Kronach
Umweltschutz

Landkreis Kronach hat zwei neue Naturschutzwächter

Der Kreis Kronach hat zwei neue Naturschutzwächter. Sie kümmern sich besonders um den nördlichen Landkreis und die Vogelwelt.
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Sie gehen mit offenen Augen durch die Natur (v. l.): Bernd Heinz und Stefan Friedrich.Foto: Marco Meißner
Sie gehen mit offenen Augen durch die Natur (v. l.): Bernd Heinz und Stefan Friedrich.Foto: Marco Meißner

"Sehen Sie hier irgendwelche Mücken fliegen? ... Nein!" Bernd Heinz beantwortet sich seine rhetorische Frage selbst. Obwohl er mit seinen Begleitern mitten im Grünen steht und das Wetter sommerlich schön ist, schwirrt keine einzige Fliege herum. Was erst einmal vermeintlich gut klingt, ist von seiner Warte aus ein echtes Problem. Als neuer Naturschutzwächter soll er unter anderem ein Auge auf die immer seltener werdenden Bodenbrüter haben. Die wiederum sind eben auf Mücken als Nahrungsquellen angewiesen. Mangelt es daran, dann schlägt sich das auch im Bestand dieser Vögel nieder.

Blick für Veränderungen

Die Bodenbrüter sind nur ein Aspekt im Aufgabenspektrum von Heinz, der mit Stefan Friedrich und Petra Brehm gerade durch die Teuschnitz-Aue läuft. Dort zeigen sie dem FT-Reporter einen Ausschnitt aus Heinz' Wirkungsbereich. Rund 1700 Hektar, verteilt auf fünf Gemeinden im nördlichen Landkreis Kronach, hat er im Blick. In vielen Fällen betrifft das Gebiete, die nur fußläufig zu erreichen sind.

Der 65-Jährige lässt sich davon nicht beeindrucken. "Mein Spielplatz war im Wald. Die Liebe zur Natur hat sich seitdem erhalten", blickt der Pensionär auf die eigenen Kindertage zurück. Dieser Liebe ist er nicht zuletzt als Mitglied, Wander- und Landschaftsführer des Frankenwaldvereins treu geblieben. Deshalb schrecken ihn auch die vielen bevorstehenden Kilometer zu Fuß nicht. Und bei Nachfrage würde er gerne auch Interessierte mit durch sein "Revier" führen.

Petra Brehm, stellvertretende Sachgebietsleiterin Umwelt am Landratsamt, würde sich mehr Naturschutzwarte wünschen. Mit Bernd Heinz und seinem Kollegen Stefan Friedrich gesellen sich nun zumindest schon zwei neue Gesichter zu den beiden anderen Beauftragten für die Fledermäuse beziehungsweise Biber. "Bei Bernd Heinz geht es darum, die Gebiete gut zu kennen und zu merken, wenn sich beim Pflanzen- oder Tierbestand etwas tut oder Schäden vorliegen", erklärt Brehm das Aufgabengebiet des "Auges vor Ort" für den nördlichen Landkreis. Außerdem wird sich Heinz auch um Öffentlichkeitsarbeit bemühen.

Anders gelagert ist das Betätigungsfeld von Stefan Friedrich. Er wird sich landkreisweit mit dem Thema "Greifvögel" beschäftigen. "Der Schutz der Nachtgreife liegt mir am Herzen", stellt der 51-jährige Betriebshandwerker aus Kronach fest. Und er fügt sofort an, dass ihm die Taggreife natürlich nicht weniger am Herzen liegen.

Ein Kauz im Kamin

Wie dieses Interesse bei ihm geweckt wurde? "Bei uns auf dem Land ist es ja noch nicht so ungewöhnlich, mal mit Greifen in Kontakt zu kommen", erklärt Friedrich, ein staatlich zertifizierter Waldpädagoge. Dass die Nachtgreife, also Eule, Kauz & Co., bei uns keine seltenen Gäste sind, falle den Menschen aber wegen der Aktivität in Dämmerung und Dunkelheit sowie des lautlosen Flugs gar nicht auf.

Für Friedrich gibt es noch einen Ansatz für seine Nähe zur heimischen Fauna: seine große Leidenschaft, die (Natur-)Fotografie. "Dafür habe ich mir Wissen angeeignet", unterstreicht er. Schließlich möchte er eine möglichst große Ahnung von dem haben, was da vor seine Linse flattert. Und er möchte nicht, dass sich die Tiere durch sein Verhalten gestört fühlen. Für sein Ehrenamt als Naturschutzwächter hat er übrigens auf recht kuriose Weise schon vorab seine Qualifikation unter Beweis gestellt. "Wir hatten einen Anruf, dass ein Kauz in einem Kamin feststeckt", erinnert sich Brehm. Über Umwege erreichte sie Friedrich. Ein kleiner Tipp für den Hausbesitzer und der Vogel war frei. "Das war ganz unspektakulär", erinnert sich der neue Naturschutzwächter an den "Kaminkauz".

Engagierte Leute

"Es ist notwendig, dass es engagierte Leute gibt, die diese Aufgaben übernehmen", freut sich Brehm über ihre zwei neuen Mitstreiter im Naturschutz. Und Heinz bringt auf den Punkt, was die beiden vorhaben. Ein Einzelner könne keine globalen Probleme lösen, aber im Kleinen vor der eigenen Haustür einen Beitrag dazu leisten. "Wir Menschen können keine Natur schaffen", betont er, "aber wir können sie schützen".

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