Kronach
Entwicklung

Kronacher Bewährungshelfer hat gut lachen

In der Amtsgerichtsstraße 18 in Kronach ist offiziell die neue Bewährungshelferdienststelle eingeweiht worden.
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Sie freuen sich über die Bewährungshelferdienststelle (von links): Leitender Oberstaatsanwalt Bernhard Lieb, Amtsgerichtsdirektor Jürgen Fehn, Landgerichtspräsident Anton Lohneis, Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein und Bewährungshelfer Hans-Peter Jakob.
Sie freuen sich über die Bewährungshelferdienststelle (von links): Leitender Oberstaatsanwalt Bernhard Lieb, Amtsgerichtsdirektor Jürgen Fehn, Landgerichtspräsident Anton Lohneis, Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein und Bewährungshelfer Hans-Peter Jakob.
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Bewährungshelfer betreuen Straftäter. Als Ort hierfür dient die Bewährungshelferdienststelle. Am Mittwochvormittag wurden nun die Räume offiziell eingeweiht.

Bereits seit Juli sitzt Hans-Peter Jakob in seinem neuen Büro in der Amtsgerichtsstraße 18, schräg gegenüber dem Amtsgericht. Als Bewährungshelfer hat er keinen leichten Job. Seine "Klienten" wurden wegen Körperverletzung, Drogendelikten, Diebstahls etc. verurteilt. Mit Hilfe Jakobs wollen sie den Weg in ein normales Leben ohne Straftaten zurückfinden. "Mit meiner Hilfe soll die Resozialisierung gelingen", erklärt demnach Jakob.

In den neuen Büroräumen hat Hans-Peter Jakob die Möglichkeit, diskrete Gespräche zu führen. Er bespricht mit seinen Gesprächspartnern deren Straftaten und berät bei Arbeits- und Wohnungsfragen. Dadurch kann er sich ein abschließendes Bild machen: "Es geht darum, ein Vertrauensverhältnis zu schaffen."

Der Grad der Hilfestellungen variiert von Fall zu Fall. Das Urteil beziehungsweise die Jahre hinter Gittern haben bei vielen Straftätern Spuren hinterlassen. Sie sind mit der Bewältigung des Alltags, mit dem Beantragen von Sozialleistungen überfordert. Hier setzt die Hilfestellung von Hans-Peter Jakob an. Zudem muss er kontrollieren, ob die gerichtlich auferlegten Vorgaben eingehalten werden.

Derzeit betreut Hans-Peter Jakob 80 Menschen aus dem Landkreis. Sein Kollege Michael Wolf, der auch im Landkreis Lichtenfels als Bewährungshelfer tätig ist, hat rund 40 Personen im Kronacher Raum in seiner Obhut. Die Bewährungszeit liegt in der Regel zwischen drei und fünf Jahren. Die Erfolgsquote für eine gelungene Resozialisierung beträgt rund 75 Prozent. Ein Viertel wird allerdings wieder straffällig.

Am Anfang zu viel gewollt

Seit den 80er Jahren arbeitet Hans-Peter Jakob als Bewährungshelfer. Zieht er ein Resümee, so meint er, dass die Zahl der zu betreuenden Personen höher geworden ist. In seinen Anfangsjahren seien es "nur" rund 50 Straftäter gewesen, die er betreut habe. Mit der Zahl der Straftaten ist auch die Zahl der zu betreuenden Personen gestiegen. Dennoch sei es noch nie so einfach gewesen, ehemalige Straftäter zurück in ein Arbeitsverhältnis zu bringen.

Jakobs Job ist mitunter anstrengend. Im Laufe der Jahre habe er gelernt, sich über kleine Erfolge zu freuen. "Am Anfang habe ich zu viel gewollt. Mittlerweile habe ich erkannt, dass man innerhalb eines Jahres aus einem Straftäter keinen Engel machen kann."

Bei der Einweihung erklärte der Behördenleiter des Landgerichts Coburg, Anton Lohneis, dass sich Bewährungshelfer regelmäßig weiterbilden. Jeder Landkreis, in dem ein Amtsgericht angesiedelt sei, habe eine Bewährungshelferdienststelle, weil nicht zuletzt jeder Straftäter einen Anspruch auf einen Bewährungshelfer habe. Dieser sollte vor Ort sein und entsprechende Räumlichkeiten vorfinden.

Lohneis lobte die gute Zusammenarbeit zwischen Landgericht, Amtsgericht Kronach mit Leiter Jürgen Fehn und der Polizei. Sein Dank galt zudem der Stadt Kronach mit Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein dahingehend, dass die Bewährungshelfer ihre alten Räume am Marktplatz trotz der Kündigung bis zum Umzug weiterhin nutzen konnten.

Und so sprach auch Beiergrößlein von einem guten Miteinander mit der Justiz. In der neuen Bewährungshelferdienststelle sah er eine Aufwertung der Oberen Stadt. Und mit Hinweis auf das Schild am Eingang meinte er scherzhaft: "Es ist toll, dass wir nun in Kronach auch ein Landgericht haben." Lohneis reagierte schnell und nicht minder humorvoll: "Ich muss mir überlegen, ob ich nicht meinen Amtssitz nach Kronach verlege."

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