Kronach
Mobilität

Kronachs Straßen-Revolutionäre: So will Startup "Kombinio" den Verkehr im Landkreis modernisieren

Drei Kronacher Abiturienten haben ein Startup für Carsharing gegründet. Die Idee, dass sich Unternehmen Dienstwägen teilen, schließt im Landkreis eine Marktlücke. Denn "Kombinio" soll den lokalen Verkehr nachhaltig verändern.
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Christoph Bauer, Jannik Großmann, Dominik Maier (v.li.) und "Pate" Harald Schubert (hinten) haben ihr "Kombinio"-Auto schon Probe gefahren.  Foto: Teresa Hirschberg
Christoph Bauer, Jannik Großmann, Dominik Maier (v.li.) und "Pate" Harald Schubert (hinten) haben ihr "Kombinio"-Auto schon Probe gefahren. Foto: Teresa Hirschberg

Öko-Ultras seien sie nicht. Aber definitiv öko genug, um sich neben dem Abistress dafür einzusetzen, Kronach etwas weniger abgaslastig zu machen. Christoph Bauer, Jannik Großmann und Dominik Maier sind 18 Jahre alt und haben Großes vor: Die Mobilität in Oberfranken voranzutreiben. Vielleicht sogar zu revolutionieren.

Gemeinsam haben sie das Carsharing-Startup "Kombinio" gegründet. Das bedeutet, Unternehmen teilen sich Dienstwägen, um die Umwelt zu schonen. "In diesem Bereich gibt es so massive Veränderungen, wir müssen nur im richtigen Moment auf den Zug aufspringen", ist Großmann überzeugt. Viele Firmen besitzen eigene Fuhrparks, bei denen die Fahrtzeiten der Autos koordiniert werden müssen. "Aber wir gehen einen Schritt weiter: Wir stellen die Autos selbst zur Verfügung."

Kombinio hat schon Partner gewonnen

Mit zwei Fahrzeugen und zwei Partnern, dem Kronacher BRK und dem Pizzaservice von Tobias Heinlein, starten die Abiturienten in den Osterferien in die Projektphase. Im Landkreis Kronach gebe es kaum Carsharing-Angebote. "Wir stopfen hier also eine Lücke", meint Bauer. Nach dem Unterricht nahmen die Schüler regelmäßig an den Seminaren des Campus Innovations Kultur (CIK) teil. Die Idee zu "Kombinio" entstand mit der Unterstützung ihres Unternehmerpaten Harald Schubert, Geschäftsführer von Initiative Gesunder Betrieb.

Nach Abschluss des Seminars legte die Gruppe im Oktober 2018 mit der Planung los. Ihre beiden Partner für das Projekt zu gewinnen, sei recht einfach gewesen. Der Lieferdienst habe sowieso vorgehabt, sich zwei neue Autos anzuschaffen. Das Carsharing-Angebot der Abiturienten kam also genau zum richtigen Zeitpunkt. Für die Projektphase stellen sie ihren Partnern einen VW E-Up und einen Seat vom Kronacher Autohaus Vetter zur Verfügung. Der E-Up wird allerdings nur während einer Testphase genutzt. Danach bringe VW einen weiteren Seat auf den Markt, der ebenfalls mit Erdgas betrieben wird und die Jungunternehmer zudem weniger koste.

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Das BRK wird die Autos für Frühschichten nutzen und die Schlüssel anschließend an den Pizzalieferdienst weitergeben. Über Nacht werden die Fahrzeuge an die Ladestationen am BRK-Gelände angeschlossen. Die Mitarbeiter können am nächsten Morgen also wieder mit voller Batterie losfahren. Wie viel die Mietwagen die Partner kosten werden, sei derzeit noch Verhandlungssache. "Wir werden aber die Umsätze nicht für uns privat nutzen, sondern sofort wieder in das Unternehmen fließen lassen", betont Maier.

Im Hintergrund basteln die Abiturienten am eigentlichen Herzstück des Projekts: Einer Software, die als Fahrtenbuch dient und mit der Zeitpläne, Abbuchungen oder Werkstattbesuche organisiert werden. "Später soll es sogar möglich sein, die Autotüren mit der App zu entsperren", erzählt Bauer begeistert. Um die Softwareentwicklung wird sich vor allem Dominik Maier kümmern, der nach dem Abitur Informatik studieren will.

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Bauer wird dann sein Freiwilliges Soziales Jahr beim BRK beginnen. So bekomme er beim Fahrdienst gleich einen Eindruck davon, wo das Carsharing-Prinzip noch Verbesserungen nötig hat. "Wir hätten uns natürlich noch ein Jahr Zeit lassen können", sagt der 18-Jährige. "Aber wir wollen möglichst schnell damit auf den Markt und rausfinden, was die Kunden brauchen." Angst hätten sie nicht vor der Projektphase, aber Respekt. " Allerdings haben wir ja noch keine Riesenexistenz zu verlieren", lenkt Christoph Bauer ein.

Die drei Startup-Gründer planen, weitere Partner zu gewinnen. Ihr Angebot richte sich vor allem an Unternehmen mit begrenzten Fuhrparks und Fahrtzeiten - wie den Loewe-Campus in Kronach. Im Frühjahr 2020 wollen sie ihre eigene GmbH gründen, dann habe das Projekt ein Jahr Praxiserfahrung hinter sich. Direkt nach dem Abitur sind sie erst einmal für ein Praktikum bei Harald Schubert im Bereich Verwaltung und Management eingespannt. Der Unternehmerpate ist jetzt schon stolz auf die jungen Gründer: "Kombinio ist unser erstes Startup, das extrem große Chancen hat, es in die Praxis zu schaffen."

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