"Die Hofwiese bekommt ein neues Gesicht". Mit dieser Schlagzeile wurden die Besucher des Kronacher Schützenfestes darauf hingewiesen, dass sie ab diesem Jahr, besonders in der Mitte des Festplatzes, nicht mehr die gewohnten Fahrgeschäfte und Buden vorfinden werden. Die Umorganisation war aus Gründen der Sicherheit notwendig. Im Lauf der Jahrhunderte hat sich aber schon vieles auf der Hofwiese verändert.
Wenn man die heutige Schießsportanlage der Schützengesellschaft Kronach sieht und was aus der einstigen Schießstätte von anno dazumal geworden ist, dann kann man vor der Leistung des Vereins nur den Hut ziehen. War es früher eine einfache Bretterhütte, die als Unterstand der Schützen gedient hat, so ist daraus inzwischen ein stolzer Bau mit modernsten Schießanlagen geworden.
Aber nicht nur die Schießanlage hat sich verändert, sondern auch die Pflichten und Aufgaben der Kronacher Bürger. Früher gehörte es zu den Bürgerpflichten, dass sich jeder Bürger an den Schießübungen auf der Hofwiese zu beteiligen hatte. Laut Ratsbeschluss von 1656 war jeder Bürger aufgefordert, mindestens zehnmal im Jahr auf der Schießstätte zu erscheinen. Im Jahr 1809 waren die Bürger angehalten, "drey Jahre lang die Schießstätte zu besuchen und sich im Scharfschießen dort zu üben." Schließlich musste fleißig gezielt werden, um die Stadt bei feindlichen Einfällen mit der Waffe verteidigen zu können.
Dass die Stadtväter für eine etwaige Verteidigung im Dreißigjährigen Krieg gerüstet waren, beweist ein Eintrag vom 9. Juni 1621: "Ann Fest Corpis Christi (Fronleichnam) sölle uff den Thürmen ietziger Zeit nit geschossen werden, weilen die Geschütz alle scharff geladen, desgleichen auch die Bürgerschaft nit Schießen, dan Sie werden es geheißen."
Auch in der daran anschließenden Zeit hatten die Kronacher Schützen viel Freude am perfektionierten Schießen bis in unsere Tage, was sich in den Erfolgen widerspiegelt. In den Reihen der Schützengesellschaft Kronach finden sich heute Welt- , Europa- und Deutsche Meister.

Steuerfreies Bier


Was sich noch verändert hat, ist die Belohnung und die Auszeichnung für die besten Schützen anlässlich des Schützenfestes. Wie bereits angedeutet, war im 18. und 19. Jahrhundert jeder Kronacher Bürger dazu verpflichtet, über mehrere Jahre an den Schießübungen auf der Hofwiese teilzunehmen. Manch ein Handwerker betrachtete dieses Schießen jedoch als eine verlorene Zeit, in der er nicht seinem Broterwerb nachgehen konnte und blieb deshalb dem Schießen fern. Dies führte zu einer Strafe durch den Magistrat.
Wegen des um sich greifenden Schlendrians mussten die Bürger immer wieder darauf hingewiesen werden, dass es doch sehr wichtig sei, im Ernstfall die Stadt mit der Waffe verteidigen zu können. Um das schwindende Interesse an den Schießübungen zu stoppen, richteten der Ober- und Unterschützenmeister im Namen der gesamten Schützenkompanie am 4. März 1779 ein Bittschreiben "An Ihre Excellenz dem Hochwürdig-Hochwohlgebohrenen Herrn Ludwig Bernhard Reich Freyherrn von Redwitz."

Begeisterung wecken


In dem Schreiben erinnern sie daran, dass es schon ein "eingeführter Gebrauch seye", dass die Bürgerschaft von Kronach sich zu Sommerszeiten im Scheibenschießen übe und angeleitet werde. Dies erfolge deswegen, "um sich hierdurch zu nöthig-dann schuldiger Stadt- und Festungs Verteitigung bei feindlichen Einfällen immer fähiger zu machen." Was nütze aber der gute Brauch, wenn es an jenen Mitteln fehle, die der Bürgerschaft und auch den Schützen die Lust und den Eifer beflügeln könnten.
Um die Begeisterung wieder zu wecken, richten sie deshalb die Bitte an seine Exzellenz, "der gesamten Schützenkompanie allhier die hohe Gnade zu erteilen, dass selbe alljährlich einmahl ab einen ganzen Bier-Gebräu, so nach Vorgängig=einen Frey-Schießen dem Fest-Gewinner zu thun gestattet sein solle, von dem landesherlichen, oder sogenannten Großen Umgeld befreyet seyn möge." Der Sieger bekam also ein steuerfreies "Biergebräu". Das Schreiben schließt mit der Feststellung, dass das Geschlecht derer von Redwitz schon immer ihre großzügige Bitte erhört habe, weshalb sie auch diesmal auf deren Erhörung hofften. Das Scheiben des Freiherrn von Redwitz, er war zur damaligen Zeit Statthalter in Kronach, kam umgehend.
"Der allhießigen Schützengesellschaft wird auf unterthäniges Supplicieren Eines gantzen Gebräu Biers jedoch nur auf zwey nacheinander folgenden Jahren von dem großen Umgeld befreyet zu seyn in Gnaden erstattet." Somit konnte der jeweilige Sieger des Schießens einen Sud Bier steuerfrei brauen.

Bürgerhammel ausgeschossen


Im gleichen Jahr wurde, wie seit alters her, auch der Bürgerhammel ausgeschossen. Gekauft bei einem Metzger für 24 Kreuzer und von der Stadt gestiftet erhielt der beste Bürgerschütze den mit fünf Ellen roten Bandes geschmückten Schafhammel. Das Ausschießen eines Hammels hatte Tradition, denn bereits 1620 befand sich folgender Eintrag im Ratsprotokoll: "Die Schützen undt Schießgeselln bitten umb den Hemel wegen Gemeiner Stadt sölle Ihnen einer, wie auch den Mußguetiren den gleichen einer geben werden."
Ein weiterer Wettbewerb war das "Thalerschießen" und in späteren Jahren das "Zinnschießen".
Viele weitere Bilder vom Freischießen in Kronach finden Sie HIER.