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Lärm-Messung im Windpark Hain-Ost - Ein Ergebnis, zwei Interpretationen

Vor fast einem halben Jahr fanden die von Anwohnern geforderten Lärm-Messungen im Windpark Hain-Ost statt. Nun liegen die Resultate endlich vor - doch beendet scheint das Thema noch lange nicht.
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Laut der durchgeführten Lärm-Messungen wurde der sogenannte Schallleistungspegel leicht überschritten.
Laut der durchgeführten Lärm-Messungen wurde der sogenannte Schallleistungspegel leicht überschritten.

Das Warten hat ein Ende. Fast ein halbes Jahrist inzwischen vergangenen, seitdem Messingenieure damit begannen, herauszufinden, ob die Windräder im Windpark Hain-Ost zu laut sind oder nicht. Das am Mittwoch (13.03.2019) vom Kronacher Landratsamt veröffentlichte Ergebnis dürfte den Anwohnern - die die Messungen lautstark gefordert hatten - allerdings nur bedingt gefallen.

Grob lässt sich die sogenannte "immissionsschutzrechtliche Gesamtbewertung" nämlich so zusammenfassen: Ja, die Windräder sind zu laut. Aber nur ein bisschen. Der 2014 im Genehmigungsbescheid festgelegte Schallleistungspegel von 106 Dezibel (dB(A)) werde "geringfügig um 0,2 bis 1,3 dB(A) überschritten", heißt es in der Pressemitteilung, des Landratsamts.

"Die Dinger sind einfach zu laut"

Das Ergebnis mache ihn "fast ein wenig schadenfroh", reagiert Helmut Schiffner auf das neueste Kapitel im bereits gut gefüllten Windpark-Buch. Beim bayerischen Landtag hatte er eine Petition eingereicht, die sich gegen den Bau der Windräder richtete (wir berichteten). Er agierte seit Beginn der Planungen für den Windpark als einer der schärfsten Kritiker.

"Jetzt hat man sich so viel Mühe gegeben, auf dem freien Feld zu messen, damit die Werte möglichst niedrig sind - und es hat dennoch nicht gereicht. Die Dinger sind einfach zu laut", sagt er. Nun könne zwar darüber gestritten werden, um wie viel, aber für ihn stehe fest, dass die Überschreitung noch viel höher wäre, wenn nicht auf einem Feld, sondern im Ort gemessen worden wäre. "Ich fordere nach wie vor, dass das jetzt zum Anlass genommen wird, die Messungen vor Ort zu machen", betont er. "An den Schlafzimmerfenstern der Leute und nicht auf dem freien Feld."

Überrascht habe ihn allerdings die Reaktion des Landratsamtes. Auch wenn es lange gedauert habe, sei es "endlich mal ein bisschen Konsequenz". Denn aufgrund der Ergebnisse habe die Behörde die Betreiberfirma "SWI Windpark Hain-Ost GmbH" am 27. Februar in einem Schreiben aufgefordert, den Pegel auf den zulässigen Wert abzusenken. Um die 106 dB(A) zu erreichen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Etwa durch eine Optimierung der Anstellwinkel der Rotorblätter, eine verbesserte Windnachführung oder eine Reduzierung der maximalen Rotorgeschwindigkeit.

Welche Variante die Betreiberfirma wählt, ist dem Landratsamt egal, bis spätestens zum 30. Juni soll diese aber durch Messungen an einer anerkannten Messstelle nachweisen, dass der zulässige Schallleistungspegel von 106 dB(A) in allen Windgeschwindigkeitsklassen nicht beziehungsweise nicht mehr überschritten wird. "Angesichts der auch Ihnen bekannten Verhältnisse vor Ort würden wir es als Zeichen des guten Willens sehen, wenn Sie sich schon jetzt bis zum Nachweis des ordnungsgemäßen Betriebs der Windkraftanlagen zu einer freiwilligen Drosselung des Anlagenbetriebs bereiterklären würden", schließt der nach Ingolstadt versandte Brief der Kronacher Kreisverwaltung.

Neuer Vor-Ort-Termin

Derzeit werde das Schreiben des Landratsamts intern geprüft und bewertet, teilt Christian Fleißner, Projektleiter der Betreiberfirma, auf Anfrage des Fränkischen Tags mit. Das weitere Vorgehen stehe daher noch nicht fest. "Festzuhalten bleibt aber: Die Immissionen - der Schall, der bei den Menschen tatsächlich ankommt - bleiben überall unter den genehmigten Werten. Dies hat das Gutachten explizit bestätigt", betont er. Lediglich am Emissionsort und damit direkt an den Windrädern, wo der Schall entsteht, werde der genehmigte Pegel überschritten. "Aber auch das nur sehr geringfügig", meint Fleißner.

Der von Landrat Klaus Löffler (CSU) zugesagte, erneute Vor-Ort-Termin für die Anwohner soll nach Angaben des Landratsamts zeitnah stattfinden. "Ich werde ihn dort auf jeden Fall mit meinen Forderungen konfrontieren", kündigt Schiffner an. Es sei schließlich nur ein einziges Windrad gemessen worden. "Aber in Hain wirken ja zum Beispiel drei Windräder auf einen Schlag ein. Und da ist es nach wie vor so, dass es Tage gibt, an denen es unerträglich ist, und Tage, an denen die Lautstärke wegen des Winds keine Rolle spielt." Das letzte Kapitel im Windpark-Buch scheint also noch lange nicht geschrieben.

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