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Kronach: LGS-Gelände soll heller werden

Wenn die Sonne untergeht, herrscht auf dem LGS-Gelände größtenteils nur noch Dunkelheit. Manchen Kronachern ist das nicht geheuer, sie meiden daher lieber den Bereich. Eine Lösung scheint aber in Sicht.
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Der Bereich vom Kletterturm bis nach Neuses soll ab dem kommenden Jahr mit Laternen ausgeleuchtet werden. Foto: Marian Hamacher
Der Bereich vom Kletterturm bis nach Neuses soll ab dem kommenden Jahr mit Laternen ausgeleuchtet werden. Foto: Marian Hamacher

Die Temperaturen erinnern zuweilen noch immer an den Sommer. Optisch ist der Herbst aber längst nicht mehr zu leugnen. Erst recht auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau (LGS). Im Licht der hochstehenden Sonne leuchten die orangefarbenen Blätter sogar noch eine Spur wärmer. Egal, ob sie schon auf den Wegen liegen oder sich noch mit letzter Kraft an die Äste klammern.

So entspannend gegen Nachmittag ein Spaziergang entlang der Parkflächen sein kann, so unwohl scheinen sich Bewohner der Lucas-Cranach-Stadt dort zu fühlen, wenn die Sonne untergegangen ist. Sobald es dunkel sei, meide sie das LGS-Gelände, berichtet Facebook-Nutzerin Marion S. in einem Kommentar auf unserer Seite "Fränkischer Tag Kronach". Es sei "sowieso sehr, sehr schlecht ausgeleuchtet." Gerade für Frauen sei es gefährlich.

"Früher hatte ich nie Angst"

Anlass ihres Kommentars war der gestern erschienene FT-Artikel über den Raubüberfall auf zwei 20-Jährige in der Nähe des Eingangsbereichs am Plessi-Turm. Alleine ist Marion S. mit ihrer Ansicht offenbar nicht. Kronach habe sich in den vergangenen Jahren in Sachen Sicherheit zum Negativen verändert, meint auch Theresa H.: "Früher hatte ich nie Angst, wenn ich abends mal alleine in der Stadt unterwegs war. Heute vermeide ich das."

Es lasse sich aber auch ohne ein mulmiges Gefühl über das LGS-Gelände laufen, meint Kai N. "Wenn es danach ginge, dürfte man auch nicht mehr über den Marienplatz laufen", schreibt er. "Da ist schon wesentlich Schlimmeres passiert."

Kein Kriminalitätsschwerpunkt

Ein Argument, das auch die Polizei anführt. "Am LGS-Gelände gab es zwar auch zwischendurch mal Vorfälle, aber dass es sich dort in Richtung Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt, kann ich so nicht behaupten", sagt der Kronacher Polizei-Pressesprecher Gerhard Anders. Ein Überfall wie am Montagabend am Plessi-Turm hätte genausogut auch in der Innenstadt passieren können.

Zwar ist der Marienplatz ebenso mit Lampen versehen wie der LGS-Bereich vom Eingang bis zur Seebühne - ist dafür aber besser einsehbar. Ein Aspekt, der dazu beitragen dürfte, dass die Wege entlang der Haßlach und der Rodach im Dunkeln nur ungern angesteuert werden. Ob nun von Frauen oder Männern.

Videoüberwachung als Lösung?

Peter Solding (Name von der Redaktion geändert) ist Mitte 30 und ordnet sich durchaus in die Kategorie "Sportlich" ein. "Aber selbst ich überlege mittlerweile, mir ein Pfefferspray zuzulegen, um nicht auch irgendwann Opfer eines Übergriffs zu werden", berichtet er.

Da er in der Nähe des LGS-Geländes wohne, müsse er dieses fast täglich zu unterschiedlichen Tag- und Nachtzeiten durchqueren. "Dort wird nachts gesoffen und ausgelassen gefeiert. Jeden Morgen sieht das Gelände aus wie eine Müllhalde", meint Solding. "Drogen, Alkohol, Schlägereien, menschliche Fäkalien auf und an den Gehwegen - alles keine Seltenheit." Er stelle sich daher die Frage, weshalb es auf dem LGS-Gelände oder an ähnlich schlecht einsehbaren Orten keine Videoüberwachung gebe.

Die Antwort darauf hat Matthias Schedel. "Für die allgemeine Videoüberwachung auf öffentlichen Flächen muss man sehr hohe Anforderungen erfüllen", erklärt der stellvertretende Datenschutzbeauftragte der Stadt. "Das ist nach dem Datenschutzrecht nur unter erhöhten Bedingungen zulässig."

Was derzeit unwahrscheinlich ist

Die Grundfreiheiten der Bürger seien schließlich ein hohes Gut. "Da kann man nicht einfach alles überwachen, da müssen laut Gesetz erst Erfahrungswerte genau für den zu überwachenden Bereich vorliegen." Weil jedoch kein Teil des LGS-Geländes als Risikobereich gilt, scheint es derzeit unwahrscheinlich zu sein, dass in absehbarer Zeit Videokameras installiert werden.

Anders sieht das hingegen in Sachen Beleuchtung aus. "Das Thema haben wir für nächstes Jahr auf dem Schirm", sagt Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) auf FT-Anfrage. Erst vor acht Tagen sei im LGS-Aufsichtsrat über den Antrag der Freien Wähler gesprochen worden, das Gelände zu beleuchten. Einwände habe es keine gegeben.

Ein sechsstelliger Betrag

Fest steht momentan aber nur, dass der Abschnitt von der Seebühne bis nach Neuses ausgeleuchtet werden soll. Details sind noch keine bekannt. Nicht, welche Art Laternen verwendet werden sollen. Nicht, wie teuer es wird, diese zu installieren. Und auch nicht, wann genau dem bisher dunklen Bereich des Parks ein Licht aufgehen soll. Ausgeschrieben sei das Projekt noch nicht, erklärt LGS-Geschäftsführer Wolfgang Günther, "es ist jetzt aber schon im Haushalt eingeplant".

Bisher gebe es eine erste Kostenschätzung - in der aber nur die Materialkosten auftauchen. Dabei werde es freilich nicht bleiben. Erdarbeiten etwa würden definitiv noch hinzukommen. "Ein sechsstelliger Betrag wird es aber auf jeden Fall werden", vermutet Günther. Übernommen werden diese dann von der Stadt. Beiergrößlein glaubt nicht, dass es im Stadtrat größere Diskussionen über diese Ausgabe geben wird: "Es wird sicherlich fraktionsübergreifend verabschiedet, da bin ich guter Dinge."

Ohnehin handele es sich um ein Vorhaben, das schon vor 17 Jahren hätte realisiert werden müssen, als die Landesgartenschau geplant wurde. "Aber jetzt ist es an der Zeit und wir wollen das 2020 anpacken", betont der Bürgermeister. "Es dient der Sicherheit und auch der Prävention."

Die orangefarben leuchtenden Blätter werden dann zwar nicht auf einem Überwachungsbildschirm zu sehen sein - aber zumindest von Laternen ausgeleuchtet.

Kommentar von Marian Hamacher: Der richtige Schritt

Kronach ist immer eine Reise wert. Nicht umsonst zählt die Lucas-Cranach-Stadt wie schon im Vorjahr laut einer Online-Buchungsplattform für Kurzreisen zu den beliebtesten Kleinstädten Deutschlands. Schaffte es heuer sogar unter die die Top Ten. Um dort zu bleiben, muss sich die Stadt immer wieder selbst hinterfragen.

Doch nicht nur mit Blick auf den Tourismus darf sich eine Stadt wie Kronach einen größtenteils unbeleuchteten Park einfach nicht leisten. Wenn Anwohner den Heimweg durch das Gelände fürchten, besteht ganz klar Handlungsbedarf. Im kommenden Jahr nun auch den noch fehlenden Bereich beleuchten zu wollen, ist daher der richtige Schritt.

Über den nächsten sollte allerdings gleich nachgedacht werden: Eine Videoüberwachung des LGS-Geländes würde Straftaten zwar wohl nicht verhindern, die Hemmschwelle für potenzielle Täter oder Randalierer dürfte dadurch aber vermutlich deutlich höher werden.

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