Kronach
Schließung

Kronacher Bürgerspital bald kein Seniorenheim mehr

Das Bürgerspital soll ab dem Frühjahr kommenden Jahres nicht mehr als Senioren- und Pflegeheim betrieben werden. Über Bewohner und Mitarbeiter hat man sich Gedanken gemacht. Ebenso über eine Nachnutzung des Gebäudes.
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Im Frühjahr kommenden Jahres wird im Spital kein Pflegeheim mehr sein. Die Tore stünden dann für eine neue Wohnform, wie zum Beispiel "In der Heimat wohnen", offen. Fotos: Corinna Igler
Im Frühjahr kommenden Jahres wird im Spital kein Pflegeheim mehr sein. Die Tore stünden dann für eine neue Wohnform, wie zum Beispiel "In der Heimat wohnen", offen. Fotos: Corinna Igler
Im Garten schneidet am Mittwochvormittag ein Mann die Hecken. So einfach sind andere Mängel im Bürgerspital nicht zu beheben. Leider - sind sich Cornelia Thron, Geschäftsführerin des Caritas-Kreisverbandes, welcher Träger des Seniorenheimes ist, und Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (Freie Wähler) einig.

Denn die baulichen Gegebenheiten des Bürgerspitals entsprechen nicht den Anforderungen des neuen Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes (PflegeWoqG). Ohne "erhebliche bauliche Veränderungen, die bis spätestens Mitte 2016 vorzunehmen sind", wie es in einem Schreiben der Stadtverwaltung heißt, "ist der Betrieb eines Alten- und Pflegeheims nach Ablauf der Frist im Juni 2016 in der derzeitigen Form nicht mehr zulässig".

Ein Umbau sei aus mehreren Gründen aber "überhaupt nicht" möglich. Die Spitalstiftung scheue nicht etwa, Geld in die Hand zu nehmen, bei den Auflagen des PflegeWoq-Gesetzes "müsste man aber ein komplett neues Haus bauen", sagt Hauptamtsleiter Stefan Wicklein am Mittwoch in einem gemeinsamen Pressegspräch mit Cornelia Thron und dem Bürgermeister im Kronacher Rathaus. Hinzu komme, dass bei einem Umbau die Anzahl der ohnehin nicht hohen Pflegeplätze - bisher gab es 36 - deutlich reduziert würde, der Betrieb dann erst recht nicht mehr wirtschaftlich wäre. Schließlich müssten nach dem neuen Gesetz unter anderem bestimmte Zimmergrößen eingehalten werden. Zudem würden auch denkmalpflegerische Auflagen einen entsprechenden Umbau erschweren, wenn nicht sogar verhindern.

"Nach 2016 kann dort also kein Alten- und Pflegeheim mehr betrieben werden", stellt Cornelia Thron fest. Und auch Bürgermeister Beiergrößlein weiß, dass es "keinen anderen Ausweg" als die Schließung gibt.

Zu den Änderungen des Pflegewoq-Gesetzes kommen Anforderungen in Sachen Brandschutz. Am 11. Juni hat dazu eine Besichtigung im Bürgerspital stattgefunden. Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass für Teile des ersten Obergeschosses ein zweiter Fluchtweg erforderlich ist. Deshalb mussten bereits sieben Bewohner aus diesem Gebäudeteil ausziehen und im Seniorenheim der Caritas in Wallenfels untergebracht werden.

Damit diese sieben Zimmer wieder belegt werden können, müsste unter anderem am Spitalgebäude eine Rettungstreppe angebaut werden. Damit wären zwar die Brandschutzauflagen erfüllt, die Auflagen des Pflegewoq-Gesetzes aber noch lange nicht. Deshalb hat man nun auch beschlossen, die Treppe nicht zu bauen. "Wenn wir den Umbau entsprechend dem Pflegewoq-Gesetz nicht gebacken kriegen, nutzt es auch nichts, die Brandschutzmaßnahmen umzusetzen", so Stefan Wicklein.

Vielmehr soll der Vertrag zwischen Caritas und Spitalstiftung, der eigentlich erst Ende 2015 ausläuft, vorzeitig aufgelöst werden. Hintergrund ist der, dass sich vorher eine Möglichkeit biete, die Heimbewohner anderweitig unterzukriegen.

So gebe es eine verbindliche Zusage des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), wie Thron erklärt, wonach im neu gebauten Seniorenheim in Rothenkirchen 20 Bewohner des Bürgerspitals als gemeinsame Wohngruppe aufgenommen würden. Ebenfalls bestehe die Bereitschaft seitens des ASB, einige Mitarbeiter des Bürgerspitals einzustellen und in der Wohngruppe der ehemaligen Spitalbewohner einzusetzen.

Den Umzug vom alten Standort in den Neubau plant der ASB allerdings bereits im Frühjahr 2014. "Das Zeitfenster für diese Option ist also begrenzt, da natürlich vermehrt Anfragen bezüglich neuer Heimplätze beim ASB eintreffen. 2016 hätten wir diese Möglichkeit also sicher nicht mehr."

Bis zum Auszug der sieben Bewohner lebten im Spital 36 Menschen. Da die sieben im Caritas-Pflegeheim in Wallenfels untergebracht wurden, handelte es sich aktuell noch um 29 Bewohner. Zwei weitere sind in der Zwischenzeit verstorben, also gilt es, noch 27 Bewohner unterzukriegen. Es sei zu erwarten, dass zwei weitere Schwerstkranke bis zum Frühjahr 2014 versterben, sagt Cornelia Thron. 20 können, wie gesagt, in Rothenkirchen untergebracht werden. Blieben also noch fünf. Doch "es gibt seitens der Caritas die Möglichkeit, zwei bis drei frei werdende Plätze im Altenheim Wallenfels wiederum für Spitalbewohner zu reservieren", erklärt Thron. Außerdem wolle man auch auf andere Wohlfahrtsverbände im Kreis zugehen, ob und wenn ja, wie viele Plätze diese zur Verfügung stellen könnten.

Ähnlich sehe es für die Mitarbeiter aus: 20,5 Stellen bestehen laut Cornelia Thron derzeit im Spitalheim, an Personen seien das etwa 38. Einem Drittel könne man innerhalb des Caritas-Kreisverbandes Stellen anbieten, sagt die Kreisgeschäftsführerin. Ein weiteres Drittel könne künftig im neuen ASB-Seniorenwohnheim arbeiten. Und für das dritte Drittel wolle sie Gespräche mit den anderen Wohlfahrtsverbänden im Kreis Kronach sowie mit den Caritasverbänden in den angrenzenden Landkreisen führen. "Ich glaube, wir können viele Angebote machen, ob sie angenommen werden, ist natürlich wieder etwas Anderes", weiß die Caritas-Kreisgeschäftsführerin.

Ohne eine vorzeitige Vertragsauflösung, lediglich bei einer fristgerechten Kündigung durch die Caritas, wäre die Spitalstiftung ab 2016 für den Betrieb des Alten- und Pflegeheimes zuständig gewesen, hätte das Personal übernehmen, die Bewohner kurzfristig anderweitig unterkriegen müssen, was - da sind sich alle Beteiligten einig - wohl nicht geklappt hätte. Deshalb ist Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein auch dankbar, dass die Caritas "diesen Schritt gemeinsam und mit Weitsicht nach vorne gegangen ist". Immerhin handle es sich um "eine hochsensible Angelegenheit". Beide, sowohl Beiergrößlein als auch Cornelia Thron sind überzeugt, das Beste aus der Situation gemacht zu haben.

In der Heimat wohnen

Doch was wird nun aus dem Spital? Wenn es nach Cornelia Thron, dem Caritasverband und wohl auch Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein geht, wird dies künftig für das Projekt "In der Heimat wohnen" genutzt. Dieses Wohnmodell wird seit 2005 vom Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg gemeinsam mit der Joseph-Stiftung an zahlreichen Standorten - darunter auch in Teuschnitz - umgesetzt. Ziel dieses Wohnmodells ist es, den Bewohnern ein lebenslanges, selbstbestimmtes Leben in der Heimat zu ermöglichen. Zehn bis zwölf barrierefreie Wohnungen könnten dort also entstehen, ebenso wie zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften für jeweils etwa zehn Demenzkranke. Daneben gäbe es einen Gemeinschaftsbereich, der als Treffpunkt dienen könnte - und zwar nicht nur für die Bewohner, sondern für sämtliche Bürger im Stadtgebiet.
Für dieses Wohnmodell wäre das Spital nicht zuletzt durch seine Lage im Stadtzentrum sehr gut geeignet, findet Cornelia Thron.

Der erforderliche Umbau beziehungsweise die Sanierung könnte durch Fördergelder ermöglicht werden. Außerdem entspräche eine solche Nutzung dem Stiftungszweck der Altenbetreuung der Spitalstiftung, wie Stefan Wicklein erklärt.

Mitarbeiter und Angehörige wurde informiert

Der Stadtrat werde über die künftige Nutzung noch entscheiden, auch andere Wohlfahrtsverbände sollen nach Ideen für eine Nutzung des Spitals gefragt werden, wie Bürgermeister Beiergrößlein berichtet. Allerdings macht er keinen Hehl daraus, dass er das Konzept der Caritas für etwas "ganz Besonderes" hält und geneigt ist, das Projekt "ganz besonders zu prüfen". Zudem ist die Caritas auch finanziell für eine Machbarkeitsstudie in Vorleistung gegangen. "Uns liegt das Spital natürlich sehr am Herzen", erklärt Cornelia Thron, dass sie "In der Heimat wohnen" dort gerne umsetzen würde. Am Mittwochnachmittag hat sie ihre Mitarbeiter informiert, am Abend die Angehörigen der Bewohner.
















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