Kronach
Wirtschaft

Loewe-Insolvenz: Warum es Hoffnung auf einen Neubeginn gibt

Mehr als zehn potenzielle Käufer haben ihr Interesse bekundet, den insolventen Kronacher TV-Hersteller Loewe zu erwerben. Um den Standort Kronach zu erhalten, stellen nun Bund und Freistaat finanzielle Unterstützung in Aussicht. Doch die Zeit drängt.
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Ob der Loewe-Standort Kronach eine Zukunft hat, soll sich schon bald entscheiden. Foto: Archiv/Marco Meißner
Ob der Loewe-Standort Kronach eine Zukunft hat, soll sich schon bald entscheiden. Foto: Archiv/Marco Meißner

Folgt auf die Insolvenz der Neubeginn? Geht es nach Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß, darf sich der insolvente Kronacher TV-Hersteller Loewe durchaus Chancen ausrechnen. Bislang hätten bereits mehr als zehn potenzielle Käufer ihr Interesse bekundet, das Unternehmen erwerben zu wollen, teilt Loewe in einer Pressemitteilung mit.

Erste Werksbesichtigungen habe es schon vorletzte Woche gegeben. Das Ziel sei es, den Verkaufsprozess so schnell wie möglich abzuschließen. "Wir sind zuversichtlich, dass wir bis Ende Oktober etwas hinbekommen", sagte Weiß der Sonntagszeitung Welt am Sonntag (Wams).

Die Interessenbekundungen müssten nun aber zunächst im Detail geprüft werden. Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich bei den Kaufinteressenten sowohl um deutsche als auch ausländische Unternehmen - unter anderem Staatskonzerne.

Keine Altlasten

Im Zuge des geplanten Verkaufs übernimmt der neue Investor keine Verbindlichkeiten aus der Unternehmenshistorie, heißt es in der Pressemitteilung. Weil somit Altlasten abgeschnitten würden, sei die angemeldete Insolvenz "auch eine Chance", so Weiß. Laut des Wams-Berichts schätzt der Insolvenzverwalter, dass die Gläubiger im Insolvenzverfahren Forderungen über etwa 50 bis 70 Millionen Euro anmelden werden.

Die Frage ist nur, wie eine Zukunft für Loewe aussehen könnte? Und die der zuletzt 460 Mitarbeitenden, von denen 410 freigestellt wurden (wir berichteten). In seiner Pressemitteilung erklärt das Unternehmen zwar, Vermögenswerte und den Geschäftsbetrieb an einen neuen Investor veräußern zu wollen. Gleichzeitig heißt es aber auch, der Insolvenzverwalter sei optimistisch, für "sämtliche oder ausgewählte Vermögenswerte von Loewe einen neuen Investor zu finden, der die weltweit bekannte Premiummarke im TV- und Entertainment-Bereich weiter nutzen wird". Dabei wird explizit erwähnt, dass die "Marke Loewe" - die an den Hauptgläubiger Riverrock verpfändet wurde - zu den Vermögenswerten zählt.

Ausgiebiges Gespräch

Doch der Unterschied zwischen dem bloßen Nutzen einer Marke und dem Produzieren von Elektronikgeräten in Kronach ist nun einmal mindestens so groß wie der zwischen einem alten Röhrenfernseher und einem modernen UHD-Gerät. "Ich halte es für ganz wichtig, dass die Region jetzt ihre Interessen einbringt", betont daher der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach.

Es dürfe nicht der Höchstbietende den Zuschlag erhalten, wenn es sich dabei dann um einen Investor handelt, der mit der Technologie und dem Markennamen im Gepäck dem Standort Kronach den Rücken zukehrt. Um diesen Standpunkt noch einmal zu untermauern, habe er mit dem Insolvenzverwalter vergangenen Freitag ein ausgiebiges Gespräch geführt.

Michelbachs größtes Argument dabei: Geld. Legt ein Investor ein schlüssiges Konzept vor, das zudem Kronach als Fertigungsstützpunkt beinhaltet, winken Zuschüsse aus gleich aus drei Richtungen. Denn sowohl der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sowie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hätten ihm unter diesen Voraussetzungen zugesagt, mit Investoren Fördergespräche zu führen.

"Markus Söder hat mir in die Hand versprochen, dass ein Investor, der Kronach in einem klaren Konzept mit berücksichtigt, auch eine Hilfe bekommt", bekräftigt Michelbach im Gespräch mit dem Fränkischen Tag den Unterstützungswillen des Freistaats. In welcher Größenordnung sich die finanziellen Hilfen von Bund und Freistaat bewegen könnten, stehe noch nicht fest. Dies hänge schließlich vom jeweiligen Konzept der Investoren ab.

Was kurzfristig gelingen soll

Auch wenn noch völlig unklar ist, in welche Richtung das Schiff Loewe steuern wird - oder ob es gar sinkt - ist Michelbach nach den jüngsten Entwicklungen ein gewisser Optimismus anzumerken. "Der Neuanfang erscheint mir absolut möglich, sofern es den richtigen Investor gibt", sagt der Bundestagsabgeordnete angesichts der Rettungsringe, die schon bald ins Wasser geworfen werden könnten.

Zu lange sollte sich die Investorenauswahl allerdings nicht hinziehen, findet der 70-Jährige und ist dabei auf einer Wellenlänge mit Insolvenzverwalter Weiß. "Der Zeitplan sieht ja vor, dass ab diesem Montag die offizielle Ausbietung stattfindet", erklärt er. "Und dann muss man sehen, dass man alle Seiten relativ kurzfristig zusammenbringt - bevor sich die vielen Fachkräfte einen neuen Job gesucht haben. Denn die bedeuten ja auch ein sehr hohes Potenzial."

Klar ist allerdings schon jetzt: Sollten nach der Insolvenz wieder Loewe-Mitarbeiter zum Dienst in der Industriestraße erscheinen dürfen, fallen ihre Gehälter deutlich geringer aus. Diese können bei einem Neustart nämlich neu verhandelt werden.

Externe Berater

Der internationale Verkaufsprozess soll von der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) durchgeführt werden, teilt Loewe mit. Zusätzlich werde das beauftragte PwC-Team in den kommenden Tagen eine breite internationale Marktansprache durchführen. "Wir freuen uns, dass sämtliche Verfahrensbeteiligte eng zusammenarbeiten, um eine Investorenlösung für Loewe zu finden", sagt Loewe-Geschäftsführer Ralf Vogt. Investoren hätten in der aktuellen Situation die "einmalige Chance", den Geschäftsbetrieb von Loewe neu auszurichten.

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