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Kronach
Perspektive

Kronacher Technikfirma Loewe treibt Zukunftskonzept voran

Das Kronacher Elektronik-Unternehmen treibt sein neues Zukunftskonzept voran. Wie sich das Portfolio, das Personal und Kooperationen in den nächsten 24 Monaten entwickeln sollen, erklärte Ralf Vogt.
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Ralf Vogt präsentierte sich geerdet, aber auch zuversichtlich, als er das Zukunftskonzept für Loewe vorstellte. Foto: Teresa Hirschberg
Ralf Vogt präsentierte sich geerdet, aber auch zuversichtlich, als er das Zukunftskonzept für Loewe vorstellte. Foto: Teresa Hirschberg

Ralf Vogt redete nicht um den heißen Brei, als er dem FT schilderte, welchen Weg Loewe in den nächsten 24 Monaten einschlagen will. Es wird in Teilbereichen eine Verschlankung beim Personal geben. Ebenso wird weiter Wert auf Partnerschaften gelegt. Doch das soll alles andere als ein Abgesang auf den TV-Hersteller sein. Für den Vorsitzenden der Geschäftsführung ist eines nämlich in Stein gemeißelt: Der Standort Kronach soll nicht nur erhalten, sondern letztendlich sogar gestärkt werden. Auf diesem Pfad werde Loewe das Heft des Handelns nicht aus der Hand geben, garantiert Vogt.

"Ein klarer Weg"

Der Firmenchef unterstreicht: "Wir haben einen klaren Weg gewählt." Dieser wird in einem nun vorgestellten Zukunftskonzept festgezurrt. Pressesprecher Roland Raithel verdeutlicht die Tragweite dieses Papiers: "Es geht nicht um punktuelle Maßnahmen, sondern um ein ganzheitliches Konzept." Es legt die Zielrichtung des Unternehmens fest, hinterfragt die Ist-Situation und zeigt auf, wo nachgebessert, aber auch wo der Rotstift angesetzt werden muss. "Wir reden heute von einem grundsätzlichen Umbau des Unternehmens", so Vogt. Dieser sei notwendig, um Loewe effizienter zu machen, die eigenen Stärken herauszuarbeiten und sich so für den Wettbewerb zukunftssicher aufzustellen.

Was bedeutet das konkret? Klar ist, dass es eine Ausgliederung des heutigen Produktionsbereiches in eine eigene Gesellschaft, ein Kompetenzzentrum für Elektronik- und Softwarelösungen, geben wird. Diese etwa 115 Mitarbeiter starke Gesellschaft verbleibt aber unter dem Dach der Loewe-Gruppe. Auf diesem Weg können zwar auch externe Interessenten mit ins Boot geholt werden, doch Loewe bleibt gleichzeitig Chef im eigenen Haus, wie Vogt verdeutlicht.

Erste Erfolge

Dass gerade Entscheidungen über das gefühlte Herzstück "Fertigung" in der Kreisstadt mit Argwohn beäugt werden, ist dem 51-jährigen Kronacher bewusst. Doch gerade dieser Bereich soll mittelfristig von der neuen Ausrichtung profitieren. Aktuell soll der Personalstand hier gehalten werden, bei entsprechender Nachfrage könnte er später sogar wachsen. Und erste Erfolge gibt es schon. Raithel verweist mehrere branchenübergreifende Aufträge.

Der Umbau von Loewe wird in anderen Bereichen aber auch Stellenstreichungen beinhalten. Deren Größenordnung lässt sich bisher allerdings schwer einordnen. Sie werden sich in erster Linie auf "indirekte Bereiche" beziehen, also beispielsweise Verwaltungstätigkeiten. Grob geschätzt könnten am Ende etwa zehn Prozent der in der Gesellschaft Loewe Technologies verbleibenden rund 350 Mitarbeiter betroffen sein.

Doch Vogt versichert, dass niemand von jetzt auf gleich auf die Straße gesetzt und auch niemand sich selbst überlassen werde. Er betont ausdrücklich: "Diese notwendige Maßnahme geht nicht gegen die Mitarbeiter, die tagtäglich kommen und für Loewe kämpfen!"

Auf der anderen Seite soll es durchaus Abteilungen geben, die personell aufgestockt werden. Vogt erklärt diese auf den ersten Blick widersprüchlich wirkende Entwicklung: "Es ist ein strategischer Umbau, der in manchen Bereichen zusätzliche Qualifikationen erfordert, in anderen Bereichen gewisse Qualifikationen vielleicht nicht mehr benötigt." Unter dem Strich sei es das Ziel, "das Headquarter Kronach" effizienter zu machen.

Von Kooperationen profitieren

Dazu trägt laut Vogt auch eine noch engere Zusammenarbeit mit strategischen Partnern bei. Dadurch könnten auf beiden Seiten die Stärken besser herausgearbeitet werden, von denen dann auch der Partner profitiere. Wie bei der neuen Gesellschaft gilt für den Firmenchef aber auch bei Kooperationen: "Wir werden das Heft nicht aus der Hand geben, denn wenn man das einmal tut, bekommt man es nicht mehr zurück."

Zu einem Aufschwung bei Loewe soll weiter eine verbesserte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit beitragen. Der TV-Hersteller will wieder mehr in die Köpfe der Kunden kommen - und das nicht nur mit seinen Fernsehern. Beispielsweise soll ein eigenständiges Audio-Portfolio entstehen, mehr Produkte abseits des hochpreisigen Premiummarktes sollen angeboten werden und Innovationen vor allem in den Bereichen "Sehen" und "Hören" umgesetzt werden. Hier verweist Vogt beispielsweise auf eine Weltneuheit in Loewe-Geräten: die Software "Mimi". Sie ermöglicht es, ein individuelles Hörprofil anzulegen, was nicht zuletzt älteren Menschen beim Fernsehen zugute kommt.

Alles in allem weiß Vogt, dass vor Loewe ein "spannender Weg" liegt, der auch harte Entscheidung erfordern wird. "Aber wir dürfen als Unternehmen nicht stehen bleiben", betont er die Notwendigkeit dieses Schritts. "Wir müssen und können uns den Herausforderungen mit offenem Visier stellen, denn wir haben einiges zu bieten."

Kommentar von Marco Meißner

Mut zur Offenheit

Die Entwicklung bei Loewe wird von den Kronachern seit Jahren mit Skepsis verfolgt. Dass dort keine so großen Brötchen mehr wie zu den Hoch-Zeiten des Unternehmens gebacken werden, ist offensichtlich. Doch zuletzt rankten sich die Gerüchte nicht mehr nur um die Größe der Brötchen, sondern viel häufiger darum, ob der Ofen bald endgültig ausgeht.

Ralf Vogt beweist an dieser Stelle Rückgrat. Erst kurz im Amt, schwärmt er nicht blauäugig von einer flotten Renaissance, wie es nach Wachablösungen in Unternehmen oft genug der Fall ist. Er geht einen unbequemen Weg. Er legt öffentlich ein Rezept auf den Tisch, das nicht allen schmecken wird. Er weiß um die harte Arbeit in der "Backstube", die für einen Erfolg nötig ist. Und er gesteht offen ein, dass es am Ende auch Mitarbeiter geben wird, die nicht vom "Brötchen" abbeißen können. Offenheit, die Mut erfordert.

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