Wenn Herbert Kaiser, pensionierter Hauptschulrektor, durch die Kronachallee läuft, ärgert er sich. "Muss auf diesem Filetplatz in bester Lage wirklich dieses Kunstwerk stehen?" fragt er sich dann. Diese Frage hat er inzwischen bei der Bürgerversammlung im Oktober und Anfang des Jahres beim CSU-Ortsverband laut gestellt.
Nachdem sich nun auch der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss mit dem Thema befasst hat, prüft die Stadt derzeit, welche Verpflichtungen sich aus dem Urheberrecht der Künstlerin ergeben - oder ob es dort erhalten bleiben müsse, wie der Sprecher der Stadt, Stefan Wicklein, mitteilt. Dann würden sich der zuständige Ausschuss oder der Stadtrat wieder damit befassen. Darüber hinaus denke man über die Platzgestaltung nach.
Für einen Platz der Begegnung plädiert jedenfalls Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU). "Das Kunstobjekt findet jetzt nicht mehr viele Freunde", hat sie im Bauausschuss festgehalten. "Man hat sich an dieser Art des Kunstwerks satt gesehen."
Man solle ernsthaft darüber nachdenken, die "Wippe" dort zu entfernen und lieber einen Platz der Begegnung anzulegen, erklärte Angela Hofmann. Anders sah es Edgar Dunst (SPD), der dafür eintrat, das Kunstwerk herzurichten. "Wir sollten uns nicht an Kunst vergehen", warnte er.

Kunst im öffentlichen Raum

Meide Büdel, die das an ein Floß erinnernde Kunstwerk geschaffen hat, will jedenfalls bei den Überlegungen einbezogen werden. Die in Nürnberg lebende Künstlerin kennt sich aus, schließlich hat sie sechs Jahre lang an der dortigen Akademie der bildenden Künste unterrichtet und sich mit dem Thema "Kunst und öffentlicher Raum" befasst. Sie verweist auf Urheber- und Vertragsrecht. "Da darf ohne mein Einverständnis nichts verändert werden, es darf auch nicht entfernt werden. Alles andere wäre ein Eingriff in mein Kunstwerk", sagt sie. Vernichtet werden dürfte es dagegen schon, so die Rechtssprechung. Zudem war sie verwundert, dass das Objekt beschädigt ist - immerhin sei es aus Eisen und Eiche. Das seien Materialien, die eigentlich haltbar seien.
Sie erinnert sich noch gut an das Kunstwerk, das eine Bootsform habe und sich ein bisschen bewegen könne. Unterhalb des Objekts gebe es einen Aufsatz - insofern gehe es nie so tief runter, dass sich eine Verletzungsgefahr ergebe. Zudem sei ein zehn Millimeter dickes Stahlseil angebracht gewesen, mit dem das Objekt verankert sei, weiß sie.
Die Künstlerin wurde von der Stadt Kronach inzwischen kontaktiert. "Ich bin gesprächsbereit", sagt sie. Sofern das Objekt umgebaut oder ausgebessert werden sollte, sei sie auch gerne mit Hilfe vor Ort zur Stelle.
"Attraktiv sieht's wirklich nicht aus", hält Anita Neder, Rektorin der benachbarten Lucas-Cranach-Schule, fest. Sie wisse, dass ihre Schüler darauf herumturnten - eine "Nutzung", die Meide Büdel schon bei der Installierung 1993 nicht ausgeschlossen hatte. Allerdings müsse es - werde es nicht entfernt - dringend repariert werden.
Dies sehen auch die Stadt und der Bezirk so. Pressesprecherin Monika Hopf hält knapp fest: "Verkehrs- und Unterhaltspflicht liegen bei der Stadt." Heißt also: Passiert an dem Kunstwerk wegen der Beschädigungen ein Unfall, haftet sie.
Ob die Stadt allerdings das Objekt weiter auf ihrem Grund dulden muss, ist aus Sicht von Stadtratsmitglied Joachim Doppel (CSU) fraglich. Und: "Es wäre auch zu prüfen, ob der Stadtrat seinerzeit diesem Werk in dieser Form auf städtischem Grund überhaupt zugestimmt hat." Er jedenfalls möchte, dass sich der gesamte Stadtrat mit dem Thema befasst.
Schließlich geht es auch darum, wie der Platz künftig überhaupt aussehen soll. Stadtplaner Daniel Gerber hat darauf verwiesen, dass Anfang der 90er Jahre dort schon Bänke gestanden hätten. Die wären auch wieder aufzustellen. Letztlich habe man dort einen Ruhebereich in allernächster Innenstadtnähe.

Aufwertung des Platzes

Dass man sich andererseits über Kunst streiten könne, sei ja das spannende, betont der Stadtplaner. Schließlich habe Kronach schon gute Beispiele dafür - wie etwa den Plessi-Turm am Eingang des Landesgartenschau-Geländes. "So wie es jetzt dort steht, sieht es nicht schön aus", hält auch Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) fest. "Der Platz muss aufgewertet werden."
Einen Vorschlag dafür hat sich Herbert Kaiser inzwischen überlegt. "Ich sage ja nicht, dass das keine Kunst ist - aber es ist eine Kunst, die nicht jedem gefällt." Daher will er gar nicht eine völlige Beseitigung fordern. Vielmehr sieht er das Landesgartenschau-Gelände als möglichen Standort an. "Dann könnten wir den schönen Platz tatsächlich endlich sinnvoll nutzen."