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Kronach
Gesundheit

Kronacher schlüpfen in die Rolle der Ärzte

Für den vergangenen Samstag lud die Frankenwaldklinik Kronach zur "Langen Nacht der Medizin" ein. Die Verantwortlichen wollten der Bevölkerung ihr Leistungsspektrum aufzeigen.
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Katja Maatz (links) probiert unter der Anleitung von Abolfazl Ajeli-Kargar eine "Operation" am Kniegelenk.
Katja Maatz (links) probiert unter der Anleitung von Abolfazl Ajeli-Kargar eine "Operation" am Kniegelenk.
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Eine laue Sommernacht. Eine gemütliche Atmosphäre schon im Eingangsbereich. Zwischendurch Klänge der Akkordeonspielern der Hofer Symphoniker. Ärzte und Pflegekräfte geben freundlich Auskunft. Die Klinik präsentiert sich mir sehr einladend.

Nach der Begrüßung durch Eike Dedow geht es zur "Klinik rallye". Erste Stationen sind die Gynäkologie und die Geburtshilfe. Dort bekommt der Besucher einen Einblick in den Wassergeburtsraum. Ich erfahre, dass eine gebärende Mutter während der Geburt ihres Kindes in einem Becken im warmen Wasser sitzt. Das soll ein Gefühl der Geborgenheit geben und für Entspannung sorgen. Gezeigt werden zudem der Kreissaal und der Übernachtungsraum - kein Vergleich zu "meiner Zeit" vor knapp 30 Jahren, als Geburtenplätze durch Vorhänge getrennt waren.

Erstaunt bin ich über das Wissen des Landrates beim Stillquiz.
Bei mehr als zehn Fragen gibt er nur zwei falsche Antworten.

Kinder kommen nicht zu kurz

Immer wieder wird beim Rundgang deutlich, dass sich die Organisatoren auch für die Kinder etwas haben einfallen lassen: Es sind Familien da, und ich sehe kein Kind, das gelangweilt in einer Ecke herumsteht. Annika Schneider beispielsweise genießt die "Pizza-Massage". Hierbei muss sie sich auf den Bauch legen.

Nadine Schnappauf fängt an, eine Pizza zu backen. Dabei knetet sie den Rücken des Kindes und streicht mit der flachen Hand darüber. Sie erklärt, wie man Pizzateig knetet, und Annika kann sich die Zutaten aussuchen. Beim Käse beispielsweise nimmt die Massierende ihre Fingerspitzen und pocht leicht auf den Rücken ihrer "Kundin". Andere haben viel Spaß beim Ausprobieren von Gipstechniken. Interesse findet auch der Film "Es war einmal das Leben".

Eine weitere Station der Klinikrallye ist das Herzkatheter-Labor/Funktionsdiagnostik. Dort wird unter anderem erklärt, wie ein Herzkatheter gelegt wird: Unter Betäubung werde vom Arzt eine Schlagader in der Leiste, der Ellenbeuge oder am Handgelenk punktiert. In die Ader werde eine Schleuse mit Dichtung eingelegt, so dass nacheinander verschiedene Katheter eingeführt werden könnten, ohne dass es zu einem Blutverlust kommen könne. Die Katheter würden durch die große Bauchschlagader bis in die linke Herzkammer zu den Abgängen der Herzkranzgefäße vorgeschoben. Dabei werde die Lage des Katheters mittels Röntgendurchleuchtung kontrolliert.

An den OP-Tisch

Interessant ist es auch in der Abteilung Anästhesie/Allgemein- und Viszeralchirurgie/Gefäßchirurgie. Im Operationssaal können die Besucher die Bild gebenden Großgeräte begutachten und selbst "operieren". Beeindruckend ist auch das Inventar, beispielsweise die Anästhesie-Arbeitsplätze, die Operationstische und -leuchten etc. Chefarzt Tom Hoffmann erklärt zum Beispiel, wann eine Knieoperation erforderlich ist. Unter seiner Anleitung greift sogar Landrat Oswald Marr zum Messer und trennt eine Scheibe vom "Knie" ab.

Viele Informationen gibt es in der Inneren Medizin II. Dort folgen Otto und Dora Viessmann gespannt den Ausführungen von Heike Breitenstein, die ihnen anhand eines Saumagens eine Magenspiegelung erklärt. Chefarzt Rolf Seipel berichtet, dass in seiner Abteilung hauptsächlich Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, der Verdauung, des Stoffwechsels sowie durch gut- und bösartige Tumore diagnostiziert und behandelt werden. Er spricht über die Ursachenforschung und darüber, dass modernste Geräte und Behandlungsmethoden wie Ultraschall oder Endoskopie zur Verfügung stehen. In leicht verständlichen Worten erklärt er auch, wie ein Ultraschallgerät funktioniert.

Wie geht es älteren Menschen?

Viel zu lachen gibt es in der Geriatrie, wo ein Partner der Frankenwaldklinik, Orthopädie Preuß, Besucher in einen Alters-Simulationsanzug schlüpfen lässt. Die "Testperson" kann dann die typischen Einschränkungen älterer Menschen wie Einengung des Gesichtsfeldes oder Schwerhörigkeit erleben.

Lustig, aber andererseits auch nachdenklich wird es, als Besucher nach dem Aufsetzen der Rauschbrille keine vernünftige Koordination mehr zeigen, alles verschwommen sehen und mitunter enorme Schwierigkeiten haben, einen Strohhalm in eine Flasche zu stecken.

Neben dieser Rallye finden verschiedene Vorträge, beispielsweise über die Halsschlagader-OP, statt. Die Partner der Frankenwaldklinik stellen ihre Praxen vor. Weiter gibt es Vorführungen, so zum Beispiel über das gesunde Herz und Herzklappen-Erkrankungen. Eine Ausstellung mit Instrumenten und Materialien für Gefäßbehandlungen sowie ein Film über Demenz und Parkinson runden das Angebot ab. Auch der BRK-Kreisverband und der Blutspendedienst sind an diesem Abend vor Ort. Unter anderem kann man mit den Helfern den Weg vom Rettungswagen ins Herzkatheder-Labor abgehen.
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