Kronach
80er Jahre

Kronacher Jugendlicher geht am Bildschirm auf Zeitreise

Der Sohn unseres Kronacher Reporters versuchte sich für unsere 80er-Serie an den 40 Jahre alten Automatenspielen seines Vaters.
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Dominic auf Zeitreise: Galaga aus dem Jahr 1981. Foto: Marco Meißner
Dominic auf Zeitreise: Galaga aus dem Jahr 1981. Foto: Marco Meißner
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Wie bitte? Das gibt's doch nicht! Nein! Ich sitze vor dem Computer-Bildschirm und beginne an mir zu zweifeln. Was mein Sohn Dominic da gerade abzieht, geht gar nicht. Der 13-Jährige pulverisiert in wenigen Minuten den ganzen Stolz meiner frühen Jugendjahre. Und das süffisante Lächeln dazu ist nicht nur eine Prise, sondern ein ganzes Fass Salz in die offene Wunde.

Doch von Anfang an. Einige Wochen zuvor hatte unsere Redaktion für diese Serie die Köpfe zusammengesteckt: Was gab's denn so in den 1980er Jahren schon an elektronischen Spielereien? Ab dieser Frage wurde das Thema für mich zum gefühlten Heimspiel. Spätestens nachdem Thomas Gottschalks Show "Telespiele" mir die Welt der Pixel eröffnet hatte, waren die Automaten mit Pac Man & Co. beim Einkaufsbummel durch die Stadt nicht mehr sicher vor mir.

Kämpfe im Weltall

Vor allem die Raumkämpfe bei Galaga hatten es mir seinerzeit angetan. Wenn die Horden der insektenartigen Monster vor die Geschütze meines bunten Raumschiff-Grafikklumpens flogen und ich sie mit kleinen Lichtpunkten zu einem schrägen Computer-Gedudel abschießen konnte, blühte der kleine Captain Kirk in mir auf.

Ob sich mein Junior noch für diese Kindheitserlebnisse begeistern lässt? Rund 40 Jahre später. In einer Zeit der 3D-Animationen, hochauflösenden Grafiken und Bombast-Surround-Klänge. Für einen Test lade ich mir drei Klassiker auf den PC: Pac Man, Dig Dug und eben mein geliebtes Galaga. "Wir müssen spielen! Für die Zeitung", feuere ich meinen Sohn an. Sein "Ok" kommt ebenso spontan wie mit einem ungläubigen Unterton. Man sieht regelrecht die Fragezeichen über dem Kopf schweben. Welchen Blödsinn hat sich der Papa jetzt wohl wieder einfallen lassen?

Doch wie es zur Schulzeit ist: Unterricht, Hausaufgaben, Lernen, dann noch ein wenig Sport und Schlagzeug, schon ist die Woche rum - ohne Spielerei. Aber ich war nicht untätig. Immer wieder kribbelte es abends in den Fingern, nach der Arbeit noch schnell drei, vier Runden zu zocken und einen ordentlichen Highscore vorzulegen. Und so schlecht erschien mir mein Abschneiden am Ende nicht.

Böse Überraschung

Dann ist er da, der Abend, an dem Dominic zur Tastatur greift. Meine Erklärung, wie das Spiel funktioniert und wie er als Anfänger am besten agieren sollte, scheint ihn nur beiläufig zu interessieren. Er startet Pac Man. "Huch, die Geister verfolgen mich ja", ruft er empört darüber, wie so ein kleiner Pixelhaufen seine mampfende, gelbe Scheibe durchs Labyrinth jagen kann. 80er Jahre! Gab's da echt schon so was wie künstliche Intelligenz in den Spielen, scheint er sich zu fragen. Ich grinse. Tja, ganz so doof waren unsere Bildschirmhelden à la Donkey Kong und Frogger halt doch nicht!

Der nächste Kommentar lässt meine Brust weiter anschwellen. "Das geht aber ganz schön auf die Hand", meint mein Junior nach einigem Getippe auf der PC-Tastatur. Ich freue mich. Wir haben solche Spiele damals sogar mit nur einem Steuerknüppelchen und zwei Tasten gedaddelt. Und weiche Handauflagen - lachhaft. Wir waren eben schon als Kinder die Härtesten!

Das ist's dann aber auch mit meinem Stolz. Es dauert nur zwei Runden, dann hat Dominic den Bogen raus. Gefährlich nähert er sich meinem Highscore. Ich denke nur: "Halt, stopp!" Es wird Zeit zum Aufhören. Er spielt doch schon knapp zehn Minuten Pac Man. "Ist es Dir nicht zu langweilig? Wir können auch wechseln", kämpfe ich jetzt mit Psychologie um meine Punkte. "Nö, ist eigentlich ganz cool", antwortet er - leider. Sagt's, drückt Tasten, steuert - und knackt im dritten Anlauf meinen Bestwert.

Aufklärung durch den Junior

Noch schlimmer läuft's bei Dig Dug. Nach 40 Jahren weiß ich in meinen beiden Testspielen nicht mal mehr, wie die Monsterjagd samt Höhlenbuddeln funktioniert. Mein Sohn kann es mir nach wenigen Minuten erklären. Peinlich!

Aber von einem Thron lasse ich mich nicht stoßen: Galaga. Bestimmt zwei Stunden hatte ich vor unserem Experiment trainiert, um einen ordentlichen Bestwert aufzustellen. Der musste einfach halten.

Die Tasten klacken

Was dann kommt, ist Meißnersche Gaming-Geschichte. Erster Anlauf. Seitlich fliegen die kleinen Pixelmonster ein. Im Wechsel höre ich das Klacken der Return-Taste und das elektronische Pfeifen der Lasergeschosse. Wie früher bei den Telegrafen-Beamten tackern Dominics Finger auf die Tastatur ein. "Wie machst Du das?", frage ich ungläubig, als er eine weitere Angriffswelle schon im Anflug nahezu komplett zerlegt hat. Er versteht die Frage nicht: "Wieso? Was ist denn?" Na ja, ich hätte vielleicht die Hälfte getroffen oder mir die Finger verknotet, denke ich für mich. Aber das muss ich ihm ja nicht auf die Nase binden.

Doch es kommt, wie es kommen muss: Nach der zweiten Runde ist mein Highscore Geschichte. Ich frage, ob wir abbrechen wollen. Vielleicht sind diese Spiele ja doch nichts mehr für die heutige Generation. Aber zu meiner Überraschung, möchte Dominic weitermachen. "Das macht schon Spaß", sagt er obwohl es nun gerade auch ihn mal erwischt hat, ohne schon wieder einen neuen Highscore aufzustellen.

Und am Abend sinke ich dann trotz meiner Schlappe versöhnt mit meinen Kindheitserinnerungen auf die Couch. Ich war gerade in Dominics Zimmer. Und er hat noch ein wenig gespielt. Galaga. "Das war gar nicht schlecht. Ich hab's mir auch mal runtergeladen", hat er gesagt. "Captain Kirk - Auftrag ausgeführt", denke ich mir. "Die Next Generation hat übernommen." Und auf meinem Gesicht zeichnet sich ein süffisantes Lächeln ab.

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