Kronach
Ermittlungen

Kuriose Diebstähle bei oberfränkischen Taxi-Unternehmen: gezielte Tat einer "Kopfstützen-Bande"?

Karl-Heinrich Dauer hielt es für einen schlechten Scherz: Nachdem Kopfstützen aber nicht nur aus einer seiner Taxen verschwanden, geht er nun von einer gezielten Tat aus.
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Zwei Taxi-Unternehmen wurden in den vergangenen Wochen bestohlen. Abgesehen hatten es die Diebe auf Kopfstützen. Foto: Marco Meißner
Zwei Taxi-Unternehmen wurden in den vergangenen Wochen bestohlen. Abgesehen hatten es die Diebe auf Kopfstützen. Foto: Marco Meißner

Alle fünf Jahre muss ein Taxischein erneuert werden. Für Günter Scheiblich war es gerade erst wieder soweit. Zwar hat er das Rentenalter schon bald erreicht, das Lenkrad wird er sobald allerdings nicht an den berühmten Nagel hängen. Dafür macht sein Job ihm viel zu viel Spaß. "Für mich ist beim Taxifahren das Schöne, dass man jede Art Menschen fahren kann" erzählt er. "Viele wollen ihr Herz ausschütten und reden. Etwa über private Probleme mit der Frau - und ich höre es mir gerne an. Denn der Kontakt mit den Leuten ist das A und O."

Auf den Kontakt zu fünf jungen Männern hätte er im Rückblick dann allerdings doch lieber verzichtet. Dabei sah zunächst alles nach einer vergleichsweise normalen Fahrt aus. Fünf alkoholisierte Männer im Alter zwischen 17 und 20 Jahren, die nach dem Kronacher Freischießen um 3 Uhr einfach nur nach Hause wollen. Knapp eine Viertelstunde später klettert die Gruppe in der Nacht von Samstag, 17. August, auf Sonntag vor der Sparkasse in Burgkunstadt aus dem Großraum-Citroën des Kronacher Taxi-Unternehmens Angles.

Kopfstützen fehlen: Für Taxiunternehmen wird der Deibstahl gleich doppelt teuer

Knapp 30 Euro zeigt das Taxometer an. Die Männer zahlen, Scheiblich fährt weiter. Zu seinem letzten Auftrag in dieser Nacht.

"Als die nächsten Fahrgäste eingestiegen sind, haben sie mich gefragt, warum die Kopfstützen fehlen", erinnert sich Scheiblich. Der dreht sich verwundert um, und muss feststellen, dass vier der schwarzen Kopfstützen verschwunden sind.

Für den Taxi-Fahrer ist die Sache klar: Die fünf jungen Männer müssen sie während der Fahrt abmontiert haben. Zuvor habe er ausschließlich ältere Fahrgäste transportiert - denen er einen solchen Diebstahl nicht zutraut. Ein Diebstahl, der für das Unternehmen gleich doppelt teuer wird. Denn die etwa 1500 Euro für vier neue Kopfstützen waren nicht der einzige Verlust des Taxi-Unternehmens. Weil ohne Kopfstützen die Betriebserlaubnis erlischt, stand der Großraum-Wagen erst am darauffolgenden Samstag wieder zur Verfügung.

Private Nachforschungen

Inzwischen hat Scheiblichs Chef Anzeige gegen die noch immer unbekannten Täter erstattet. "Mich wurmt das schon, dass es mir passiert ist", sagt der Taxi-Fahrer, der daher selbst Nachforschungen angestellt hat. Bei der Gemeinde und der Sparkasse fragte er an, ob irgendjemand etwas bemerkt hat, und beim FC Burgkunstadt, ob er mal bei einem Training vorbeischauen dürfte. "Denn die Gesichter habe ich mir gemerkt. Vielleicht spielen die ja da." Bislang seien seine privaten Recherchen aber ergebnislos geblieben.

Er frage sich allerdings, was die Täter mit ihrem Diebesgut anstellen wollen. "Die können mit den Dingern ja nichts machen", sagt Scheiblich. "Das war ein sauteurer Lausbubenstreich." Sollten die Diebe die Kopfstützen zurückgeben oder es einen Hinweis geben, wo die vermissten schwarzen Polster sind, werde die Anzeige wieder zurückgezogen. "Ich will nur, dass sie wieder auftauchen."

Bei weiterem Txi-Unternhemen fehlen nach Fahrt in der Nacht ebenfalls Kopfstützen

An einen bösen Streich dachte zunächst auch Karl-Heinrich Dauer, er hat sich von diesem Gedanken allerdings längst verabschiedet. Eine Woche zuvor sah sich der Geschäftsführer des gleichnamigen Kronacher Taxi-Unternehmens mit demselben Problem konfrontiert. Nach einer Fahrt in der Nacht vom 10. auf den 11. August - ebenfalls ein Wochenende - fehlten in seinem Mercedes-Großraum-Taxi sogar fünf Kopfstützen.

"Da hatte ich Taxi Angles noch informiert, dass sie aufpassen und nach jeder Tour lieber mal gucken sollen, ob noch alles drin ist", erzählt der 41-Jährige, der gleich Anzeige erstattete. Nachdem auch die Kollegen betroffen sind, schließt er eine Tat aus "Jux und Tollerei" aus. Auffällig sei, dass auch das Großraum-Taxi seiner Firma in dieser Nacht Burgkunstadt als Ziel ansteuerte.

Organisiertes Verbrechen? Das geht Dauer dann doch zu weit

Dauer will zwar nicht von einem organisierten Verbrechen sprechen, glaubt aber durchaus, dass die Täter geübt sind. "Es müssen Leute gewesen sein, die bereit sind, diese Hemmschwelle ein zweites Mal zu überwinden", meint er. Außerdem müsse man sich mit den einzelnen Fahrzeugtypen auskennen. "Beim Mercedes gehen die Kopfstützen zum Beispiel relativ schwer raus. Das muss man schon im Gefühl haben." Lohnen könne sich der Diebstahl für die Täter durchaus. 20 bis 40 Euro würden Kopfstützen gebraucht im Internet kosten, erzählt er. "Das soll jetzt auch gar nicht gegen die Händler gehen", betont Dauer. "In der Regel stammen die Teile aus Unfallfahrzeugen. Ich kaufe teilweise selbst ähnliche Teile an."

Auch die Haltegriffe, die an den Stützen waren, hätten die Diebe mitgenommen. Er schätzt den entstandenen Schaden auf etwa 1100 Euro. "Die Reparaturen an den Führungen in den Sitzen haben wir zum Glück selbst erledigen können." Weil es allerdings dauerte, ehe die Ersatzteile ankamen, konnte der Neunsitzer während des für Taxi-Unternehmen lukrativen Freischießens drei Tage lang nichtgenutzt werden.

Zähe Ermittlung der Kronacher Polizei

Für die Kronacher Polizei ist der Fall eine Premiere. Nach Kopfstützen oder gar einer Kopfstützen-Bande musste sie bislang jedenfalls noch nie suchen. Aus allen Wolken fällt Pressesprecher Gerhard Anders angesichts der kuriosen Tat aber nicht. "Es gibt nichts, was es nicht gibt. So ein Diebstahl muss nicht immer einen Sinn ergeben", sagt er. Von Wurst über Alkohol, Kondome, Schwangerschaftstests bis hin zu sieben Paar Schuhen, versteckt im Kinderwagen, habe die Kronacher Polizei schon alles erlebt.

Natürlich wird all diesen Vorkommnissen nachgegangen. Im konkreten Fall gestalten sich die Ermittlungen allerdings zäh, weshalb weitere Zeugenaussagen hilfreich wären. Das Problem sei, dass in der betroffenen Zeitspanne zu viele vergleichbare Personen unterwegs gewesen seien. Der Ermittlungsansatz sei daher momentan noch zu vage, so Anders.

Für Günter Scheiblich endet jede Fahrt inzwischen damit, dass er sich noch einmal umdreht. Bevor die Fahrgäste aussteigen, wirft er einen prüfenden Blick auf die Rückenlehnen seines Taxis. Bleiben wird es bei dieser Art Kontrolle laut Scheiblich aber nicht: "Mein Chef will jetzt Video-Überwachung in seine Taxen einbauen, damit sich so etwas nicht wiederholt."

Hinweise erbeten

Die Polizei sucht nach Zeugen. Wer die fünf Männer kennt, die am 18. August um 3 Uhr früh in das Großraum-Taxi der Firma Taxi Angles einstiegen, oder zwischen 3.15 und 4 Uhr in Burgkunstadt Personen mit schwarzen Kopfstützen gesehen hat, wird gebeten, sich bei der Kronacher Polizeiinspektion zu melden. Hinweise nimmt diese unter Telefon 09261/5030 entgegen.

Eine weitere kuriose Meldung mit einem Taxi kommt aus Freising: Ein Taxifahrer gab an, mit einem "großen Hamster mit sehr großen Zähnen" zusammengestoßen zu sein. Der Hamster stellte sich jedoch als etwas anderes heraus.

 

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