Kronach
Erlebnis

Kronacher THW erobert Schottland

Unterwegs zu neuen Ufern waren vor kurzem 15 Helfer des THW-Ortsverbandes Kronach. Nach langer Planung ging mit der Schottland-Fahrt ein langer Wunsch und eine der umfangreichsten Aktionen der letzten Jahre in Erfüllung. Im Mittelpunkt stand ein Wettbewerb.
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Das Kronacher THW-Team belegte beim "Traktor-Pulling" einen glänzenden zweiten Platz. Foto: privat
Das Kronacher THW-Team belegte beim "Traktor-Pulling" einen glänzenden zweiten Platz. Foto: privat
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Hajo Badura, beim THW für die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung zuständig und selbst ausgewiesener Schottland-Kenner, sah vor gut zwei Jahren einen TV-Beitrag über die Isle of Skye. Dabei wurde auch der alljährliche Maritime Day in Kyle of Lochalsh vorgestellt. Dieser gemeinsame Aktionstag der Seenotrettung und Feuerwehr ist alljährlich ein Höhepunkt im Veranstaltungskalender der 800 Seelen-Gemeinde Kyle of Lochalsh. Spaßiger Abschluss des Maritime Day bildet jeweils eine Regatta mit selbstgebauten und möglichst lustigen Flößen auf der Meerenge zwischen dem Festland und der Isle of Skye.

So war es nicht verwunderlich, dass sofort der Groschen fiel und Hajo Badura alles daran setzte, mit einem Team des THW an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Die folgenden eineinhalb Jahre waren dann geprägt von Planung, Organisation und dem internen Stellen von Anträgen und Anfragen.

Offene Türen eingerannt

Auf allen Ebenen rannten die Kronacher THWler offene Türen ein und erfuhren unbürokratische und großzügige Unterstützung bei ihrem Projekt. Aber auch die längste Vorbereitungszeit geht irgendwann zu Ende und am sehr frühen Morgen des 3. September machte sich der blaue Konvoi mit den 15 Helferinnen und Helfern samt der beiden Floße im Gepäck auf dem Weg nach Schottland.

Zunächst stand eine Inselrundfahrt auf der Isle of Skye auf dem Programm und neben diversen Sehenswürdigkeiten wie dem Old man of Storr, Dunvegan Castle und den Fairy Pools lernten die Kronacher auch das Fahren auf den einspurigen Single-Track-Roads im Norden der Insel kennen. Für die meisten Teilnehmer war dies eine komplette neue Erfahrung. Nach der Rückkehr ins Hotel stand noch ein erster Besuch bei der gastgebenden Feuerwehr auf dem Programm. Interessant war dabei, dass die Feuerwehren in Schottland mit exakt denselben Problemen und Schwierigkeiten wie in Deutschland zu kämpfen haben, ihre Einsätze dagegen aber mit einem Bruchteil an Personal und Gerät abarbeiten. So verfügt die Feuerwehr in Kyle über ein einziges Fahrzeug, das in etwa einem (abgespeckten) Hilfeleistungslöschfahrzeug in Deutschland entspricht. Mit mit einer Ausrückstärke von sechs Mann deckt sie zudem ein Gebiet von über 50 Kilometern ab. Die Hilfsfrist bei Verkehrsunfällen und Bränden kann dann im Extremfall 45 Minuten betragen.

Auftakt der Veranstaltung "Maritime Day" war zunächst ein Schwimmwettbewerb von der Isle of Skye zum Festland. Die Entfernung beträgt rund eine Meile mit kräftiger Querströmung. Der erste Platz ging an einen Lokalmatador, der die Strecke in gut zehn Minuten bewältigte. Nächstes Highlight auf dem Tagesprogramm war Traktor-Pulling. Eine etwas abgewandelte Form des in Schottland so beliebten Tauziehens. Nur dass hier eben der "Gegner" der Traktor war, mit dem die Seenotretter üblicherweise ihre Rettungsboote rangieren. Die Teilnehmer traten in Sechser-Gruppen an und mussten den Traktor möglichst schnell über eine Strecke von 50 Metern ziehen. Um die Haaresbreite von 0,2 Sekunden verpassten die Kronacher dabei den ersten Platz und hätten fast das Team der Seenotrettung geschlagen. So reichte es leider nur für den zweiten Platz.

Floßrennen

Doch schon rückte der Start des Floßrennens in greifbare Nähe und langsam stieg die Anspannung bei allen Beteiligten. Wollte man doch nach fast zwei Jahren Vorbereitung und Vorfreude einen der vorderen Plätze erhaschen. Das THW startete mit zwei Teams und Floßen zu je sechs Mann, während die diversen einheimischen Herausforderer alle auf kleinere Floße mit je vier Mann gesetzt hatten. Das erste Floß aus Kronach war im dezenten THW-Design gehalten und neben einer großen Zahnradflagge natürlich auch mit Blaulicht und Martinshorn ausgerüstet. Das zweite Floß dagegen sollte die bayerische Herkunft der Gruppe kenntlich machen und war mit einem überdimensionalem Bierkrug und einer Riesen-Brezel geschmückt. Mit viel Muskelkraft und etwas Anfängerglück gelang es dann tatsächlich, einige der eingespielten gegnerischen Mannschaften hinter sich zu lassen. So belegten die Kronacher die Plätze 3 und 5 von 7 teilnehmenden Teams.

Für den Abend hatte die Feuerwehr zum "Ceilidh" in den Dorfsaal geladen. Bei Livemusic und Tanz war die freundliche Rivalität des Nachmittags schnell vergessen und die Teilnehmer feierten gemeinsam mit den Einheimischen bis weit nach Mitternacht. Dabei konnten die Kronacher einige neue Freundschaften knüpfen.

Kein Schottland ohne Whiskey

Da Schottland ja bekanntlich untrennbar mit Whisky verbunden ist und ein Besuch dort erst mit der Besichtigung einer Brennerei komplett ist, hatte Organisator Hajo Badura für den Sonntag eine deutschsprachige Führung bei der Talisker Distillery auf der Isle of Skye arrangiert. Den Abschluss des Aufenthaltes bildete dann noch eine Fahrt zum Loch Ness und ein Stadtbummel in Inverness.

Auf dem Rückweg durch England legte die Gruppe noch einen Zwischenstopp im Lake District ein und besuchte dort das letzte noch arbeitende Schieferbergwerk in England. Für die Zwischenübernachtung hatten die Kronacher sich das berühmte "Kirkstone Pass Inn" ausgesucht, eine ehemalige Postkutschen-Station auf den Höhen der Cumbria Mountains, die seit über 500 Jahren durchgehend als Pub und Gasthof bewirtschaftet ist.

Als die Teilnehmer nach zehn Tagen und unzähligen Kilometern wieder in Kronach eintrafen, waren zwar alle erschöpft, aber mit so vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen befeuert, dass die einstimmige Meinung lautete: "Das war keine einmalige Aktion - Schottland wir kommen wieder".

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