Kronach
Freischießen

Kronacher Volksfest nahm alle Hürden

Eine Klage, ein Unglücksfall und eine Baustelle - die Bedingungen für das Kronacher Freischießen waren anfangs problematisch. Doch das Fest wurde wieder ein Erfolg.
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Das Kronacher Freischießen, lockte wieder Tausende Gäste an. Foto: Marian Hamacher
Das Kronacher Freischießen, lockte wieder Tausende Gäste an. Foto: Marian Hamacher

Es war ein Freischießen mit drei Knallern. Und dass auch hier aller guten Dinge drei waren, zeigt die Bilanz von Schützenmeister Jörg Schnitzler am Tag nach dem Kronacher Volksfest.

Einen lauten Böllerschlag setzte das Feuerwerk. Nachdem 2018 hitzebedingt eine Zwangspause für das Lichterspiel am Abendhimmel verordnet werden musste, hat es heuer wieder geklappt.

Den ersten Kracher gab es aber schon weit vor dem Fest. Die Schützen und ein seit Jahren gegen das Freischießen klagender Anwohner fanden endlich einen gemeinsamen Nenner. "Ich verlasse mich darauf, dass die Klage zurückgezogen wird", bestätigt Schnitzler, der noch mehrfach mit dem Anwohner gesprochen und diesen sogar auf der Hofwiese getroffen hat.

Befürchtungen nicht bestätigt

Doch nicht nur diese Wendung lässt den Schützenmeister ein rundum positives Fazit des Freischießens ziehen. "Das Feedback der Schausteller sowie der Brauereien Gampert und Kaiserhof zeigt, dass sie mit dem Fest sehr zufrieden waren", stellt Schnitzler fest. Zwar werde das Freischießen nicht ganz so gut wie im Vorjahr abschneiden, prognostiziert er, trotzdem: "Es war ein sehr gutes Fest!"

Der Start sei am ersten Freitag und Samstag noch verhalten ausgefallen, blickt der Schützenmeister zurück. Dann habe der Betrieb sukzessive zugenommen. Den etwas schleppenden Beginn bringt Schnitzler mit Befürchtungen aufgrund der Baustellen im Umfeld in Verbindung. "Ich bin mehrfach gefragt worden, wie man's mit der Fahrerei macht und ob's genügend Parkplätze gibt." Dass die Verkehrsführung unerwartet gut geklappt hat, habe sich offenbar schnell herumgesprochen. "Das Verkehrschaos ist ausgeblieben." Und die Zahl der Festbesucher stieg.

Bewährt hätten sich auch die neuen Behinderten-Parkplätze. Bloß am ersten Tag habe es Anlaufschwierigkeiten gegeben, die aber schnell behoben worden seien. Das Sicherheitskonzept und die Zusammenarbeit mit der Firma Schleicher zahlten sich ebenso aus wie die mitreißenden Auftritte des Luftwaffen-Musikkorps aus Erfurt. Die Festwirte hätten ihre Aufgabe gut gelöst, die Qualität des Essens im Schützenhaus habe gestimmt und die Schausteller seien eine "sehr gute, harmonische Mannschaft". Somit seien die Schützen für ihr Fest sehr gut aufgestellt gewesen.

Ein tragisches Ereignis sei natürlich der tödliche Unfall unweit der Hofwiese auf den Bahngleisen gewesen. Schnitzler bedauert diesen Vorfall und weist darauf hin, dass der offene Umgang der Schützen mit dem Thema sehr positiv aufgenommen worden sei. Letzten Endes sei das Unglück aber die tragische Folge einer leichtsinnigen Entscheidung einer Einzelperson gewesen. Das Fest könne dafür nichts. Darum ist Schnitzler auch froh, dass die Menschen den Festbetrieb und den Unfall durchaus voneinander trennen konnten.

Geschockt von der Unvernunft

Aus den Geschehnissen hätten aber allem Anschein nach nicht alle ihre Lehren gezogen. Schnitzler berichtet davon, dass es schlimm gewesen sei, noch während der Bergungsarbeiten weitere Personen zu sehen, die auf Höhe des Südausgangs voller Unvernunft über die Gleise gesprungen sind.

Schnitzler geht weiter auf einige Anfragen unserer Facebook-Nutzer ein. Beim Notausgang im nördlichen Festbereich soll die inzwischen schon ordentliche Beleuchtung weiter verbessert werden. Die von einem User angeregten Absperrungen (Poller, Betonklötze) am Nordausgang zum besseren Schutz der Fußgänger vor dem Straßenverkehr könne er aber nicht zusagen. Dieser Bereich liege nicht in der Zuständigkeit der Schützen. Die Idee sei aber berechtigt, und er wolle sie den zuständigen Stellen weiterleiten.

Diskutiert wurde auf Facebook auch über die Abkehr vom Ponyreiten. Hier hätten die Schützen den Wünschen vieler, wenngleich nicht aller Festbesucher Rechnung getragen. "Auch wir haben uns gesagt, es passt nicht mehr in die Zeit", erklärt Schnitzler.

Dann fehlt nur noch der dritte Knaller des Freischießens. Den lieferte das Wetter, das es heuer weitgehend gut mit den Schützen und ihren Gästen meinte. Pünktlich zum Ausklang des Festbetriebs ließ es der Himmel am Sonntagabend kurz, aber heftig krachen. Wollte er den Schlusspunkt für 2019 setzen oder doch schon die Vorbereitungen für 2020 einläuten? Am 13. August nächsten Jahres geht das Fest jedenfalls in seine 432. Runde.

Idee der Schausteller

Das Kronacher Freischießen könnte einen kleinen Bruder bekommen. "Die Idee wurde von den Schaustellern kreiert", erklärt Schützenmeister Jörg Schnitzler im Hinblick auf eine mögliche Rückkehr des Frühlingsfestes. Grundsätzlich sei es ein überlegenswerter Gedanke, ein paar Tage lang ein kleineres Fest im Frühjahr zu etablieren. Doch bisher handele es sich eben nur um eine Idee. "Ob wir's wirklich machen", schränkt Schnitzler ein, "müssen wir erst einmal sehen."

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