Kronach
Gräber

Landkreis Kronach: Trendwende bei den Bestattungen

Auf den Friedhöfen zeichnet sich ein Wandel ab. Neue Bestattungsformen gewinnen eine immer größere Bedeutung. Die Gemeinden reagieren auf die veränderte Nachfrage.
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Erst seit wenigen Wochen ist diese Urnenfeld-Gemeinschaftsgrabanlage in Lauenhain fertig gestellt. Dort können Verstorbene in Urnengräbern in der Erde, die mit Granitplatten gekennzeichnet werden, halbanonym oder anonym bestattet werden. Foto: Veronika Schadeck
Erst seit wenigen Wochen ist diese Urnenfeld-Gemeinschaftsgrabanlage in Lauenhain fertig gestellt. Dort können Verstorbene in Urnengräbern in der Erde, die mit Granitplatten gekennzeichnet werden, halbanonym oder anonym bestattet werden. Foto: Veronika Schadeck

Wie möchte ich später einmal bestattet werden? Früher stellte sich diese Frage nicht. Es gab nur eine Option: Die Menschen wurden in einem Sarg beigesetzt. Zur Trauerfeier kamen neben den Angehörigen auch Freunde und Bekannte, die am offenen Grab Abschied nahmen. Die letzte Ruhestätte wurde später üppig mit Blumen und Kränzen geschmückt. Doch dieses Bild ändert sich. Mittlerweile befindet sich das Bestattungswesen im Landkreis Kronach im Umbruch.

Immer mehr Menschen wählen eine Feuerbestattung. Viele wollen nach ihrem Tod ihre Angehörigen nicht mehr mit einer jahrelangen Grabpflege belasten. Oftmals ist es aber auch so, dass es schlicht niemanden gibt, der sich 20 Jahre lang um das Grab kümmern kann. Die Gemeinden erkennen den Trend und reagieren. Das wurde bei der Befragung einiger Kommunen deutlich.

So lädt der Marktrodacher Bürgermeister Norbert Gräbner am Donnerstagabend zu einer Bürgerversammlung in die Rodachtalhalle ein. Dabei geht es um die Neukonzeption für den Oberrodacher Friedhof.

In der Stadt Ludwigsstadt wurde in der Kernstadt bereits eine zweite Urnenwiesenfläche auf dem Friedhof geschaffen, wie Bürgermeister Timo Ehrhardt erklärt. Inzwischen würden sich rund 80 Prozent der Angehörigen aus dem Stadtgebiet für Urnenbestattungen entscheiden. Neben den typischen Urnengräbern gebe es auch verstärkt Nachfragen nach Bestattungen auf Wiesenflächen.

Neue Anlage

Im 180 Einwohner zählenden Stadtteil Lauenhain wurde erst vor wenigen Wochen eine Urnen-Gemeinschaftsgrabanlage fertiggestellt. Die Anregung hierfür gab es bei einer Bürgerversammlung, erzählt Ehrhardt. Bei dieser Anlage können die Angehörigen beziehungsweise die Bürger schon zu ihren Lebzeiten entscheiden, ob sie den Standort ihrer Urne mit einer 30 mal 30 Zentimeter großen Granitplatte mit eingravierten Namen kennzeichnen möchten oder ob sie ihren Namen auf eine Schiefertafel anbringen lassen möchten, die an einer Lärchenstele befestigt wird. Weiterhin besteht die Möglichkeit sich anonym auf diesem Areal bestatten zu lassen. Geschaffen wurde zudem eine Ablegefläche, auf der Blumen abgestellt werden können.

Wie Ehrhardt erklärt, gibt es auch eine Urnenwiese in Ebersdorf. Dort allerdings könne - ebenso wie in Ludwigsstadt - der Name des Verstorbenen nur an der Stele angebracht werden.

Besondere Situation

"Wir hatten in diesem Jahr bisher 28 Sterbefälle, dabei gab es lediglich vier Erdbestattungen", geht Christian Volk von der Gemeinde Tettau auf den Trend ein. Er spricht davon, dass es in allen Ortsteilen Urnenwiesenflächen gibt. Eine zusätzliche wurde mittlerweile im Tettauer Friedhof geschaffen. Es gab und gibt keine Namen und keine Blumen an diesen Wiesen. Lediglich ein Kreuz weist darauf hin, dass auf diesen Flächen Bürger ihre letzte Ruhe finden.

In der Regel laufen die anonymen Bestattungen in Tettau so ab, dass die Urne nach dem Trauergottesdienst noch für eine Weile in der Kirche bleibt. Später kommen Mitarbeiter des Bauhofs und bestatten sie auf der Wiesenfläche.

Im Jahr 2019 fanden bisher sieben Bürger auf diese Art ihre letzte Ruhestätte. Dem Wunsch der Bevölkerung entsprechend, sollen nun Urnenwiesenflächen auf dem Tettauer Friedhof ausgewiesen werden, die mit Gravuren auf Granitplatten den Standort des Verstorbenen kennzeichnen beziehungsweise sollen dort Namen an Stelen angebracht werden können.

Keine anonyme Bestattung

Nach Aussage des kaufmännischen Leiters der Stadtwerke Kronach, Johannes Meitner, werden die Erdbestattungen auch in der Kreisstadt zunehmend weniger. Sukzessive sollen in den nächsten Jahren auf allen städtischen Friedhöfen Wiesenurnengräber errichtet werden. Bisher gebe es diese in Kronach und in Fischbach. Bei Letztgenannten wurde die Maßnahme erst in den letzten Tagen abgeschlossen.

Wie Meitner weiter erklärt, handelt es sich hierbei um Urnenwiesenfelder, auf denen Granitplatten mit Namensgravur angebracht wurden beziehungsweise werden. Anonyme Urnenbestattungen seien in der Kreisstadt kein Thema.

In Wallenfels, so Elisabeth Stadelmann von der Stadtverwaltung, wählen mittlerweile zwei Drittel der Bevölkerung eine Urnenbestattung in den typischen Urnengräbern. Eine Nachfrage nach anonymen Gräbern ist momentan nicht vorhanden.

Marktrodacher Ideen

Bauamtsleiterin Katja Wich von der Gemeinde Marktrodach ist gespannt auf die Ideen und die Reaktion der Bürger bei der Versammlung. Zuerst allerdings wird die Verwaltung ihre Vorstellungen mitteilen. "Schön soll der Friedhof werden, ein Ort der Trauer und der Begegnung", schwärmt sie.

Die Bürger sollen wählen können zwischen Erdbestattungen, klassischen Urnengräbern, Beisetzung auf der Wiese, mit Namensgravur oder anonym. Zudem denkt man daran, einen Urnenhain am Oberrodacher Friedhof zu schaffen.

In diesem Zusammenhang weist Wich darauf hin, dass es durchaus Bürger gibt, die als letzte Ruhestätte einen Ruheforst oder Waldfrieden in benachbarten Landkreisen wählen, weil es derartige Möglichkeiten in der Gemeinde nicht gebe. "Warum sollen Bürger, die ihr ganzes Leben lang in Marktrodach verbracht haben, nur wegen eines mangelnden Angebots außerhalb der Gemeinde ihre letzte Ruhestätte finden?", fragt sie.

Ferner sollen Ruhebänke zwischen den Grabfeldern angebracht werden. Unebenheiten auf dem Friedhofsgelände sollen beseitigt und eine zweite Wasserentnahmestelle fürs Gießen geschaffen werden. Das Leichenhaus soll zu einer Art Kapelle mit Sitzgelegenheiten werden, in der Gedenkfeiern für die Verstorbenen abgehalten werden können. Zudem wird über ein neues Wegekonzept nachgedacht.

Wich weist darauf hin, dass immer mehr Bürger aus der Kirche austreten und deshalb auch immer mehr Trauerredner zum Einsatz kommen. Auch für diese Art des Abschiednehmens könnte diese "Kapelle" genutzt werden. Jetzt komme es aber erst einmal darauf an, wie die Bürger auf die Vorstellungen der Verwaltung reagieren. Und: "Letztendlich muss der Gemeinderat darüber entscheiden."

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