Kronach
Veröffentlichung

Kronacher Henry Hatt ist der Lauensteiner Geschichte auf der Spur

Der Kronacher Autor Henry Hatt befasst sich mit Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg. Nun richtet sich sein Blick auf die Burg Lauenstein.
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Henry Hatt befasst sich in seinem jüngsten Buch mit der Burg Lauenstein. Foto: Marco Meißner
Henry Hatt befasst sich in seinem jüngsten Buch mit der Burg Lauenstein. Foto: Marco Meißner
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Die Burg Lauenstein thront märchenhaft am Rennsteig. Idyllisch ist es dort aber nicht immer zugegangen. Davon ist jedenfalls Henry Hatt überzeugt. Der Autor und Geschichtsforscher blickt in einem neuen Buch auf die Rolle des Bauwerks zur Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück.

Herr Hatt, Sie sind Geschichtsforscher - als Hobby oder aus beruflichen Gründen?

Henry Hatt: Die Geschichtsforschung ist mein leidenschaftliches Hobby; sie hat keine beruflichen Gründe und ist vor allem keine "Schatzsuche", von der ich mich distanziere. Seit dem Zweiten Weltkrieg sind Tausende, zum Teil sehr wertvolle Kunstwerke verschollen. Einige davon sind in den USA, andere im Kreml, aber ein großer Teil lagert mit Sicherheit noch in unterirdischen Verstecken. Diesen Nachweis zu führen, ist mein Ziel.

Was hat Ihnen den Anstoß geliefert, sich mit einer so komplizierten Materie wie der Aufklärung von Kunstraub zu befassen?

Anstoß gab die Forschungsarbeit von Georg Stein, der bei Hamburg wohnte und 1987 unter mysteriösen Umständen verstorben ist. Kurz vor seinem Tod hatte er herausgefunden, dass auf Burg Lauenstein in den letzten beiden Kriegsjahren Kunsträuber anwesend waren und dass von dort auch ein Funkspruch ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin abgesetzt wurde, bei dem es um die erfolgreiche Verbergung von Kunstschätzen in der Gegend ging. Auch Paul Enke, Kunstraub-Ermittler der Stasi, mit dem sich Georg Stein ausgetauscht hatte, verstarb 1987 - vor einem geplanten Treffen mit Stein, bei welchem dieser seinem ostdeutschen Kollegen die neuesten Erkenntnisse zu Lauenstein präsentieren wollte.

Wie schwer fällt es, an Informationen zu gelangen und diesen auch nachzugehen?

Man findet Informationen, indem man untertägige Anlagen des Altbergbaus systematisch untersucht und auch die familiären Verhältnisse der Grundstücksbesitzer durchleuchtet. Es ist sehr schwer, an Informationen zu gelangen. Allgemeine Erkenntnisse zu Bergwerken erhält man zwar in den Staatsarchiven Rudolstadt, Weimar oder Meiningen, aber an Aussagen von Zeitzeugen oder Ermittlungsakten der Kripo zu kommen, war schwer. Auch die Besitzer von Grundstücken mit "Verdachtshinweisen" sind wegen des reichlich übertriebenen Datenschutzes oft nicht leicht zu ermitteln.

Welche Erkenntnisse haben Sie im Zuge Ihrer Forschungen gewonnen?

Wir haben die Erkenntnis gewonnen, dass es im Landkreis Saalfeld mehrere Bergwerke gibt, in denen sich noch heute Verstecke aus der Kriegszeit befinden. Dies kann ich anhand von Unterlagen sowie anhand von Untersuchungen unter Tage beweisen. Leider verweigern die Grundstücksbesitzer sämtliche Bergungsarbeiten - vielleicht aus gutem Grund.

Sie gehören auch dem Verein K.A.K.T.U.S. (Kunstraub-Aufklärungs-Komitee-Thüringen-Und-Sachsen) an. Welche Rolle nimmt er ein?

Dem Verein gehören Anwälte, Techniker, Ingenieure und Wissenschaftsjournalisten, aber auch Handwerker an. Sie alle tragen einen Teil zu den Ermittlungen bei. Leider unterstützt der Staat weder Vereine noch Privatpersonen, die sich mit der Suche nach verschollenem Kulturgut befassen. Wahrscheinlich aus Angst, dass bei der Bergung Umstände bekannt werden, die auch heute noch unangenehm wären.

Stoßen Sie bei ihren Recherchen auf viele Zweifler?

Zweifler wird es immer geben. Ich lege meine gewonnenen Indizienbeweise gerne jedem vor, der sich ernsthaft dafür interessiert. Erst dann sollten sich Außenstehende erlauben, über meine Publikationen zu urteilen. Vor allem Bergbau-Angehörige haben stets behauptet, es sei nach dem Krieg alles durchsucht worden und man habe die Bergwerke nicht als Versteck genutzt. Im Archiv der BASF in Ludwigshafen fanden wir den schriftlichen Beweis in Vernehmungsprotokollen aus den Nachkriegsjahren, dass die alten Bergwerke sogar in großem Umfang als Versteck dienten, und zwar nicht nur für wichtige Akten, sondern auch für Kulturgut. Unsere Erkenntnisse sind sehr fundiert!

Nun befassen Sie sich auch mit dem Landkreis Kronach. Worum geht es in Ihrem neuen Buch "Burg Lauenstein im Zweiten Weltkrieg"?

Es geht um die Geschehnisse auf der Burg von Dezember 1943 bis Kriegsende. 1944 zog eine Dienststelle des Deutschen Geheimdienstes aus Köln dort ein, aber auch der Technische Forschungsdienst der Abwehr, welcher Geheimtinten und andere nützliche Dinge dort entwickelt hat. Man war sogar dabei, US-Dollarnoten zu fälschen, wobei Weißrussen des Generals Wlassow - geschulte Grafiker - behilflich waren. Selbst Admiral Wilhelm Canaris war auf Burg Lauenstein in Ehrenhaft. Die Leute des Amtes Ausland/Abwehr trafen sich dort regelmäßig mit Angehörigen der IG Farben sowie mit Bankiers und anderen wichtigen Persönlichkeiten. Bei den Gesprächen am langen Biertisch ging es unter anderem auch darum, Wertsachen für die Zeit nach dem Krieg sicher zu verstecken.

Wie lange hat die Arbeit mitsamt der Recherche gedauert?

Etwa ein Jahr.

Wie passen eigentlich Auswanderungstipps für Costa Rica in die Reihe ihrer Geschichtswerke?

Ich habe zehn Jahre meines Lebens in Costa Rica verbracht und wollte auch anderen zeigen, wie schön und lebenswert dieses tropische Paradies ist und dass es auf relativ einfache Weise jedem die Möglichkeit bietet, dort dauerhaft zu leben.

Welches Themenfeld haben Sie sich für Ihre weitere Arbeit als nächstes vorgenommen?

Das nächste Buch trägt den Titel "Das Bernsteinzimmer ist im Thüringischen". Es ist ein sehr provokativer Titel, der die Spuren aufzeigen wird, die zu dessen Versteck im Landkreis Saalfeld führen. Ob das Bernsteinzimmer, so wie vom Waffenhändler Medard Klapper aus Karlsruhe gegenüber der DDR-Regierung behauptet, tatsächlich im Bergwerk aufgebaut wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Doch selbst dafür gibt es Indizien. Vor dem Stollen des Bergwerkes fanden wir Eimer mit Gips, die unter Steinen versteckt waren. Aus der Literatur ist bekannt, dass beim Bernsteinzimmer nach einem Transport immer ein paar Mosaiksteinchen aus den Paneelen gefallen waren und fehlten. Die Lücken wurden mit Gips aufgefüllt und im passenden braunen Farbton gestrichen. Wir wissen zwar nicht, ob das Kunstwerk auch heute noch in dem Versteck ruht, das kann nur eine Öffnung zweifelsfrei zeigen. Doch dass es im Frühjahr 1945 dort versteckt wurde, ist aufgrund der bestens recherchierten, ellenlangen Indizienkette, mehr als wahrscheinlich. Auch die größten Zweifler werden sicher nachdenklich, wenn Sie das Buch gelesen haben. Besonders interessant ist die Verwicklung von Personen wie Konrad Adenauer und Hermann Josef Abs in diese Geschichte. Spuren führen nach Aachen, aber mehr wird nicht verraten ...

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