Küps
Kandidatenserie (2)

Landtagswahl: Warum Ralf Pohl die Heimat einfach nicht loslässt

Im zweiten Anlauf bewirbt sich Ralf Pohl (SPD) um einen Sitz im Landtag. Ein Anliegen ist dem promovierten Wirtschaftswissenschaftler besonders wichtig.
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Er hat einen guten Job an der Universität in Erlangen. Trotz allem will er es aber wissen: Ralf Pohl will in den Landtag. Der Sozialdemokrat will sich dort für eine Weiterentwicklung seines Stimmkreises Kronach/Lichtenfels einsetzen. Es ist das zweite Mal, dass der 53-Jährige für den Landtag kandidiert. Vor fünf Jahren verfehlte er nur knapp den Einzug. Diesmal soll es klappen.

Ralf Pohl ist einer, der seine Heimat liebt. Eher nimmt der zweifache Familienvater das Pendeln zu seinem Arbeitsort nach Erlangen in Kauf, als von seiner Heimatgemeinde wegzuziehen. Auch während seiner Studienzeit zog es den Wirtschaftswissenschaftler immer wieder nach Hause. Von seinem Heimatort aus hat er einen Blick über Wiesen und Felder. "Es ist schön hier!". Neben seinem Beruf an der Uni beschäftigt er sich gerne mit dem Anbau von Blumen und Gemüse in seinen Gewächshäusern. "Für mich ist das ein wichtiger Ausgleich."

"Man muss halt abwägen"

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Seit 2002 ist Pohl in der Kommunalpolitik aktiv. Zuerst als Gemeinderat in Küps, seit 2008 ist er auch im Kreistag vertreten. Als er vor 16 Jahren in die Küpser Kommunalpolitik einstieg, so erinnert er sich, ging es in den Diskussion überwiegend um den hohen Schuldenstand der Gemeinde. Sicherlich, man müsse die Finanzen im Auge behalten, aber eine Gemeinde müsse auch in die Zukunft investieren. "Man muss halt abwägen!"

Abwägen, das ist ein Schlagwort für Ralf Pohl. Er erzählt, dass er sich mit vielen Themen, mit Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft, Sozialpolitik etc., beschäftige, um die Belange von Bürgern und Interessenvertretern verstehen zu können und um nach Abwägung aller Argumente eine eigene Entscheidung treffen zu können.

Ralf Pohl ist überzeugt, dass er in München mehr als ein Kreispolitiker für seine Heimat bewirken kann. "Es ist ein Unterschied, ob man als Gemeinderat oder als Landtagsabgeordneter Anfragen bei Behörden oder im Ministerium stellt!"

Schafft er den Sprung in den Landtag, dann will sich Ralf Pohl für gleichwertige Lebensverhältnisse in Bayern einsetzen. "Der Freistaat muss mehr als bisher für die Entwicklung ländlicher Räume machen und mehr für Kronach und Lichtenfels!". In diesem Zusammenhang spricht er vom öffentlichen Nahverkehr, der viel stärker im Landkreis Kronach ausgebaut werden müsste - er hofft dabei auf eine schnelle Umsetzung des Mobilitätskonzepts. Über Fahrkarten könne dieser aber nicht finanziert werden, man brauche die dauerhafte Unterstützung durch den Freistaat. Zudem müsse die Regierung mehr Einfluss auf die Bahn ausüben, damit Kronach nicht von der Schiene abgehängt bleibt.

Handlungsbedarf sieht Pohl trotz vorhandener Förderprogramme auch in der Versorgung mit einem schnellen Internet. "Gegenüber vielen europäischen Nachbarländern haben wir da noch großen Nachholbedarf."

Weiterhin müssten Zentren für Forschung und Entwicklung im Landkreis Kronach angesiedelt werden. Pohl bedauert es, dass es mit der Hochschule für Forstwirtschaft nicht geklappt hat. Gerade mit solchen Einrichtungen kommen junge Menschen und entwickeln auch eigene Ideen, was wiederum zu mehr Firmengründungen führen könnte.

Die Ansiedlung der Finanzhochschule sei sehr erfreulich. Ein Nachteil sei aber, dass nur ein kleiner Teil der Absolventen nach der Beendigung ihrer Ausbildung im Landkreis bleiben kann.

Ausbaufähiger Tourismus

Potenzial sieht er weiter im Ausbau des Tourismus. Die bayerische Tourismuswerbung müsse mehr auf die Franken abgestimmt werden . "Wir haben halt keine Schuhplattler, aber auch wir haben Traditionen." Auch ein "Freizeitsee Süd" ist in seinen Gedanken vorhanden. Er möchte, dass dieses Thema noch einmal aufgegriffen wird.

Auch spricht er von der Einführung einer Frankenwaldcard, die mit Vergünstigungen für Besucher verbunden wäre. Pohl hält kurz inne, ehe er sagt: "Wichtig für den Erfolg unserer touristischen Angebote ist die Vernetzung innerhalb der Region und eine gute Infrastruktur. Alle Attraktionen müssen auch mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar sein."

Spricht man ihn auf die eher negativen Umfragewerte seiner Partei an, so begründet er dies damit dass die SPD auf Bundesebene nicht deutlich genug zum Ausdruck bringt, wofür sie steht. Und über die Herausforderung "AfD" meint er: "Die müssen inhaltlich gestellt werden!"



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