Kronach
Versammlung

Kronacher Mietern droht der nächste Griff in die Brieftasche

Einige Sorgen konnten bei den Bewohnern der Kronacher KWG-Wohnungen ausgeräumt werden. Doch das dicke Ende droht mit einer weiteren Mieterhöhung.
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Böse Überraschung: Am Flügelbahnhof droht den Bewohnern eine weitere Mieterhöhung für KWG-Wohnungen. Foto: Marco Meißner
Böse Überraschung: Am Flügelbahnhof droht den Bewohnern eine weitere Mieterhöhung für KWG-Wohnungen. Foto: Marco Meißner

Es ist keine Hauptversammlung wie jede andere. Die Stimmung im "Café Kitsch" wirkt sachlich, nüchtern, ernst. Es wird nicht über sportliche Erfolge oder einen guten Kassenstand gefachsimpelt. Den Mitgliedern des Mietervereins gehen ganz andere Probleme durch den Kopf. Bei diesem Treffen geht es um elementare Sorgen.

Justiziarin Sabine Gross geht auf einzelne Fälle ein. Da ist von einem wenig charmanten Umgangston der für die Gebäude Verantwortlichen gegenüber den Mietern und gar von einer Klageandrohunge gegenüber dem Verein die Rede. Ein verärgertes Kopfschütteln der zahlreichen Zuhörer begleitet ihre Aussagen.

Gross berichtet weiter davon, dass ein Teil der angeprangerten Mängel in den Häusern der früheren Kronacher Wohnungsbaugesellschaft (KWG) inzwischen behoben worden seien. In einem Fall sei es sogar gelungen, einem Mieter über 1000 Euro Kosten durch eine Neuberechnung einer offenbar überhöhten Heizkostenabrechnung zu ersparen. Die Mitglieder klopfen zustimmend auf die Tische. Die Justiziarin stellt fest, dass die Vorstöße des Mietervereins bei den zuständigen Stellen oft auch ein Geduldsspiel seien. Ein großer Schritt sei jedoch damit gelungen, dass künftig keine Inkasso-Büros mehr eingeschaltet würden. Hier hatte es vor allem unter dem früheren Besitzer der Gebäude - sie gehören inzwischen zu Union Investment - große Probleme gegeben.

Auch hätten einige "Mieterhöhungsverlangen" abgewehrt und Schufa-Eintragungen rückgängig gemacht werden können. "Aber es ging nicht so leicht wie alle gesagt haben", unterstreicht Sabine Gross zu letztgenanntem Punkt. "In einem Fall hat es vier Monate gedauert - es ist schlimm."

Und vor allem sei die Liste der Probleme längst nicht abgearbeitet. Schwierigkeiten gebe es weiterhin genug, sei es wegen Schimmel in den Häusern, einem undichten Dach, Hausmeister-Tätigkeiten, die mehr Frust als Entlastung bedeuteten, oder frechen Antworten auf Beschwerden. "Manchmal verzweifelt man echt", sagt die Justiziarin.

Neue Mieterhöhungen

Der größte Dorn im Auge ist dem Verein aber ein anderes Thema. "So wie's aussieht gibt's neue Mieterhöhungen", erklärt Gross. Für manchen Mieter wäre das die dritte Erhöhung innerhalb von rund fünf Jahren. Im Bereich Flügelbahnhof seien entsprechende Briefe schon in die Häuser geflattert. Die Rede sei von einer 20-prozentigen Steigerung. Gross wies darauf hin, dass die Renten mit dem Anstieg dieser Kosten nicht mehr Schritt halten könnten.

"Ganz genau!", schimpfen zwei Frauen mit ernster Mine. Kurz wird es lauter. Die Mieter melden sich nun zu Wort. Sie erinnern daran, was sie selbst an den Wohnungen gearbeitet haben, weil sich jahrelang nichts getan habe. Und nun dürften sie für ihr Engagement noch zahlen.

Damit leitete Gross zu einem Dauerbrenner-Thema über: "Leider ist es ohne einen qualifizierten Mietspiegel nicht möglich, in dem Bereich, in dem eine Erhöhung erfolgt ist, zu prognostizieren, wie ein Gericht in einem Prozess entscheiden wird." Die Ablehnung dieses Mietspiegels durch den Stadtrat sorgt für Ärger in der Runde. "So ein G'schmarre!", wettert ein Mann. Und Gross vermutet, dass es den Ratsmitgliedern wohl schwer falle, sich in die Köpfe der Mieter und die Situation des Vereins hineinzudenken. Mieter gebe es schließlich nur wenige im Gremium.

Aber nicht nur an die Vermieter und die Politik, sondern auch an die eigene Adresse richtete ein Mitglied Kritik: "Der Pluspunkt für die anderen ist doch, dass die Mieter sich untereinander nicht einig sind. Wenn alle zusammenstünden, könnten wir mehr erreichen!"

Für Gross liegt darin der Kern für das weitere Wirken des Vereins: "Je mehr sich hinter uns stellen, desto größer wird es. Umso mehr wächst unser Einfluss." Und wieder nicken die Mitglieder. Sachlich, ruhig - und mit ernüchterter Mine.

Das sagt die Seite der Vermieter

Die Deutsche Asset One hatte die Kronacher KWG-Wohnungen für einen Fonds von Union Investment erworben und vertritt nun die Eigentümerin. Auf unsere Nachfrage zu den Mietsteigerungen nimmt Ulrich Nagel, Leiter des Kölner Büros, Stellung. Er erklärt, dass die Eigentümerin der Wohnungen keine Verantwortung für Mieterhöhungen vor dem Kauf zum 1. Januar 2018 trage.

"Im gesamten Jahr 2018 haben wir, wie mit dem Verkäufer vereinbart, keine Mieterhöhung ausgesprochen. Zum 1. April 2019 haben wir für einen bestimmten Teilbestand und zum 1. Oktober 2019 für einen anderen Teilbestand moderate Mieterhöhungen ausgesprochen", stellt Nagel fest. Insofern seien nicht alle Mietverhältnisse von der Maßnahme betroffen. Und Nagel weiter: "Diese Erhöhungen liegen in beiden Fällen unter dem gesetzlich zugelassenen Maß, um die Mietverhältnisse weiterhin sozialverträglich zu gestalten."

Auf den angeblich teilweise rauen Umgangston gegenüber den Mietern und die Sprechzeiten angesprochen erklärt Nagel: "Die direkte Mieterkommunikation erfolgt über einen von uns beauftragten Dienstleister. Zu den genannten Punkten werden wir kurzfristig ein Gespräch mit dem Dienstleister anberaumen."

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