Kronach
Interview

Kronacher Prinzenpaar übernimmt närrische Regierung

Das neue Kronacher Prinzenpaar Prinz Udo I. und Prinzessin Silke II. waren sich schnell einig, dass sie die närrische Regierung übernehmen wollen. Zusammen mit dem Präsidium geben sie Einblicke in die Organisation der Fousanaocht
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Der neue Stadtsoldat, Rekrut Michael Schütz, Prinz Udo I., Kanzler Georg Löffler, Stadtsoldat Christian Grebner sowie Prinzessin Silke II.
Der neue Stadtsoldat, Rekrut Michael Schütz, Prinz Udo I., Kanzler Georg Löffler, Stadtsoldat Christian Grebner sowie Prinzessin Silke II.
Beim Faschingsauftakt am 21. November wurden in der Regimentsstube der Festung Rosenberg Kronachs die neuen königlichen Hoheiten der Session 2015/2016 vorgestellt: "Seine Tollität Prinz Udo I., der jagende Logistik-Offizier, der seinem Horn wohlklingende Melodien entlockt, und Ihre Lieblichkeit Prinzessin Silke II., die in der genießerischen Lebenslust des Barock mit dem Prinzen tanzt". Nachdem die beiden "hochedlen Regenten wachsam residierend im Dobersgrund an der Grenze der alten Cranaha" die ersten Auftritte wahrgenommen haben, schildern sie ihre Eindrücke. Und auch das Präsidium der Kroniche Fousanaocht gibt einen kleinen Einblick in die zeit- und arbeitsaufwendige Organisation des närrischen Treibens.

Liebes Prinzenpaar: Wann und von wem wurden Sie gefragt, ob Sie neuer Prinz und neue Prinzessin sein möchten? Haben Sie damit gerechnet oder darauf gehofft?
Prinzessin: Kanzler Georg Löffler hat mich am 20. Juli angerufen und gefragt. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet. Ich habe mich erst einmal hingesetzt und durchgeschnauft. Mein Mann war da gerade nicht zuhause. Ich habe ihm später erzählt, dass Georg Löffler angerufen hat und auch ein wenig rumgedruckst, bevor ich damit herausgerückt bin.
Prinz: Ich war auch überrascht, aber freudig überrascht. Ich habe meine Frau verdattert angeschaut und gefragt, was sie geantwortet hat.

Haben Sie gleich Ja gesagt oder etwas Bedenkzeit erbeten?
Prinzessin: Mein Mann und ich waren uns schnell einig, dass wir das machen wollen. Aber wir haben ja unseren zweijährigen Sohn Paul. Deshalb haben wir erst einmal meine Eltern und seine Mutter gefragt, ob sie während der Veranstaltungen auf Paul aufpassen würden. Sie haben gleich zugestimmt und uns dazu ermuntert. Deshalb konnten wir dann Georg Löffler schnell zusagen.

Waren das die Einzigen, die vorher Bescheid gewusst haben?
Prinz: Ja. Das neue Prinzenpaar ist ja - nach dem Schützenkönig - das bestgehütetste Geheimnis in Kronach.

Was hat Ihr Umfeld gesagt, nachdem es in der Zeitung stand? Werden Sie oft darauf angesprochen?
Prinzessin: Ja, sehr oft. Alle haben sich mit uns gefreut. Die erste SMS kam noch am Faschingsauftakt um Mitternacht - von einer Freundin, die es im Internet gelesen hatte. Das war witzig, weil sie an dem Tag noch bei uns zu Besuch gewesen war und gerätselt hatte, wer das neue Prinzenpaar sei - und ich durfte ja nichts sagen.
Prinz: Die anderen Stadtsoldaten waren schon ein wenig verdutzt. Ich bin ja in meiner Stadtsoldaten-Montur zum Faschingsauftakt. Dann bin ich weg und habe mich als Prinz umgezogen.

Welche Aufgaben haben Sie als Prinzenpaar? Wird man "eingewiesen"?
Prinzessin: Unsere Aufgabe ist es zu repräsentieren. Das ist eine Ehre. Eine Einweisung ist nicht nötig. Vor allem mein Mann war ja schon oft dabei und er weiß, wie das abläuft.

Waren Sie schon immer ein Faschingsfan?
Prinzessin: Ich bin kein ausgesprochener Faschingsfan. Ich bin aus Steinwiesen und damals halt mit meinen Freundinnen beim dortigen Fasching immer nur so mitgegangen. Aber mein Mann ist schon Feuer und Flamme für den Fasching.
Prinz: Das stimmt. Bereits als Jugendlicher haben wir damals in Weismain schon Faschingswägen gebaut. Deshalb wurde ich ja auch Stadtsoldat und bin stolz darauf.

Die ersten Termine haben Sie schon hinter sich. Wie waren Ihre Eindrücke? Ist es so, wie Sie sich das vorgestellt haben?
Prinzenpaar: Ja, das war richtig schön - einfach grandios, ganz toll.

Sind Sie bei den Auftritten sehr nervös und aufgeregt oder gehen Sie das eher gelassen an? Fällt es Ihnen schwer, so im Mittelpunkt zu stehen?
Prinzessin: Ich stehe eigentlich nicht gerne vorne. Aber ich bin überraschend ruhig, darüber bin ich selbst etwas erstaunt.
Prinz: Ich bin das gewöhnt - auch aus beruflicher Sicht - vor anderen zu reden. Da habe ich überhaupt keine Probleme damit.

Auf welche Termine freuen Sie sich am meisten?
Prinzessin: Jeder Termin ist auf seine ganz eigene Weise schön.
Prinz: Höhepunkte sind natürlich die Büttenabende, der Rathaussturm und der Umzug in Rothenkirchen. Aber ich freue mich auf alle Termine.

Welche Auswirkungen hat Ihr Amt auf Ihr Berufsleben? Nehmen Sie sich Urlaub?
Prinzessin: Nein, Urlaub ist nicht geplant. Unsere Termine sind ja abends, am Wochenende und dann halt am Rosenmontag. Das lässt sich alles mit der Arbeit vereinbaren. Danach geht es wieder ganz normal für uns weiter - ohne Urlaub.

Wie schwer ist Fasching in Zeiten von Terror und Schreckensmeldungen? Kann man da überhaupt - oder sollte man sogar - auf der Bühne rumalbern? Nimmt man aus manchen Gags Schärfe raus?
Prinzessin: Ich finde, dass die Leute gerade jetzt etwas zu lachen brauchen. Ernste Themen und schlechte Nachrichten gibt es mehr als genug.
Regisseur Matthias Simon: Das ist nicht nur heuer so, sondern in jedem Jahr. Man muss sich immer überlegen - insbesondere bei politischen Themen - wie weit man gehen darf.
Kanzler Georg Löffler: Es gibt jedes Jahr schlimme Nachrichten. Das muss jeder für sich entscheiden, wie man damit umgeht, ob und wie man es zum Thema macht.

Frage ans Präsidium: Mit wie viel Arbeit ist ein Fasching verbunden?
Kanzler Georg Löffler: Fasching ist für uns das ganze Jahr. Nach den Büttenabenden ist vor den Büttenabenden. Wir haben das ganze Jahr hindurch monatlich eine Präsidiumssitzung. Die erste ist schon in der Fastenzeit, wenn wir zur ersten Manöverkritik zusammenkommen. Dabei überlegen wir uns, was gut war und was man vielleicht besser machen könnte. Dann geht es schon wieder los mit den Vorbereitungen - was nehmen wir für ein Thema, welchen Orden, wer soll das neue Prinzenpaar sein. Auch die Garden beginnen schon sehr bald mit den Proben, teilweise schon in den Osterferien. Und auch die Themensammlung erfolgt natürlich das ganze Jahr.
Präsident Uli Böhm: Wir sind im Präsidium zu acht und teilen uns die Arbeit. Wenn das einer allein stemmen sollte, bräuchte er eigentlich nichts anderes mehr zu machen.
Regisseur Matthias Simon: Unser Präsidium kann man sich wie die Vorstandschaft von einem Verein vorstellen. Wir organisieren und koordinieren. Auch von den Elferräten hat jeder seine bestimmte Aufgabe.

Gibt es eine Generalprobe?
Regisseur Matthias Simon: Nein. Die einzelnen Gruppen proben für sich abends in der Woche vor den ersten Büttenabenden. Der erste Büttenabend ist so gesehen unsere Generalprobe.

Das Gespräch führte
Heike Schülein
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Prinzenpaar und Termine


Das Prinzenpaar Prinzessin Silke Leikeim ist 36 Jahre. Sie arbeitet als Kauffrau im Groß- und Einzelhandel bei der Baywa in Kronach. Im Fasching ist sie aktiv seit dieser Session als Prinzessin. Prinz Udo Leikeim ist 45 Jahre. Er arbeitet als Logistiker bei der Firma Rauschert in Steinbach am Wald. Im Fasching ist er in Kronach seit acht Jahren als Stadtsoldacht aktiv, davon vier Jahre als Kommandeur.

Büttenabende 1. Büttenabend: Freitag, 22. Januar, Samstag, 23., und Freitag, 29., und Samstag, 30. Januar. Beginn jeweils um 19.30 Uhr im Schützenhaus Kronach. Beim Büttenabend am 29. Januar darf das Publikum kostümiert kommen, das schönste Kostüm wird prämiert.
Kartenvorverkauf Karten gibt es bei Optik Stöckert in Kronach. Dort können gleich die Sitzplätze ausgewählt werden.

Sonstige Termine 4. Februar: Alm-Weiberfasching in der Rosenbergalm Kronach.
5. Februar, 18 Uhr: Kinderbüttenabend im Schützenhaus Kronach.
6. Februar: Rathaussturm im Kaiserhof und am Marktplatz sowie Hüttenfasching in der Rosenbergalm Kronach.
7. Februar: Faschingsumzug Rothenkirchen.
8. Februar: Rosenmontag: Einmärsche im Kindergarten und Seniorenheime sowie Rosenmontag in der Rosenbergalm Kronach.
www.kroniche-fousanaocht.de oder auf Facebook.
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