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Kronach
Leichtsinn

Coronavirus: Kronacher betteln um die Ausgangssperre

Tag für Tag spitzt sich die Corona-Krise weiter zu. Die Bayerische Staatsregierung appelliert an die Bürger, persönliche Kontakte auf ein Minimum zu beschränken. Das alles scheint für einige Kronacher mit den ersten Frühlingstagen jedoch vergessen: Bei unserem Streifzug durch die Stadt ist von Krise keine Spur.
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Mit dem schönen Frühlingswetter schmilzt bei vielen Kronachern offenbar auch die Angst vor dem Corona-Virus dahin, wie ein Streifzug durch die Stadt dokumentiert. Foto: Sandra Hackenberg
Mit dem schönen Frühlingswetter schmilzt bei vielen Kronachern offenbar auch die Angst vor dem Corona-Virus dahin, wie ein Streifzug durch die Stadt dokumentiert. Foto: Sandra Hackenberg
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Die Schlange am Straßenverkauf der Eisdiele wird immer länger. Wer bereits seine Kugeln Schoko oder Vanille ergattert hat, macht es sich mit seiner Leckerei auf einer Bank am Marienplatz in der Sonne gemütlich. Kinder toben herum, eine Gruppe Rentner hält ein paar Meter weiter ein launiges Schwätzchen über das Wetter. Jugendliche treffen sich, begrüßen sich mit Umarmungen.

Diese Szenen, die sich am Donnerstag so in Kronachs Innenstadt und auf dem LGS-Gelände abgespielt haben, wirken wie ein ganz gewöhnlicher Frühlingstag in der Stadt. Doch auch, wenn die hier beschriebenen Menschen den Anschein erwecken: Normal ist in diesen Tagen gar nichts.

Coronavirus in Kronach: Bedenkenlos im Katastrophenfall

Ganz Deutschland befindet sich im Krisen-Modus. Bayern hat wegen dem Corona-Virus den Katastrophenfall ausgerufen und die Bürger dazu aufgefordert, Kontakte zu anderen Menschen bis auf das absolute Minimum zu reduzieren. Wer kann, soll am besten ganz zuhause bleiben. In den ersten bayerischen Städten wurden bereits Ausgangssperren verhängt. Das alleine sollte genügen, um jedem Einzelnen den Ernst der Lage klarzumachen. Doch die Realität sieht anders aus. Aktueller Stand zum Coronavirus - Jetzt für Newsletter anmelden

"Wenn sich viele Menschen nicht freiwillig beschränken, dann bleibt am Ende nur die bayernweite Ausgangssperre als einziges Instrumentarium, um darauf zu reagieren. Das muss jedem klar sein", droht Ministerpräsident Markus Söder am Donnerstag an.

Das scheint vielen Kronachern jedoch vollkommen egal zu sein. Weil der Spielplatz am LGS-Gelände geschlossen ist, lassen die Eltern ihre Kinder bedenkenlos auf dem Trampolin nebenan spielen. Während sich so mancher Kronacher darüber Gedanken macht, wie er dabei helfen kann, die Ansteckungsgefahr für Senioren so gering wie möglich zu halten und anbietet, für sie Einkäufe zu erledigen, hocken Vertreter der Risikogruppe dicht gedrängt auf einer Bank, lachen und legen sich gegenseitig die Hände auf die Schultern.

Jugendliche lungern im Park herum, unterhalten sich über Play-Station-Spiele, ihre weißen Sneakers und das aktuelle Lied von Ariana Grande. Sie überlegen lautstark, was heute noch so ansteht und ob sie sich mal zum nächsten Supermarkt chillen sollen. Den Unterrichtsausfall verwechseln sie ganz offensichtlich mit den Osterferien.

Keiner der Akteure scheint sich an diesem Geschehen zu stören - und der stille Beobachter verspürt bei diesem Anblick in sich allmählich den Drang, jeden Einzelnen anzusprechen und ihn direkt zu fragen, ob er den Schuss eigentlich schon gehört hat.

"So was ist unverantwortlich." Alexander Czech vom Polizeipräsidium Oberfranken macht seine Sicht der Dinge unmissverständlich deutlich. "Jeder einzelne Bürger ist gefordert, auf seine Mitmenschen Rücksicht zu nehmen und Abstand einzuhalten - doch wir haben festgestellt, dass sich nicht jeder daran hält."

Darum würden die Polizeibeamten vor Ort in diesen Wochen ein besonderes Auge auf Gruppen in der Öffentlichkeit haben. "Wir versuchen, diese Leute zu sensibilisieren, sprechen sie gezielt an und appellieren an ihre Vernunft." Sollten die Betroffenen trotzdem keine Einsicht zeigen, werden laut dem Polizei-Pressesprecher auch Anzeigen geschrieben. "Hier ist wirklich jeder gefordert, Verantwortung für sich und seine Mitmenschen zu übernehmen."

Eltern sind gefordert

Erziehungsberechtigte sollten ihre Kinder darum eindringlich auf den Ernst der Lage hinweisen. "Besonders die jungen Menschen haben eine solche Krisensituation noch nie erlebt. Aber es geht hier um die Gesundheit und das Leben von anderen Menschen."

Überhaupt kein Verständnis hat Czech für sogenannte Corona-Partys - Leute, die sich privat treffen und feiern, weil Bars und Gaststätten geschlossen haben. "Bei solchen Menschen ist absolut kein Verantwortungsbewusstsein festzustellen. Dass sich Menschen in Gruppen treffen, ist ja genau das, was wir durch die Vorsichtsmaßnahmen vermeiden wollen."

Sollten sich die Bürger - trotz aller eindringlichen Warnungen - nicht freiwillig einschränken, sei eine bayernweite Ausgangssperre die logische Konsequenz. "Manchmal müssen die Leute leider erst einmal so eine Erfahrung machen, um zu merken, wie schön sie es eigentlich haben."