Kronach
Politik

Podiumsdiskussion in Kronach: Das waren die wichtigsten Aussagen der Direktkandidaten

Sechs Direktkandidaten für den Landtag haben sich an einer Podiumsdiskussion des FT und Radio Eins in Kronach beteiligt.
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Jeweils zwei Kandidaten standen zusammen mit den beiden Moderatoren Marian Hamacher (links) und Constantin Hirsch (Mitte) gemeinsam auf der Bühne. SPD-Kandidat Ralf Pohl (rechts) zog das Parteilogo seines Mitbewerbers Michael Zwingmann (Zweiter von links) aus einem Kartenstapel - was bedeutete, dass ihm auch der Kandidat der Freien Wähler Fragen stellen durfte. Foto: Matthias Hoch
Jeweils zwei Kandidaten standen zusammen mit den beiden Moderatoren Marian Hamacher (links) und Constantin Hirsch (Mitte) gemeinsam auf der Bühne. SPD-Kandidat Ralf Pohl (rechts) zog das Parteilogo seines Mitbewerbers Michael Zwingmann (Zweiter von links) aus einem Kartenstapel - was bedeutete, dass ihm auch der Kandidat der Freien Wähler Fragen stellen durfte. Foto: Matthias Hoch
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Sechs Kandidaten stellten sich am Donnerstagabend den Fragen der Moderatoren Marian Hamacher (FT) und Constantin Hirsch (Radio Eins) bei der Podiumsdiskussion im Kronacher Schützenhaus. Alle sechs Bewerber möchten in den bayerischen Landtag einziehen. Sie haben klare Visionen für den Stimmkreis Kronach/Lichtenfels, mit denen sie die Wähler am 14. Oktober überzeugen wollen.

Jürgen Baumgärtner (CSU) schwebten ein Hochschulstandort Kronach mit 1000 Studenten vor und eine Region, die stabil aufgestellt ist. Edith Memmel (Grüne) appellierte für einen ökologischen, sozialen und gerechten Umbau der Region. Detlef Rauh (AfD) pochte auf eine andere Einwanderungspolitik und will im Landtag kontrollieren, was die Mitbewerber an diesem Abend versprochen haben.

Thomas Müller (ÖDP) stellte Verbesserungen für Natur und Familie in den Mittelpunkt der Arbeit für ein offenes Bayern in einem offenen Europa. Michael Zwingmann (FW) will drei Säulen für die Region herausarbeiten: Infrastruktur, Familie und Unternehmen. Ralf Pohl (SPD) forderte gute Verkehrsanbindungen und weitere universitäre Einrichtungen.

Jürgen Baumgärtner (CSU)

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Was tun, wenn man mit Baumgärtner zufrieden ist, aber der CSU in München nicht traut?

Der Abgeordnete zeigte auf, dass die CSU-Regierung zuletzt viel für Kronach getan habe und noch tue. Hochschulstandort, Waldumbauzentrum, Tourismus, Wohnraumkonzept - in all diesen Bereichen unterstütze der Freistaat den heimischen Raum. "Wir investieren alleine 70 Millionen Euro in die Kronacher Stadtmitte. Die Region kommt voran", unterstrich der Abgeordnete.

Ein baldiger Spatenstich für die B 173, wie soll das funktionieren?

"Bei der B 173 haben wir große Fortschritte gemacht", betonte Baumgärtner kurz vor dem faktischen Baurecht für den Bereich von Lichtenfels bis vor die Tore von Küps zu stehen. Ein Spatenstich für einen Teilabschnitt in diesem Jahr sei denkbar. Der Abgeordnete prognostizierte, dass der Ausbau der B 173 "in zehn Jahren in Gänze fertig sein wird".

Wie ist es um das Gesundheitswesen in der Region bestellt?

Der CSU-Politiker betonte, der Klinikverkauf in Kronach sei ein Fehler gewesen, gegen den er seinerzeit gestimmt habe. Der Großteil des Gesundheitswesens sei eine Bundesaufgabe. Bayern leiste aber, was möglich ist. Er nannte Fortschritte an der Klinik, wo es beispielsweise endlich wieder Deutsch sprechendes Personal gebe, aber auch für die Hebammen.

Michael Zwingmann (FW)

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Die FW erscheinen manchmal zu südbayerisch ausgerichtet. Was ist dran an dieser These?

Michael Zwingmann zeigte auf, dass er diese Aussage für ein Vorurteil hält. Die Freien Wähler stellten Bürgermeister und Landräte in ganz Bayern und seien aus dieser Sicht die zweitstärkste Kraft im Freistaat. Sie brächten auch oft regional wichtige Themen wie die Straßenausbaubeitragssatzung ein, "und dann springt die CSU auf".

Sind die FW konservativ? Wenn es um Begriffe wie Tradition oder Heimat gehe, dann stufte sich Zwingmann durchaus als konservativ ein. "Aber nicht, wenn es zum Beispiel um die Digitalisierung geht", unterstrich er.

Wie ist es um soziale Themen bestellt?

"Wir stehen für kostenfreie Kitas", betonte Zwingmann. Auch müsse der Betreuungsschlüssel gesenkt werden, damit genug Erzieherinnen und Erzieher da sind. Dafür müssten Steuermittel aus weniger wichtigen Bereichen umgelenkt werden. In der Klinikdebatte gehe es vor allem darum, die betroffenen Berufsbilder wieder attraktiver zu machen und geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, da liege momentan die Wurzel der Probleme. Mit Blick auf das Beispiel Kronach unterstrich er, dass der Verkauf der Klinik ein Fehler gewesen sei. Solche Einrichtungen müssten in kommunaler Hand bleiben, um die Grundversorgung zu sichern.

Ralf Pohl (SPD)

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Wie kann die Region der Abwanderung begegnen?

"Wir müssen attraktiver werden", so Pohl. Dafür sind seiner Ansicht nach unter anderem bessere Verkehrsanbindungen - auf Straße und Bahn - wie auch eine zügigere Umsetzung des schnellen Internets essenziell. Ganz klar sprach er sich auch für den vierspurigen Ausbau der B 173 zwischen Kronach und Lichtenfels aus.

Kann die Region im Tourismussektor noch zulegen?

Pohl meinte, dass weitere und auch naturnahe Attraktionen für Gäste geschaffen werden müssten. Mit dem Tropenhaus und dem Wandern gebe es schon gute Ansatzpunkte. Für solche Angebote brauche es allerdings auch entsprechende Unterkünfte. Hier herrsche noch Nachholbedarf. Ebenso beim ÖPNV, der die Besucher zu den Attraktionen bringen sollte. Schließlich müsse die Region bekannter gemacht werden, doch das sei ein langwieriger Prozess.# Fehlt es der Region an Ärzten?

Im Bereich der Fachärzte sieht der SPD-Politiker eine Knappheit. Er nannte beispielsweise die Lage bei den Augen- und Kinderärzten. Er rief zu einem Blick in die Zukunft auf, wenn in zehn oder 15 Jahren zunehmend Ärzte in den Ruhestand gehen werden. "Wir müssen die Nachfolge regeln", forderte Pohl. Hierbei gehe es nicht nur ums Geld, sondern auch um Standortbedingungen (Wohnraum, Job für Partner, Schulen).

Edith Memmel

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Wie sehen die Grünen das Zusammenspiel von Wirtschaft und Umwelt?

Edith Memmel zeigte Respekt vor dem, "was unsere Firmen alles leisten". Es sei falsch, die Grünen immer als Gegenpol zu den Unternehmen darzustellen. Beispielsweise in Sachen Strom müsse den heimischen, energieintensiven Betrieben stärker unter die Arme gegriffen werden.

Behindert der Umweltschutz den Ausbau der B 303/173?

"Es gibt keine Lösung für Küps - was kann denn der Umweltschutz dafür?!", fragte Memmel. Ein dreispuriger Ausbau der B 173 hätte ihrer Ansicht nach die Situation entspannt. Und sie forderte, dass Schwerlastverkehr, der nicht just in time arbeitet, wieder stärker auf die Schiene müsse. Dadurch könne Straßenbau reduziert werden. Und Pendler bräuchten einen günstigen Zugang zum Öffentlichen Personennahverkehr.

Wie ist es um die regenerativen Energien in der Region bestellt?

Die Kandidatin forderte mit Blick auf einen gerechten Zugang für alle, dass bei Energie, Wasser, Schulen und Gesundheit nicht privatisiert werden dürfe. Sie verwies auf Unterschiede bei der Förderung zwischen konventionellen und regenerativen Energien, was zu Preisunterschieden führe. Hier spiele die Atomlobby ihre Karten clever aus. "Darüber muss man mal nachdenken - und auch über die Stromnutzung im eigenen Haushalt."

Thomas Müller (ÖDP)

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Wieso sitzt die ÖDP noch nicht im Landtag? Die ÖDP ist laut Thomas Müller die erfolgreichste Oppositionspartei in Bayern. Auf Landesebene fehle die Möglichkeit, besser auf sich aufmerksam zu machen, weil die Partei nicht im Landtag vertreten ist. Diesmal strebe man dennoch sechs Prozent an.

Wo muss in der Region der Hebel angesetzt werden?

Der Kandidat ging in erster Linie auf den Öffentlichen Personennahverkehr ein. Neue Buslinien im Kreis Lichtenfels seien ein richtigter Ansatz, um die ÖPNV-Frequenz zu erhöhen. Allerdings müsse der ÖPNV auch billiger werden. Kosten dürften nicht auf dem Rücken der Leute abgeladen werden. "Das würde ein Parkplatz- und Umweltproblem lösen." In Zusammenhang mit dem ÖPNV setzte er auch auf eine Verbesserung der medizinischen Versorgung auf dem Land.

Wo liegt der Unterschied zur CSU-Politik? Für Müller, der durchaus einige Übereinstimmungen seiner Partei mit den Ansichten der CSU feststellte, gibt es zum Beispiel beim Polizeiaufgabengesetz erhebliche Unterschiede. Es dürfe keinen Überwachungsstaat geben, die Polizei müsse für die Bürger da sein. Vor allem räumte Müller Sorgen ein, falls eine Partei wie die AfD mit diesem Gesetzte einmal das Ruder in die Hand bekäme. "Dann hätten wir eine Stasi oder eine Gestapo 4.0", sprach er Tacheles.

Detlef Rauh (AfD)

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Was hält die AfD von einem erleichterten Waffenerwerb?

"Einfache Waffen wurden bisher vielleicht zu streng behandelt", meint Detlef Rauh. Er sah eine Verbesserung des Sicherheitsgefühls, wenn eine Frau beispielsweise leichter an eine Schreckschusspistole kommen kann. Viele Leute trauen sich seiner Ansicht nach nachts nicht mehr auf die Straße.

Wie sieht das Gesellschaftsbild für die AfD aus?

Der Kandidat hob das Vater-Mutter-Kind-Modell als die erste Form der Ehe hervor. "Eingewanderte Muslime müssen das essen, was wir essen", wetterte er gegen eine seiner Ansicht nach bevorstehende Islamisierung, die bis an den heimischen Herd reichen würde. Fehlende Pflegekräfte sollten aus dem eigenen Land oder Osteuropa rekrutiert werden, aber nicht aus islamischen Staaten. Weiter kritisierte er die Rundfunkbeiträge. Der Bürger bezahle für eine einseitige Berichterstattung. Er sprach nicht von Lügenpresse, aber von Lückenpresse.

Wie konkret plant die AfD Verbesserungen nach der Wahl?

Rauh sprach über Stadtkern-Belebungen, Handwerksförderungen, Rentensicherung und schnelles Internet. Konkrete Lösungsansätze blieb er schuldig. "Konzepte zu erarbeiten, sind langwierige Prozesse", so der Kandidat, der sich zurzeit noch als "Hobbypolitiker" bezeichnet. "Diese ausgereiften Konzepte sind noch nicht in Planung."

Glosse von Marco Meißner: Wer mischt die Landtagsliga auf?

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Ein bisschen was hat so eine Landtagswahl von einer Bundesliga-Saison. Das Trainingslager geht zu Ende und die Podiumsdiskussion in Kronach war der letzte Härtetest, bevor es auf dem Spielfeld um Punkte geht. Wie bei den Fußballern, hat auch in der Politik jeder Spieler seinen eigenen Stil, seine maßgeschneiderte Taktik.

Da ist Titelverteidiger Jürgen Baumgärtner. Wie der FC Bayern lässt er routiniert den Ball in den eigenen Reihen laufen, hat die Konkurrenten im Videostudium genau auf ihre Schwachstellen analysiert und dribbelt flott durch die gegnerischen Argumente. Doch seine "mia san mia"-Mentalität stößt manchem in der Liga sauer auf.

Ralf Pohl will nicht zum Küpser "Vizekusen" werden. Mit wissenschaftlich ausgeklügelter Taktik soll diesmal mehr als Platz 2 herausspringen. Gleichzeitig muss er sich aber der aufstrebenden Konkurrenz erwehren.

Edith Memmel ist der unkonventionelle, quirlige SC Freiburg. Inzwischen etabliert, ist dem jahrelangen Außenseiter sogar ein Sprung in die Pokalplätze zuzutrauen.

Michael Zwingmann setzt auf einen bewährten Spielstil. Wie einst Otto Rehhagel bei Werder Bremen agiert er mit einer kontrollierten Offensive: solide Sacharbeit mit gezielten Spitzen gegen die Konkurrenz.

Thomas Müller möchte den Ruf des "Kellerkindes" abstreifen. Wie der 1. FC Nürnberg möchte er sich im Oberhaus etablieren, auch wenn seiner Partei die Möglichkeiten mancher Rivalen fehlen.

Detlef Rauh gibt sich wie einst Berti Vogts in Mönchengladbach als bissiger "Terrier", dessen Team gleich ganz oben mitmischen will. Aber Vorsicht: Irgendwann kann es für eine Blutgrätsche auch mal "Rot" geben.

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