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Kronach
Gericht

Kronacher Gericht findet keinen Beweis für angebliche Sexfotos

Gegen eine Geldauflage wurde eine Verhandlung am Kronacher Gericht eingestellt. Das Versenden von Sexfotos konnte dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden.
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Das Kronacher Gericht. Foto: Archiv/Marco Meißner
Das Kronacher Gericht. Foto: Archiv/Marco Meißner

Exhibitionisten lauerten einst ihren Opfern unter anderem in dunklen Ecken auf und stellten dort ihre nackten Genitalien zur Schau. Nun nutzen einige der Gliedvorzeiger das bequemere Internet und versenden die Fotos von ihren nackten Geschlechtsteilen an von ihnen ausgewählte Betrachter.

Verfahren eingestellt

Eine 13-jährige Schülerin aus dem Landkreis Kronach soll bis Juni vergangenen Jahres 20 Aufnahmen von dem erigierten Penis eines 20-Jährigen, ebenfalls aus dem Landkreis, erhalten haben. Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern musste sich der junge Mann am Freitag vor dem Kronacher Jugendrichter Jürgen Fehn verantworten. Das Verfahren gegen den 20-Jährigen wurde nach der Beweisaufnahme jedoch eingestellt. 100 Euro muss dieser dennoch an die Gefangenenseelsorge überweisen. Die Schülerin hatte sich als Hauptbelastungszeugin während der Verhandlung in Widersprüche zu ihren einstigen Angaben bei der Polizei verstrickt.

Die Schülerin und ihre Mutter hatten damals, nach dem Erhalt der pornografischen Fotos, Anzeige gegen den 20-Jährigen erstattet. Der machte zu Prozessbeginn am Freitag keine Angaben zu den Vorwürfen des Staatsanwaltes. Was sie einst mit dem jungen Angeklagten verband berichtete die heute 14-Jährige als Zeugin. So habe sie mit dem 20-Jährigen früher hin und wieder übers Handy gechattet. Dieser habe ihr dann zuerst Bilder von sich geschickt. Die Zeugin: "Halt Nackt-Bilder von sich unten rum." Es seien immer die gleichen Bilder vom Bauchnabel aus bis hin zum erigierten Glied gewesen. Sie gab zu, dass sie ihm auch ein Foto von sich nur mit Büstenhalter bekleidet geschickt habe.

Angebliche Drohung

Trotz der Nacktbilder sei sie mit dem Angeklagten in Kontakt geblieben, auch habe sie ihm nicht mitgeteilt, dass sie keine derartigen Fotos mehr haben möchte. "Ich fand ihn nett und hübsch", begründete sie. Später sei es zu einem Streit gekommen. Der Angeklagte habe gedroht, ihre BH-Bilder ins Netz zu stellen. Benutzt habe der Angeklagte zum Versenden seiner Pornos einen Dienst, bei dem es möglich sei, dass Bilder nach dem Verschicken sofort auf dem Handy des Empfängers gelöscht werden. So habe sie später keines dieser Fotos als Tatbeweis bei der Polizei vorlegen können.

Lediglich einmal habe sie ein noch archiviertes Foto von ihm erhalten; dieses zeigte jedoch nur den Angeklagten und seine Freundin mit Unterwäsche bekleidet. "Das war das einzige, das ich noch hatte", bestätigte die 14-Jährige. Im Gerichtssaal erzählte sie im Gegensatz zu ihren einstigen Angaben bei der Polizei, dass sie keine 20, sondern lediglich sieben bis acht dieser Bilder vom Angeklagten erhalten habe. Auf Nachfrage des Richters beteuerte die junge Zeugin: "Ich habe nicht bereut, dass ich ihn angezeigt habe."

Ein Polizeibeamter bestätigte, dass nach der Beschlagnahmung des Handys des Angeklagten von diesem Bilder mit erigierten Glied gespeichert waren. Es konnte jedoch nicht nachgewiesen werden, dass der Angeklagte diese Aufnahmen auch an die 13-Jährige verschickt hat. Nach einem Beratungsgespräch unter den Prozessbeteiligten wurde das Verfahren gegen die genannte Zahlung von 100 Euro eingestellt.