Kronach
Wetter

Kronacher Golfplatz gleicht eher eine Wüstensteppe

Bauern klagen schon seit Wochen über fehlenden Regen: Doch nicht nur die Ernte leidet unter der derzeit herrschenden Dürre. Betroffen sind auch Friedhöfe, Grünanlagen - und ein Golfplatz, der eher einer Steppe ähnelt.
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An den Bäumen hängen neben grünen längst auch wieder gelb-bräunliche Blätter - im Herbst kein seltenes Bild. Allerdings ist es für die dritte der vier Jahreszeiten derzeit noch viel zu früh. Erst für den 23. September ist der kalendarische Herbstanfang angekündigt. Für vertrocknete Maisfelder, verdorrtes, braunes Gras, ist vielmehr die Sonne verantwortlich, die es schon seit Wochen viel zu gut mit der Natur meint und Regentropfen gerade einmal Stippvisiten gewährt.

Für manche Freibadbesucher oder Urlauber, die Balkonien der Südseeinsel vorziehen, dürften die hohen Temperaturen nicht wirklich ein Grund zur Klage sein. Der Golfclub Kronach (GCK) hätte hingegen wohl wie die Landwirte nichts dagegen, wenn die kommenden Tage von Regenwolken dominiert werden würden. "Die Spielflächen sehen jetzt eher aus wie Wüstensteppen", sagt Monika Höfner angesichts der mehr gelben als grünen Stellen auf dem Golfplatz im Küpser Ortsteil Nagel.

Komplett ausgetrocknet

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Im dortigen Vereinsheim ist sie für die Bewirtung der Gäste verantwortlich und erlebte mit, wie der Rasen trotz Bewässerung nicht mehr mit der Hitze zurechtkam. "Alles ist trocken und es sind kaum mehr grüne Flächen zu sehen", leidet auch GCK-Präsident Pauli Meusel mit der Spielfläche. Lediglich leidenschaftliche Golfer ließen sich von dem braunen Untergrund nicht abhalten, ein paar Löcher zu spielen: "Da macht das Spielen dann aber einfach nicht so viel Spaß."

Flüsse und Wälder im Kreis Kronach leiden unter Trockenheit

Bewässert werde nur das Notwendigste wie die Grüns und Abschläge, erklärt der Präsident. Die "Fairways", wie die Spielbahnen genannt werden, sind hingegen komplett ausgetrocknet.

Tägliche Besuche

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Ein Schicksal, das auch den Pflanzen auf vielen Gräbern drohen würde - wäre nicht Birgit Lunk unterwegs. Die Grabpflegerin aus Wallenfels hat bei diesen Temperaturen ordentlich zu tun. "Normal gieße ich so alle zwei Tage", erzählt sie. Die heißen Temperaturen sorgen allerdings dafür, dass sie jedes Grab, das sie betreut, mit ihrer grünen Gießkanne täglich einen Besuch abstattet.

Auf größeren Gräbern müsse sie zwei bis drei Gießkannenfüllungen verteilen, auf kleineren zwischen einer und eineinhalb. "Auf unserem Friedhof sind es schon extreme Bedingungen", weiß auch der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn. Schließlich handele es sich um einen sogenannten Terrassenfriedhof, der sich stufenweise den Südhang hinauf zieht.

Die Pflanzen ausreichend zu bewässern, wird da gleich noch wichtiger. Entscheidend für das Gießen sei aber auch die Bepflanzung, erzählt Lunk. Robustere Pflanzen wie Bodendecker oder Efeu kämen zum Beispiel mit deutlich weniger Wasser aus. Jedenfalls normalerweise. "Denn dieses Jahr brauchen auch die alle dringend Wasser", sagt die Grabpflegerin, die für das Gießen noch einen besonderen Tipp hat: "Tagsüber sollte man gar nicht gießen, wenn dann frühmorgens oder spätabends."

"Wirklich extrem"

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Weisheiten, die sicher auch den Mitarbeitern des Kronacher Bauhofs nicht unbekannt sind. "Wir müssen unsere Grünanlagen natürlich auch bewässern und die Blumenkübel oder -kästen sind sowieso Pflicht", erklärt Jochen Löffler, stellvertretender Werkleiter der Stadtwerke Kronach. Kein Wunder, dass seine Angestellten vor allem damit beschäftigt sind, die Pflanzen vor dem Austrocknen zu schützen. "Dieses Jahr ist es wirklich extrem", bestätigt Marco Deuerling, der für den Bauhof verantwortlich ist.

Während "normalen" Sommern müssten die Pflanzen in der Kreisstadt nur zweimal in der Woche gegossen werden, jetzt hingegen jeden Tag sogar mit zwei Trupps. Besonders die Bäume und Neupflanzungen leiden laut Deuerling unter der Hitze: "Wir haben wirklich viel Arbeit, damit alle Pflanzen mit Wasser versorgt sind."

Bis es wieder richtig regnet und sich die Natur erholen kann, wird auf dem Friedhof und auf den Grünanlagen in der Stadt noch viel bewässert werden müssen - und der Platz des Golfclubs Kronach wird noch einige Zeit eher einer Wüstensteppe ähneln.



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