Kronach
Porträt

Kronacher Freischießen aus neuer Perspektive

Jörg Schnitzler steht seit Mai an der Spitze der Schützengesellschaft und ist Dreh- und Angelpunkt, wenn es um das Freischießen geht.
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Jörg Schnitzler ist seit 47 Jahren bei den Schützen. Das Freischießen erlebt er erstmals als Schützenmeister. Veronika Schadeck
Jörg Schnitzler ist seit 47 Jahren bei den Schützen. Das Freischießen erlebt er erstmals als Schützenmeister. Veronika Schadeck

Seit 47 Jahren ist Jörg Schnitzler Mitglied der Schützengesellschaft Kronach, bis Mai 2019 war er im Verwaltungsausschuss und Kassenprüfer. Doch in diesem Jahr feiert er Premiere. Denn seit Mai 2019 ist er der Erste Schützenmeister und steht somit an der Spitze der Gesellschaft. Bei ihm laufen in diesem Jahr alle Fäden zusammen, wenn es um die Organisation des Freischießens geht.

Es ist Freitagnachmittag. Die Bierbänke sind noch zugeklappt. Nach und nach kommen die Schausteller mit ihren Geschäften auf die Hofwiese. Von der Imbissstube bis zum Riesenrad ist alles dabei. Jörg Schnitzler beobachtet das Geschehen, er ist in Kontakt mit seiner Vorstandschaft, mit den Brauereien und teilweise mit den Rettungskräften etc.

"Das Schützenfest erlebe ich in diesem Jahr in einer ganz anderen Art", stellt er fest. Er spricht von vielen Anrufen, Mails und Gesprächen. Weiterhin erhält er viele Briefe, die er entsprechend den Anliegen an seine Vorstandschaft verteilt. "Manchmal kommen auch Anrufe wegen Biermarken!"

Seit seinem 13. Lebensjahr ist der Kronacher, der nun in Weißenbrunn wohnt, bei den Schützen mit dabei. In seinen jungen Jahren betrieb er aktiv Schießsport. Er war auf Gau-, bayerischen sowie deutschen Meisterschaften und Mitglied in der deutschen Nationalmannschaft. Noch heute schwärmt er von der Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Caracas im Jahre 1982, bei der er zusammen mit weiteren Kronacher Schützen mit Erfolg teilnahm. "Es war damals eine schöne Zeit!", erinnert er sich.

In diesem Zusammenhang spricht er von einer guten Jugendarbeit, vom Zusammenhalt, hervorragenden Trainingsmöglichkeiten und guten Trainern. "Der Verein hat und versucht noch immer, seine Nachwuchsschützen nach Möglichkeiten vollumfänglich zu unterstützen."

All diese Erinnerungen waren für Jörg Schnitzler ein Grund, den Job des ersten Schützenmeisters zu übernehmen. Im Herbst 2018 sei man an ihn mit der Frage herangetreten, ob er sich als Nachfolger für Frank Jungkunz zur Verfügung stellen würde, erklärt er.

Er habe um Bedenkzeit gebeten und Gespräche mit seinem Vorgänger und der Vorstandschaft um Charly Wittig geführt. Letztendlich trug auch zur Entscheidungsfindung die Tatsache bei, dass alle ihm versichert haben, weiterzumachen und ihn zu unterstützen. "Ich brauche deren langjährigen Erfahrungsschatz und die aktive Mitarbeit, um den Verein zu führen und weiter zu entwickeln!", so Schnitzler. Und er spricht von einem guten, harmonischen Miteinander mit seinen Vorstandskollegen wie beispielsweise mit seinem Stellvertreter Matthias Kümmet, dem Schatzmeister Matthias Steller, dem Platzmeister Karl-Peter Wittig und der Schriftführerin Thea Xynos.

Ein Stück Lebensqualität

Bei der Frage, warum er diesen verantwortungsvollen Posten angenommen habe, überlegt der 60-Jährige einen kurzen Moment. Dann spricht er von Tradition, von Brauchtum und davon, dass man den jungen Leuten und der Bevölkerung in Kronach und im gesamten Landkreis etwas bieten möchte. Für ihn ist das Freischießen auch so etwas wie ein Stück Lebensqualität in der Region. Stolz ist Schnitzler über seine jungen Nachwuchsschützen, die auf nationaler und internationaler Ebene die Schützengesellschaft und somit auch die Kreisstadt nach außen repräsentieren.

Erleichtert ist er zudem, dass die im Jahre 2016 eingereichte Klage wegen Lärmbelästigung nun kurz davor steht, zurückgezogen zu werden. "Es wäre das erste Mal nach sechs Jahren, dass kein Damoklesschwert über dem Freischießen schwebt!" Er habe er zusammen mit dem Platzwart Karl-Heinz Wittig in den vergangenen Wochen Gespräche mit dem Anlieger geführt. "Das war gut so!"

Bei den Öffnungszeiten des Festbetriebs konnte eine Lösung gefunden werden. So läuft dieser unter der Woche bis 24 Uhr, wobei der Ausschank um 23.45 Uhr und die Essensausgabe um 0.15 Uhr endet. An den vier langen Nächten, jeweils am Freitag und Samstag, verlängert sich dies jeweils um eine Stunde.

Jörg Schnitzler ist froh über die bevorstehende Einigung. Wenn der Festbetrieb eher eingestellt hätte werden müssen, wäre dies nicht nur für die Schützengesellschaft mit Einbußen verbunden gewesen, sondern auch für die Brauereien und Schausteller. Es wäre schwieriger geworden, Fahrgeschäfte für die Hofwiese zu gewinnen.

Weiter weist Jörg Schnitzler auf das veränderte Verhalten der Jugendlichen hin, die - im Gegensatz zu seinen jungen Jahren - nicht um 19 Uhr, sondern oftmals erst gegen 22 Uhr ausgehen würden.

Bei der Frage, ob er denn schon seine Reden, die er vor dem Festauszug und bei der Proklamation traditionsgemäß halten muss, zu Papier gebracht hat, schüttelt der Unternehmer den Kopf. "Das passiert sehr kurzfristig".

Appell an die Besucher

Vielmehr kreisen seine Gedanken um den Ablauf des Freischießens. Jörg Schnitzler hofft auf ein friedliches und fröhliches Volksfest und , dass es zu keinen Eskalationen und Ausschreitungen kommen wird. Er baut auf gegenseitige Toleranz dahingehend, dass die Nachbarn Verständnis dafür aufbringen, dass trotz aller Bemühungen so ein Fest mit gewissem Lärm verbunden ist.

Und er appelliert an die Besucher, sich entsprechend zu verhalten und das Eigentum der Nachbarn zu achten und respektieren, sich an die ausgeschilderten Parkplätze zu halten und den Anweisungen des Sicherheitspersonals zu folgen.

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