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Kronach: VHS-Kurs "Ringen und Raufen" hilft Kindern in ihrer Entwicklung

Kinder balgen sich, um ihre Kräfte messen zu können. Beim Ringen und Raufen können sie sich unter Aufsicht von Heike Bittner austoben. Sie bietet nämlich in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Kronach einen gleichnamigen Kurs an.
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Mit verschiedenen Übungen hilft "Ringen und Raufen" die Entwicklung eines Kindes zu fördern. Jonas Thiem (links) und Nico Regel machen dabei vor, wie es geht.  Fotos: Caerobics
Mit verschiedenen Übungen hilft "Ringen und Raufen" die Entwicklung eines Kindes zu fördern. Jonas Thiem (links) und Nico Regel machen dabei vor, wie es geht. Fotos: Caerobics
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Als Heike Bittner die Schulbank drückte, war Rangeln auf dem Pausenhof noch erlaubt. "Wenn aber einer am Boden gelegen hat, war Schluss", sagt Bittner. "Damit hatten wir erreicht, was wir wollten." Zeigen, wer der Stärkere war, dann war Schluss.

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Das hat sich laut Bittner im Laufe der Zeit geändert. "Heute wird noch nachgeschlagen und nachgetreten", sagt sie. "Es ist wesentlich brutaler geworden." Mittlerweile ist Bittner Trainerin für Gewaltprävention sowie Fachwirtin für Konfliktmanagement und Selbstverteidigung.

Expertin für Gewaltprävention

Sie ist Expertin auf ihrem Gebiet, arbeitet viel mit Kindern und ist dafür regelmäßig an Schulen unterwegs. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Kronach bietet Bittner den Kurs "Ringen und Raufen" für Jungs ab sieben Jahren an.

Mit dem Kurs will Bittner bestimmte Werte vermitteln. Es ginge nicht um Gewalt - stattdessen stehen die Beachtung von Regeln, der Respekt anderen gegenüber und die Förderung der motorischen Fähigkeiten im Mittelpunkt. "Kinder wollen ihre Kräfte messen und zeigen, was sie können", sagt Bittner. Daher wird den Heranwachsenden auf spielerische Weise ein fairer Wettkampf beigebracht. Der Umgang mit Niederlagen ist Teil dieses Lernprozesses.

Regeln sind zu beachten

Zu Beginn des zehnwöchigen Kurses erklärt Bittner die Regeln, die es zu beachten gilt. Hals und Kopf des anderen sind Tabuzonen. Und ganz wichtig: Stopp heißt stopp. Wenn einer auf der Matte oder seinen Gegner abklatscht, ist sofort aufzuhören. "Regeln und Rituale müssen eingehalten werden", sagt Bittner. "Da bin ich sehr streng."

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Damit das Einhalten klappt, erklärt Bittner, dass Kampfsportler Ehre haben und erzählt aus der Geschichte der Samurai, die ihren Kaiser beschützen mussten. Auf die Regeln folgt die Einführung von Ritualen, wie eine anständige Begrüßung. "Vor einem Kampf verneigen wir uns vor unserem Partner und geben uns die Hand", sagt Bittner. Nach dem Kampf ist vor dem Kampf - Verneigung und Händeschütteln. Aus Respekt dem anderen gegenüber. "Wir gehen wieder als Freunde auseinander", sagt sie.

Angst vor Körperkontakt abbauen

Bittner baut den Kurs behutsam auf und tastet sich langsam an die Kinder heran. "Viele haben Angst vor Körperkontakt", sagt sie. Der ist beim Ringen und Raufen aber unerlässlich. Schließlich finden die Übungen zumeist in Zweierteams statt. Daher beginnt Bittner mit Übungen, bei denen indirekter Körperkontakt vorherrscht. Zwei Kinder bekommen einen Ball, knien sich hin und greifen den Ball.

"Wenn ich los sage, müssen beide versuchen, den Ball zu bekommen", erklärt Bittner. Mit den Übungen fordert Bittner den gesamten Körper der Kinder und hilft dabei, Koordination und Gleichgewichtssinn zu fördern.

Wie kommt der Kurs an?

Doch gibt es auch negative Stimmen? "Du erziehst Schläger", ist ein Satz den Bittner von Eltern schon zu hören bekommen hat. "Das ist das Letzte, was ich will", sagt sie. Es ginge ja nicht darum, jemanden zu schlagen oder zu verletzen. Vielmehr sollen die Kinder lernen, dass sie Kräfte haben und diese einsetzen können. Die Eltern ließen sich im Gespräch schließlich vom Gegenteil überzeugen.

"Mein Kind könnte verletzt werden", ist noch so ein Satz. Er käme von Eltern, die ihr Kind zu sehr beschützen würden. Mehr als Mattenbrand sei aber nicht zu befürchten, weshalb Bittner zu langärmligen T-Shirts rät. Ansonsten ist die Reaktion der Erziehungsberechtigten aber durchweg positiv. Und wie kommt "Ringen und Raufen" bei den Kindern an? "Die Resonanz ist zweigeteilt", sagt Bittner. "Es gibt Kinder, denen macht das riesig Spaß." Schwieriger sind diejenigen, die sich nicht an Regeln halten wollen und nicht verlieren können. Da müsse Bittner erst einmal an der Sozialkompetenz arbeiten und den Kindern aufzeigen: "Selbst wenn ich verliere, lerne ich doch etwas dazu."

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Am Ende der zehn Wochen zeigen die Kinder ihren Eltern in einem Wettkampf, was sie gelernt haben. Wer gerade keine Übung vormacht, feuert an oder ist als Kampfrichter im Einsatz. Das neu gewonnene Selbstbewusstsein ist den Kindern dabei anzusehen, sagt Bittner.

"Ringen und Raufen" mag sich im ersten Moment brutal anhören, ist für die Gewaltpräventionstrainerin aber ein wertvolles Werkzeug, um Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Für Kurzentschlossene ist noch Platz

Am VHS-Kurs "Ringen und Raufen" können Jungs ab sieben Jahren teilnehmen. Der Kurs beginnt am Donnerstag, 17. Januar, und findet an zehn Nachmittagen jeweils von 17.30 bis 18.30 Uhr im Caerobics in der Kulmbacher Straße 30 in Kronach, statt. Für Kurzentschlossene ist eine Anmeldung über Caerobics unter Telefonnummer 09261/52204 möglich.

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