich Persönliches und feiern natürlich auch mal, verrät der 70-Jährige.

Versprechen an Gott

Keuschheit, Gehorsam und Armut - diese drei Gelübde mussten die Patres ablegen. Ein Versprechen an Gott, ein Leben gemäß den Ordensregeln zu führen. Gehorsamkeit statt Machtanspruch. "Wir leben nie aus Karrieredenken", erklärt Pater Welscher. "Das macht uns frei für die eigentliche Aufgabe."

Armut statt Geldgier. Die Patres haben kein eigenes Einkommen, ihr Verdienst geht in die Gemeinschaftskasse. Jeder darf sich davon bedienen, größere Anschaffungen müssen jedoch gemeinsam besprochen werden. "Wir haben Geld in der Tasche, aber kein Taschengeld", erklärt es der 70-jährige Priester.

Verzicht und Mehrwert

Keuschheit, das Versprechen, auf eine Partnerin und Familie zu verzichten. Ob er manchmal etwas vermisse? Natürlich kämen hin und wieder Gedanken auf, erzählt Pater Welscher. Wie es wäre, eine eigene Familie zu haben. Doch seine Entscheidung für dieses Leben habe der Geistliche damals bewusst getroffen - und diese nie bereut. "Jeder Priester muss auf etwas verzichten, aber wenn er sich berufen weiß und seine Arbeit gern macht, bekommt er unheimlich viel zurück."

Pater Welscher sieht auch einen ganz gewaltigen Mehrwert in der gemeinschaftlichen Wohnform des Klosters. Die Tagesordnung helfe, nicht in der Hektik des Alltags unterzugehen. Es bleibe Zeit zum Nachdenken und Innehalten - auch das gehöre zum Dienst der Patres.

"In unserer Leistungsgesellschaft müssen wir nicht mitschwimmen", macht der Priester deutlich, der selbst seit bereits 50 Jahren in Klöstern lebt. Er könne sich ganz auf die Aufgabe als Seelsorger und Priester konzentrieren.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren