Kronach
Waffengesetz

Kronachs Schützen haben Angst vor dem Querschläger

Die Europäische Union gibt eine Feuerwaffen-Richtlinie vor, die Bundesrepublik muss diese in ihrem Waffengesetz umsetzen. Das soll spürbar verschärft werden - sehr zum Leidwesen der Schützenvereine.
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Müssen sich die Kronacher Schützen grundlegende Gedanken um ihre Trainingszeiten und ihre Schießanlagen machen? Bislang ist noch nicht klar, wie stark das neue Waffengesetz letztlich in den Alltag der Sportler eingreifen wird. Foto: Matthias Kümmet
Müssen sich die Kronacher Schützen grundlegende Gedanken um ihre Trainingszeiten und ihre Schießanlagen machen? Bislang ist noch nicht klar, wie stark das neue Waffengesetz letztlich in den Alltag der Sportler eingreifen wird. Foto: Matthias Kümmet

Ein neues Waffenrecht soll vor dem Hintergrund von Gewalttaten und Terrorakten sicherheitspolitisch ins Schwarze treffen. Von einer drastischen Verschärfung ist die Rede. Aus Sicht der Sportschützen könnte aus dem vermeintlichen Volltreffer der Politik jedoch schnell ein Rohrkrepierer werden.

"Über den neuen Gesetzentwurf wurde schon lange diskutiert. Viele Gespräche wurden geführt. Die erst kürzlich eingebrachten Vorschläge und Verschärfungen waren für uns sehr überraschend und nicht nachvollziehbar", stellt Matthias Kümmet, Zweiter Schützenmeister der Schützengesellschaft (SG) Kronach, fest.

Wie der FT aus Schützenkreisen erfuhr, dreht sich die Kritik vor allem um einen Paragrafen, der die Angst vor einer großflächigen Enteignung der Sportschützen schürt. Dabei geht es um einen "Bedürfnisnachweis für erlaubnispflichtige Waffen". Der aktuelle Gesetzesvorschlag würde erfordern, dass die Schützen für jede einzelne ihrer Waffen in drei Jahren 18 Schießtage als Nachweis erbringen. Da die Sportler aber oftmals Waffen für verschiedene Disziplinen und auch Ersatzwaffen haben, könnten dutzende Schießtage pro Jahr drohen. Alleine schon wegen der Kapazitäten der Trainingsanlagen ist das aus Sicht der Schützen kaum umsetzbar.

Eine Meinung, die Kümmet teilt: "Der Gesetzesvorschlag bedeutet eine Zunahme an Trainingszeiten - und für den Verein, diese auch zu ermöglichen." Die SG Kronach stoße in dieser Hinsicht jedoch jetzt schon an ihre Grenzen. Um noch mehr Übungsmöglichkeiten zu bieten, müssten die Trainingsstätten ausgebaut und modernisiert werden. Überlegungen gebe es zwar bereits, "die Umsetzung wird uns allerdings noch einiges abverlangen".

Auch ein Kulturträger

Einen zwingenden Anlass hierfür kann Kümmet allerdings nicht erkennen. "Unser Waffengesetz wurde in der Vergangenheit immer wieder angepasst. Im europäischen Vergleich haben wir eines der restriktivsten Waffengesetze", betont er, dass eine weitere Verschärfung wohl zunächst die träfe, die am sorgsamsten mit dem Thema umgehen - die Schützen, die ihre legal erworbenen Waffen sicher verwahren. Bei ihnen gehe es zudem nicht nur um den sportlichen Aspekt. Sie seien ein Kulturträger, der Brauchtum und Tradition in der Gesellschaft am Leben erhalte.

"Ich merke in Gesprächen schon, dass eine Verunsicherung spürbar ist", berichtet Kümmet aus den Reihen der Schützen. Deshalb würden auch viele Briefe geschrieben und eine Petition gegen die Waffenrechtsänderung unterstützt.

Ein weiteres Mittel, sich gegen Inhalte des Gesetzesentwurfs zu wehren, "die über das Ziel hinausschießen", sieht Kümmet in einer Veranstaltung in Lichtenfels. Dort hat die Königlich Privilegierte Scharfschützengesellschaft einen Vortrag mit Podiumsdiskussion auf die Beine gestellt, bei der auch die SG Kronach Flagge zeigen wird.

Die Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner (CSU) und Marc Henrichmann (CDU) werden sich bald mit den eingeladenen Schützenvertretern auseinandersetzen.

Gerät Tradition ins Wanken?

Der Lichtenfelser Schützenmeister Erwin Kalb erklärt, dass sich die Aktiven in Lichtenfels in einer ähnlichen Situation sehen, wie ihre Kronacher Kollegen. "Wir haben eine Tradition seit 1413", sagt er und verweist auf "einen sicherheitstechnischen Standard am oberen Ende". Doch inzwischen keime Angst im Verein auf, wie es mit dieser Tradition weitergehen wird.

Kalb selbst meint, er müsste im Fall der geplanten Gesetzesverschärfung wohl 180 Tage auf dem Schießstand antreten, um alle Auflagen zu erfüllen. Sein Rückschluss: "Dann könnte ich mein Ehrenamt zur Verfügung stellen." Denn dafür würde in der Folge die Zeit fehlen.

Was Kalb ebenso ärgert, ist, dass sich die Schützen in der Diskussion unter eine Art Generalverdacht gestellt sehen. Wer sich nicht anständig in einem Schützenverein benehme, der könne - und müsse - auch nach jetzigem Recht schon sanktioniert werden. Aber für Kalb fühlt es sich so an, als müssten sich die Mitglieder ständig für ihren Sport rechtfertigen.

"Die Podiumsdiskussion ist eine Chance für uns Sportschützen und auch Jäger, mit der Politik ins Gespräch zu kommen und unsere Standpunkte darzustellen", freut sich Kümmet über diese Gelegenheit. Denn er hofft weiter darauf, dass die Politik noch die richtigen Weichen stellen kann - und das neue Gesetz am Ende für Vereine, Brauchtum und Politik kein Schuss in den Ofen wird.

Jäger und Politik sehen Gesprächsbedarf

Neben den Schützen gibt es eine weitere große Personengruppe, die legal Waffen besitzt: die Jäger. Diese sehen die rechtlichen Planungen aus zweierlei Blickwinkeln.

"Viele Änderungen im neuen Gesetzentwurf kommen den Jägerinnen und Jägern ja entgegen", sagt Bernhard Schmitt. Der Vorsitzende des Jagdschutz- und Jägerverbandes Kronach nennt beispielhaft den Erlaub von Nachtzieltechnik, den Verzicht auf eine medizinisch-psychologische Untersuchung oder das Bejagen von Schwarzwild mit halbautomatischen Waffen.

Allerdings erkennen auch die Jäger einen großen Haken an den aktuellen Planungen. Sie wollten natürlich den illegalen Zugang zu scharfen Waffen verhindern, versichert Schmitt: "Dem stimmen wir uneingeschränkt zu, da wir ja auch bei den Jägern keine Schwarzen Schafe haben wollen beziehungsweise niemanden, der unter dem Deckmantel Jagdschein und Jagd an scharfe Waffen kommt."

Doch die offenbar angedachte Kontrolle sorgt für Skepsis. Schmitt stellt fest: "Mit einer künftigen Regelanfrage beim Verfassungsschutz, der dann aufgrund seiner Daten im Geheimdienstcomputer darüber entscheidet, ob ein Jäger weiter den Jagdschein verlängert bekommt oder nicht, sind wir nicht einverstanden." Dies käme einem Generalverdacht für alle legalen Waffenbesitzer gleich.

Der Bayerische Jagdverband habe diese Probleme in Berlin bereits auf den Tisch gebracht. Auch bei ihren jeweiligen Abgeordneten wollen die Jäger weiter auf eine Nachbesserung des Gesetzentwurfs drängen.

Politik feilt an Regelungen

MdB Hans Michelbach (CSU) hat das Thema schon längere Zeit auf seiner Agenda. Sein Büro teilte auf unsere Anfrage mit, dass die Christsozialen im Bundestag "ungerechtfertigte Belastungen von Besitzern legaler Waffen" für nicht hinnehmbar halten. Ebenso dürfe niemand einem Generalverdacht ausgesetzt werden. "Der Schießsport, die Jagd und das Sammeln historischer Waffen gehören zu den bürgerlichen Freiheiten und der Tradition unseres Landes und werden in Deutschland besonders verantwortungsbewusst praktiziert", heißt es in der Stellungnahme.

Bei jeder Neuregelung im Waffenrecht werde darum kritisch geprüft, ob sie zu einem Sicherheitsgewinn führt oder nur einen bürokratischen Mehraufwand bedeutet. Außerdem habe die CSU mit der EVP-Fraktion schon auf europäischer Ebene auf Verbesserungen hingearbeitet. "Einige Regelungen der EU-Feuerwaffenrichtlinie müssen jedoch als geltendes europäisches Recht nun auch im deutschen Waffenrecht umgesetzt werden", wird eingeräumt.

Der weitere Diskussionsbedarf sei allerdings erkannt, und Abstimmungsgespräche liefen. Deshalb könne derzeit auch nicht auf Zwischenstände eingegangen werden.

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