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Kronach
Protest

Landwirte kämpfen in Kronach um ihre Zukunft

Mit ihren Traktoren fuhren Bauern am Samstag von Ruppen aus zur Kundgebung auf dem Schützenplatz. Verständnis für deren Situation zeigten die Politiker Monika Hohlmeier (CSU) und Klaus Adelt.
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Mit etwa 400 Traktoren machten Landwirte mit ihrer Fahrt von Ruppen nach Kronach auf ihre Probleme aufmerksam. Foto: Maria Löffler
Mit etwa 400 Traktoren machten Landwirte mit ihrer Fahrt von Ruppen nach Kronach auf ihre Probleme aufmerksam. Foto: Maria Löffler
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"Wir Landwirte haben es satt! Die Düngeverordnung ist unpraktikabel und nicht einhaltbar. Und wir fordern, dass nicht immer alles auf unserem Rücken ausgetragen wird. Wir übernehmen unseren Teil der Schuld, aber eben nicht mehr." Allerorts gehen Landwirte gerade aufgrund der neuen Düngeverordnung auf die Barrikaden. Und in Kronach gipfelte dieser Protest in einer Fahrt von etwa 400 Traktoren, die in Ruppen starteten und durch die Stadt Richtung Schützenplatz fuhren.

In der Kaiserhofhalle gab es schließlich eine Kundgebung. Europaabgeordnete Monika Hohlmeier (CSU) versprach den aufgebrachten Landwirten Rückendeckung.

"Land schafft Verbindung - wir rufen zu Tisch." Diese relativ junge Vereinigung aus Landwirten organisiert seit einiger Zeit Protestaktionen überall in Deutschland. Veranstaltungsleiter in Kronach war Markus Koch, selbst Landwirt, der mittlerweile zweifelt, ob er nicht den falschen Beruf ergriffen hat. "Ich liebe das, was ich tue, aber ich bin inzwischen gezwungen, Dinge zu tun, die überhaupt keinen Sinn ergeben." Und damit steht er nicht alleine. Auch Michael Fischer weißt auf die Missstände hin: "Bei den Messstellen sind wir Deutschen das Schlusslicht, denn es gibt viel zu wenige, um wirklich aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Wir haben ausschließlich nach geltenden Regeln gedüngt, aber bei zwei trockenen Jahre hintereinander konnte ja nicht viel passieren." Die Landwirte - egal, ob Bio oder konventionell - hätten "keinen Bock mehr", sind frustriert, betonen die beiden. Markus Koch: "Die Sperrfristen werden immer kürzer und auch die Zeiträume, in denen etwas ausgebracht werden darf. Wir müssen uns nach den Lohnunternehmern richten, denn alleine schaffen wir das gar nicht. Und wenn der Unternehmer dann halt nur abends um 8 Uhr kann, dann ist das so. Nach dem Kalender, der Uhr oder gar nach der Pflanze können wir uns schon lange nicht mehr richten. Und das macht keinen Sinn." Dazu käme, dass die Gelder der EU um rund sechs Prozent gekürzt worden seien und den Bauern also immer weniger zum Leben oder zum Überleben bleibe.

Den Rücken der Landwirte stärkte Europaabgeordnete Monika Hohlmeier. Sie zeigte durchaus Verständnis für die Empörung: "Es ist gut, dass Ihr Euch rührt und dabei fachlich und sachlich bleibt." Sie versprach "brutal hartnäckig" in puncto Messstellen zu bleiben und möchte vor allem eine differenzierte Betrachtung der Agrarlandschaft von Hamburg bis München. "Hier herrschen doch total unterschiedliche Grundlagen. Eine einheitliche Lösung macht also überhaupt keinen Sinn." Und fast ganz nebenbei ließ sie noch eine Bombe platzen: "Ich kämpfe für ein Anti-Oligarchengesetz. Die, die industrielle Landwirtschaft betreiben und politisch verwoben sind, sollen gar nichts mehr bekommen. Es kann nämlich nicht sein, dass die, die die eine politische Spitzenstellung einnehmen, sich selbst das Geld zuteilen. Da hört es für mich auf." Hohlmeier bezog sich dabei ausdrücklich nicht auf "kleine Familienbetriebe", sondern auf industrielle Konglomerate und sie erntete dafür rauschenden Beifall der Landwirte. "Das Geld muss an die Mehrheit der Bevölkerung gehen, nicht an einige wenige."

Fragenkatalog

Zum Ende ihrer Rede bekam Monika Hohlmeier aus den Händen von Landwirt Klaus Siegelin unter anderem einen Fragenkatalog überreicht. Hier waren die Anliegen der Landwirte zusammengefasst. Darin fragen die Landwirte konkret: "Was wollen Sie unternehmen, damit in Zukunft Landwirte zum Zeitpunkt der verpflichtenden Umsetzung nicht ohne verbindliche Informationen dastehen." Zudem wünschten sie sich eine Kombination aus Natur- und Umweltschutz mit aktiver Erzeugung. Außerdem fragten sie ganz deutlich: "Wie wollen Sie verhindern, dass sich die Einkommen der aktiven Bauernfamilien in Folge von Förderprogrammen schmälern? Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen plötzlich mehrere Tausend Euro des Einkommens fehlen?"

Umsetzung auf Europaebene

SPD-Landtagsabgeordneter Klaus Adelt stand an diesem Abend ebenfalls auf der Bühne in der Kaiserhofhalle. Er zeigte sich überwältigt von der Anzahl der Fahrzeuge, die an dieser Protestaktion teilgenommen hätten. Dieser Umstand sei ein Messlatte für das Ausmaß der Empörung unter den Landwirten. Er räumte aber auch gleichzeitig ein, dass "eine Diskussion, die in Bayern geführt wird, erst einmal auch in Europa umgesetzt werden muss". Dabei solidarisierte auch er sich mit den Bauern: "Die Landwirtschaft steht derzeit zu Unrecht unter Beschuss." Trinkwasserschutz sei ein Anliegen von allen, aber es könne nicht sein, dass schlampige Umsetzungen, die auf veraltetes Kartenmaterial oder falschen Messsysteme basierten, die Grundlagen für Beschlüsse darstellten. "Wir müssen erst einmal verlässliche Zahlen schaffen, dann sehen wir, was hinten rauskommt." Dazu brauche es ein "Frühwarnsystem der Landwirte", die rechtzeitig auf solche Missstände aufmerksam machen. "Ihr wisst am besten, wo es hakt."

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