Kronach
Helios-Frankenwaldklinik

Kronacher Klinik: Lebenszeichen werden stärker

Die Geburtenzahlen an der Kronacher Klinik steigen endlich wieder. Nicht nur diese Trendwende sorgt dafür, dass die Entwicklung des Krankenhauses heute optimistischer als noch vor wenigen Monaten gesehen wird.
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An der Helios-Frankenwaldklinik sieht man in den steigenden Geburtenzahlen ein positives Signal, dass sich auf die Entwicklung des ganzen Hauses auswirken könnte. Foto: Marco Meißner
An der Helios-Frankenwaldklinik sieht man in den steigenden Geburtenzahlen ein positives Signal, dass sich auf die Entwicklung des ganzen Hauses auswirken könnte. Foto: Marco Meißner

Die Gynäkologie an der Helios-Frankenwaldklinik Kronach genießt bei den Patienten seit Jahren einen guten Ruf. Dennoch gab es lange Zeit ein Rätselraten um ihre Zukunft. Die neuesten Geburtenzahlen wecken allerdings Hoffnungen, dass die Station aus den negativen Schlagzeilen kommt.

Von einem Babyboom ist an der Klinik die Rede. "Wir sind guter Hoffnung, dass wir 2019 die Trendwende geschafft haben!", stellte Klinikgeschäftsführer Philipp Löwenstein bereits vergangene Woche in einer Pressemeldung fest. Auf Nachfrage des Fränkischen Tags bestätigt Pressesprecher Stefan Studtrucker diese Erwartungshaltung. "Die derzeitigen Zahlen deuten wieder auf einen merklichen Zuwachs für 2019 hin", erklärt er das sich abzeichnende Ende einer Abwärtsspirale.

Zwischen 2015 und 2018 waren die Geburtenzahlen an der Klinik stetig rückläufig. Mit 536, 499, 459 und schließlich 430 Neugeborenen bewegten sie sich in einen Bereich hinein, in dem auch über die Rentabilität der Station spekuliert wurde. Die 500-Geburten-Marke wurde seinerzeit immer wieder als ein Gradmesser hierfür ins Spiel gebracht. Personelle Engpässe, die den Betrieb der Entbindungsstation empfindlich störten, verschärften im Jahr 2017 die Situation zusätzlich. Auch das Klima zwischen der Klinik und den niedergelassenen Ärzten galt in der Vergangenheit zeitweise als angespannt.

Dass sich in all diesen Punkten ein Wandel abzeichnet, freut den Chefarzt der Abteilung, Gabriel Stoinescu. Er ist erst seit dem Frühjahr in seinem Amt und ist überzeugt: "Ich bin gut in Kronach und bei der hiesigen Ärzteschaft angekommen." Auf der Station sei derzeit viel zu tun. Darin sieht er eine Bestätigung für die hervorragende Arbeit seines Fachbereichs, aber auch für einen über Jahre aufgebauten guten Ruf. Alleine im Juli kamen über 50 Babys in der Kronacher Klinik zur Welt.

Eine Zahl - und vor allem eine Entwicklung -, die auch in der Belegschaft für ein Aufatmen sorgt. "Wir sind heilfroh", sagt Betriebsratsvorsitzender Manfred Burdich angesichts einer noch vor wenigen Monaten befürchteten Schließung. Auch der Kampf der Mitarbeiter um ihre Station habe damals dazu geführt, dass die Geburtshilfe heute wieder aufblühen kann, ist er überzeugt. Die gute Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer und ein Impuls von Landrat Klaus Löffler (CSU) für die Teilnahme an einem Förderprogramm hätten ebenso Früchte getragen.

Politik stellt Weichen

Diese Entwicklung sei für die gesamte Klinik sehr wichtig gewesen, denn es sei nicht nur um die Geburtshilfe gegangen. Wäre sie gefallen, hätte sich das nach Ansicht von Burdich wie ein Domino-Effekt auf andere Stationen auswirken können.

"Ich freue mich sehr über den Babyboom", stellt Landrat Löffler fest. Die Aufwärtsentwicklung ist in seinen Augen auch ein Zeichen dafür, dass sich die werdenden Eltern an der Klinik gut aufgehoben fühlen.

Ein wichtiges Hilfsmittel, um diesen Trend zu verstetigen sei das - von Burdich bereits erwähnte - "Zukunftsprogramm Geburtshilfe" des Freistaats Bayern, in das sich auch der Landkreis aktiv einbindet. Auf diesem Wege bestehe die Möglichkeit, Defizite von Geburtshilfestationen auszugleichen, und so auch kleinere Krankenhäuser und Kliniken im ländlichen Bereich zu sichern.

Laut Staatsministerin Melanie Huml soll dieses Programm den Kommunen dabei unter die Arme greifen, eine wohnortnahe Geburtshilfe zu erhalten. "Werdende Mütter brauchen die Sicherheit, dass es eine ausreichende wohnortnahe und hochwertige Versorgung gibt - auch im ländlichen Raum", betont die Ministerin zu diesem Programm.

Der Freistaat übernimmt im Zuge dieser Unterstützung und im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel bis zu 85 Prozent des Defizits entsprechender Stationen (maximal eine Million Euro pro Haus). Heuer wird diese Unterstützung für die Defizite aus dem Jahr 2018 ausgezahlt. Wie Burdich ergänzt, "ist dieses Programm eine super Geschichte, die auch Sicherheit gibt". Unter diesen Vorzeichen dürften Chefarzt Stoinescu und sein Team gerne an ihren Zielen festhalten. Sie sehen in der Weiterentwicklung der Gynäkologie und Geburtshilfe "ein langfristiges Projekt, das auf Qualität und Vertrauen basiert". Auf diesem Weg will Stoinescu nun den nächsten Schritt machen.

Kommentar von Marco Meißner

Nur ein erstes Signal - aber ein wichtiges

Gestern noch zu Tode betrübt, heute schon himmelhoch jauchzend. Das wäre natürlich der falsche Ansatz, die endlich wieder steigenden Geburtenzahlen an der Kronacher Klinik zu bewerten. Doch auch, wenn diese positiven Zahlen zunächst nur eine Momentaufnahme für das Befinden der Station sowie des gesamten Krankenhauses sind, und sie sich in den kommenden Jahren erst einmal bestätigen müssen, so darf schon eine Signalwirkung davon abgelesen werden. In mehrfacher Hinsicht.

Die Gynäkologie- und Entbindungsstation ist seit jeher ein Aushängeschild der Frankenwaldklinik. Wenn in sie investiert und von langfristigen Planungen gesprochen wird, kann das dem angekratzten Image des Krankenhauses nur guttun.

Dazu trägt ebenso bei, dass die Politik bereit ist, mit ins Boot zu steigen und grundsätzlich die medizinische Infrastruktur im ländlichen Raum zu unterstützen. Auch monetär. Auf dem Land sind die Möglichkeiten für Kliniken schon aus demografischer Sicht einfach andere als in einer boomenden Metropole. Da braucht es Rückendeckung. Schließlich kristallisiert sich heraus, dass Geschäftsführer Philipp Löwenstein sein Haus wieder in ein ruhigeres Fahrwasser zu führen vermag.

All das unterstreicht, dass der Glaube an die Zukunft der Kronacher Klinik bei den Verantwortlichen da ist. Diesen müssen sie nun offensiv nach außen tragen. Dann lassen sich negative Schlagzeilen durch wiederkehrendes Vertrauen der Patienten ersetzen.

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