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Kronach: Polizeichef Herrmann verabschiedet sich von einem Posten "mit Suchtpotenzial"

Nach 17 Jahren ist Schluss: Seit 2002 leitete Uwe Herrmann die Kronacher Polizeiinspektion. Nun wurde er im Landratsamt feierlich verabschiedet und sein Nachfolger vorgestellt - dieser wird allerdings nur ein kurzes Gastspiel geben.
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Weil er am Montag seinen letzten Tag als Leiter der Kronacher Polizeiinspektion hatte, verzichtete Uwe Herrmann zwei Tage später bei seiner offiziellen Verabschiedung im Landratsamt bereits auf die Dienstuniform. Der Polizeifarbe Blau sei er mit seinem Anzug aber immerhin treu geblieben, scherzte der 61-Jährige. Foto: Marian Hamacher
Weil er am Montag seinen letzten Tag als Leiter der Kronacher Polizeiinspektion hatte, verzichtete Uwe Herrmann zwei Tage später bei seiner offiziellen Verabschiedung im Landratsamt bereits auf die Dienstuniform. Der Polizeifarbe Blau sei er mit seinem Anzug aber immerhin treu geblieben, scherzte der 61-Jährige. Foto: Marian Hamacher
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Wenn ein Lebensabschnitt zu Ende geht, ist das oft mit einigen Emotionen verbunden. Und für Uwe Herrmann endete am gestrigen Mittwoch ein nicht gerade kleiner Teil seines bisherigen Berufslebens. 17 Jahre lang stand er an der Spitze der Kronacher Polizeiinspektion. Allzu überrascht waren die Gäste im Landratsamt bei seiner offiziellen Verabschiedung in den Ruhestand daher nicht, als er bat, ihm doch bitte zu verzeihen, sollte seine Stimme etwas brüchig werden.

Kurze Zeit später hatte der 61-Jährige den ersten Lacher auf seiner Seite. Denn als Grund nannte er nicht etwa mögliche aufkeimende Erinnerungen an zurückliegende Dienstjahre oder ehemalige Kollegen - sondern das jüngste Champions-League-Spiel des FC Bayern München. Beim 7:2-Auswärtssieg seines Lieblingsvereins gegen Tottenham Hotspur hätten seine Stimmbänder dann doch etwas gelitten, scherzte er.

Ein verschwiegenes Auto

Ein bisschen Wehmut mischte sich dennoch in seine launige Ansprache. In erster Linie wolle er sich dafür bedanken, dass ihm ein Rahmen gegeben wurde, "in dem ich meine Arbeit mit viel Spaß erledigen konnte". Sowohl von den nun ehemaligen Kollegen als auch von der Politik.

Während er sich gute Laune gerne anmerken ließ, habe er gegenteilige Emotionen allerdings lieber für sich behalten, erzählte er: "Ein Mitarbeiter hat mal gesagt, dass er mich nie Schreien gesehen hat." Gegeben habe es solche Gefühlsausbrüche allerdings öfter, als vermutet - auf der 50-minütigen Rückfahrt zurück in den Landkreis Hof. "Da habe ich dann alles rausgelassen. Aber mein Auto ist zum Glück verschwiegen wie ein Grab." Eine Form des Frustabbaus, die er sich regelrecht habe antrainieren müssen. Aus Gesprächen mit den Bürgermeistern wisse er, aber dass er nicht der Einzige sei, der diese Variante anwende.

Als Nummer 1 beweisen

Auch Herrmanns Nachfolger wird einige Zeit auf der Straße verbringen müssen, ehe er nach Dienstschluss wieder bei seiner Familie ist. Markus Welisch, der im Kreis Wunsiedel wohnt, leitet die Kronacher Dienststelle allerdings nur kommissarisch. Wie lange genau, ist nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberfranken noch offen. Mindestens aber bis zum 30. April 2020.

In der Zwischenzeit werde der Posten als dauerhafter Kronacher Polizeichef ausgeschrieben. "Markus Welisch ist seit sieben Jahren stellvertretender Leiter der Inspektion in Hof", sagte Oberfrankens Polizeipräsident Alfons Schieder. "Wir wollten ihm jetzt die Möglichkeit geben, sich als Nummer 1 zu beweisen."

Noch keine Berührungspunkte

Bisher habe er noch keine Berührungspunkte mit dem Kreis Kronach gehabt, freue sich aber auf die Aufgabe, betonte Welisch. Im Anschluss an Herrmanns Verabschiedung überreichte Schieder dem 50-Jährigen seine Ernennungsurkunde. Welisch wird übrigens der erste Kronacher Dienststellenleiter sein, der an der Deutschen Hochschule der Polizei studierte.

Eine Stelle, die sein Nachfolger nicht ohne ein weinendes Auge verlassen werde, prognostizierte Herrmann: "Markus, du wirst relativ schnell feststellen, dieser Posten in Kronach ein Suchtpotenzial hat." Welisch werde in seinem weiteren Berufsleben womöglich noch wichtigere Dienstposten bekommen, aber höchstwahrscheinlich keine schöneren.

Dass der gebürtige Hofer große polizeiliche Fußspuren hinterlässt, verdeutlichte Oberfrankens Polizeipräsident. Herrmann übergebe das Zepter mit einer Aufklärungsquote von 76,1 Prozent: "Das ist eine Quote, die man außerhalb Bayerns gar nicht artikulieren mag, weil sie einem dort gar nicht geglaubt wird." Die PI Kronach liege damitnämlich nicht nur zehn Prozent über dem bayernweiten Schnitt, sondern auch noch über dem Schnitt des Polizeipräsidiums Oberfranken - das wiederum die höchste Aufklärungsquote Bayerns hat. "Sie belegen in der polizeilichen Kriminalstatistik also einen Spitzenplatz", lobte Schieder.

Der Wert verdeutliche einmal mehr, dass die Menschen im Raum Kronach in einer der sichersten Regionen Deutschlands leben. Ein Verdienst, der auch Herrmanns Arbeit zuzuschreiben sei.

Prägende Erlebnisse

Ein Tag im Jahr 2004, an dem allerdings selbst die Polizei nicht sicher war, zählt Herrmann zu dem negativsten Erlebnis seiner Zeit in Kronach. "Damals wurden zwei Kollegen meiner Dienststelle von einer Gruppe von Punkern im Bahnhofsbereich übel zusammengeschlagen", erinnert er sich. "Die beiden haben lange Jahre unter den Verletzungen gelitten, die sie dabei erlitten haben."

Besonders positiv bleibe ihm hingegen die neue Dienststelle am Kaulanger in Erinnerung, die er mit konzipiert hat. "Für mich ist es die schönste in ganz Oberfranken", betont Herrmann. Fast noch schwieriger als die Logistik eines Umzugs sei es dabei gewesen, das Innenministerium davon zu überzeugen, dass Kronach tatsächlich eine neue Dienststelle braucht.

So ganz vom Polizeidienst lassen, kann Herrmann allerdings nicht. Er habe bereits bei der Verkehrswacht in Hof angekündigt, sich in die Verkehrssicherheitsarbeit einbringen zu wollen. "Außerdem habe ich mich beim Weißen Ring Hof-Wunsiedel angemeldet, weil ich mich aktiv um Kriminalitätsopfer kümmern möchte", kündigte er an. Auch als Nachhilfelehrer für Mathematik möchte der 61-Jährige wieder anfangen: "Das macht mir Spaß, aber da muss ich mich sicher erst wieder etwas reinfinden."

Die restliche Freizeit werde in Zukunft zudem sicherlich verstärkt sein sechsjähriges Enkelkind anfordern, vermutet er. Und dennoch dürfte sich noch die ein oder andere Minute finden, in der beim Fußballschauen die Stimmbänder strapaziert werden können.

Persönlich: Der alte und der neue Kronacher Dienststellenleiter

Uwe Herrmann (61): Der gebürtige Hofer begann 1978 sein Studium an der damaligen Fachhochschule der Polizei. Nach erfolgreichem Abschluss war er fünf Jahre lang Dienstgruppenleiter bei der Verkehrspolizei in Hof. Es folgten mehrere verantwortliche Positionen, unter anderem bei der damaligen Polizeidirektion Hof sowie eine siebenjährige Dienstzeit in der dortigen Einsatzzentrale. 2002 übernahm Herrmann schließlich die Leitung der Polizeiinspektion Kronach.

Markus Welisch (50): Welisch begann seine Ausbildung im März 1986 in Würzburg bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Nachdem er anschließend bis 1997 überwiegend im Streifendienst bei der Münchner Polizei eingesetzt wurde, wechselte er zur Grenzpolizei Schirnding - und damit zurück in seine oberfränkische Heimat.

2004 schloss er das Studium an der damaligen Fachhochschule der Polizei ab und legte so den Grundstein für seinen weiteren beruflichen Werdegang. Im Rahmen eines Aufstiegsverfahrens durchlief Welisch verschiedenste Stationen innerhalb der Bayerischen Polizei und leitete in diesem Rahmen auch ein halbes Jahr lang die Kriminalpolizei Coburg.

Nach einem Masterstudium an der Deutschen Hochschule der Polizei kehrte er 2012 erneut nach Oberfranken zurück und war seitdem stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Hof. Nun übernimmt er die kommissarische Leitung der Kronacher Inspektion.

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