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Oberfränkische Metzger schlagen Alarm: Bangen um die regionale Schlachtung

Rückläufige Auftragslage, Investitionsstau und eine überforderte Geschäftsführung. Die örtlichen Metzger schlagen Alarm: Die Lage eines Betriebs in Oberfranken ist kritisch.
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Noch stehen die Tore des Kronacher Schlachthofs offen. Doch wie lange noch, fragen sich die örtlichen Metzger. Foto: Sandra Hackenberg
Noch stehen die Tore des Kronacher Schlachthofs offen. Doch wie lange noch, fragen sich die örtlichen Metzger. Foto: Sandra Hackenberg
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Was ist Kronach sein Schlachthof wert? Diese Frage beantwortet sich in diesen Tagen. Denn wie der Fränkische Tag aus mehreren Quellen erfahren hat, ist die Zukunft des Schlachtbetriebs mehr als ungewiss - mal wieder.

Die Situation ist kritisch, wie aus den Reihen der Kronacher Schlachthof GmbH & Co. Betriebs-KG zu vernehmen ist: "Es herrscht eine komische Stimmung", schildert ein Mitglied, das namentlich nicht genannt werden will, den Ernst der Lage. "Wir möchten die Schlachtung aufrecht erhalten. Doch momentan wissen wir einfach nicht, wie." Von eingebrochenen Schlachtzahlen und einem Investitionsstau ist die Rede. Rund 100.000 Euro werden in naher Zukunft, unter anderem für eine neue Tiertötungsanlage, fällig.

Neue Tiertötungsanlage muss her

Das größte Problem stellt nach FT-Informationen jedoch die Führungsetage dar. So handelt es sich bei dem derzeitigen Geschäftsführer des Schlachthofs um einen gelernten Metzger - eine personelle Besetzung, die aus der Not geboren wurde. "Ich möchte dem Mann keinen Vorwurf machen. Doch der ist - vor allem, was die Finanzen betrifft - maßlos überfordert", berichtet das KG-Mitglied.

"Das Problem ist, dass wir kein Führungspersonal haben. Es ist schwer, die passenden Leute mit Verantwortungsbewusstsein und dem nötigen Know How zu finden." Besagter Geschäftsführer ließ in den vergangenen Wochen diverse Telefonanrufe und Versuche der Kontaktaufnahmen vor Ort durch den Fränkischen Tag unbeantwortet.

Angesprochen auf die momentane Schieflage des Schlachthofs, möchte sich der Vorsitzende der Kronacher Fleischer-Innung, Eberhard Kraus, derzeit nicht äußern. "Wenn es etwas Neues gibt, werden wir eine Erklärung abgeben."

Metzger bitten um Hilfe

Wie akut die Lage ist, zeigt sich jedoch daran, dass die Schlachthof GmbH & Co. Betriebs-KG inzwischen auch den Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner (CSU) mit ins Boot geholt hat. "Die Metzger sind zwischenzeitlich auf mich zugekommen und haben um Hilfe gebeten." Aus Sicht des Christdemokraten viel zu spät: "Ich habe wenig Verständnis dafür, wenn der Landkreis und wir als Partei unsere Hilfe anbieten und sie dann ausgeschlagen wird."

Zum Hintergrund: Kronachs Kreistag hatte bereits im April 2018 auf Bitte der KG-Mitglieder und auf Antrag der CSU einer Finanzspritze zugestimmt. Dann jedoch die überraschende Kehrtwende: Die Kommanditgesellschaft des Schlachthofs hat die finanzielle Hilfe im Frühjahr 2019 abgelehnt.

"Es fanden im Anschluss an den Beschluss mehrere Gespräche zwischen dem Landrat, der Kreisverwaltung und den Verantwortlichen des Schlachthofs statt", berichtet Markus Wich, Büroleiter des Landrats. "Das waren sehr konstruktive Gespräche, bei denen besprochen wurde, wo die strukturellen Defizite liegen und wie man weiterverfahren kann." Dann jedoch hätten die Verantwortlichen des Schlachthofs mitgeteilt, dass der Start ins Jahr 2019 planmäßig verlaufen und eine Finanzspritze nicht mehr nötig sei.

Der Landkreis sei auch weiterhin bereit, dem Schlachthof finanziell unter die Arme zu greifen, betont Wich: "Wir werden uns nie für Gespräche verschließen, doch es muss geklärt werden, woran die Probleme liegen. Es muss sich an der Einstellung etwas ändern."

Das sieht auch Baumgärtner so, der die Verantwortlichen zum Grundsatzgespräch geladen hat: "Ich erwarte, dass sich die Metzger und auch die Landwirte darüber klar werden, ob sie den Schlachthof wirklich wollen oder nicht. Es ist an der Zeit, mit dem Lamentieren und Rumgeeiere aufzuhören." Sollte die Kommanditgesellschaft zu dem Ergebnis kommen, dass sie den Schlachthof erhalten will, müsse der Betrieb strukturell so aufgestellt werden, dass die schwarze Null erreicht wird. "Ein Schlachthof ist nicht mit einem Bauchladen zu vergleichen." Jetzt gelte es, keine Zeit zu verlieren: "Ich kenne die Zahlen. Wir haben einen gewissen Druck. Doch bevor wir operieren, brauchen wir das Einverständnis des Patienten."

Der gelernte Betriebswirt betont: "Wir stehen noch nicht vor der Insolvenz, sondern vor einer strategischen Neuausrichtung." Der Trend geht bei den Verbrauchern in Richtung Regionalität und Tierwohl. "In der CSU sind wir davon überzeugt, dass der Landkreis Kronach dringend einen ortsnahen, regionalen Schlachthof braucht."

Momentan nicht zukunftsfähig

Baumgärtner glaubt nicht, dass der Schlachthof, wie er momentan von örtlichen Metzgern betrieben wird, wettbewerbsfähig ist, da vergleichbare Schlachthöfe wie der Kulmbacher in städtischer Hand sind. Ohne Unterstützung der Kommune funktioniere es auch in Kronach nicht: "Wir bezuschussen den Schlachthof und ziehen Leitplanken ein: Transparenz, ein besonderes Augenmerk auf Regionalität und Tierwohl und bezahlen das vorhandene Personal leistungsgerecht", schildert er seinen Plan. Geführt werden soll der Schlachthof künftig von einer Doppelspitze: ein Experte für den laufenden Betrieb und einer für die Finanzen.

Auf lange Sicht, so glaubt Baumgärtner, wären die jährlichen Zuschüsse, die der Schlachthof benötige, überschaubar: "Das hier ist keine Frage des Marktes oder des Bedarfs, sondern des Managements."

Der Kronacher Schlachthof wurde Anfang der 90er für die Menschen aus der Region gebaut. "Wir hoffen alle, dass es weitergeht", äußert sich Roland Wich von der gleichnamigen Metzgerei stellvertretend für das, was wohl alle seine Kollegen hoffen. "Es gibt nichts Besseres als Schlachtung vor Ort." Jeder redet von Regionalität. Die nächsten Tage werden entscheiden, was dieses Gerede wert ist.

Inzwischen ist klar: Der Betrieb im Kronacher Schlachthof soll bis auf Weiteres weitergehen. Dafür haben sich die hiesigen Metzger, die in Kronach schlachten, ausgesprochen. Langfristig führe jedoch kein Weg an einem Neubau vorbei.

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