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"Kronach leuchtet": Coburger Studenten lassen Häuser der Altstadt erstrahlen

Viele haben den Termin dick im Kalender markiert, bei ihnen steht er sogar im Stundenplan: 13 Studenten der Coburger Hochschule sind bei "Kronach leuchtet" im Einsatz. Die angehenden Innenarchitekten wissen genau, wann es ihnen zu bunt wird.
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Marie Fischer (vorne) und Hannah Körner verkabeln das Evangelische Gemeindehaus. Fotos: Teresa Hirschberg
Marie Fischer (vorne) und Hannah Körner verkabeln das Evangelische Gemeindehaus. Fotos: Teresa Hirschberg
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Dass Anna Tietze und Moritz Spielmann nicht gleich auf den Stufen der Christuskirche eindösen, ist eigentlich ein Wunder. Viel Schlaf bekommen die beiden in letzter Zeit nämlich nicht. Stattdessen hocken sie im Schneidersitz an einer der Hausecken und verlegen den nächsten Meter Kabel. Im Hintergrund knallen Autotüren und ein kleiner Junge verlangt lautstark, vorne sitzen zu dürfen. Doch die Studenten bleiben hochkonzentriert.

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Mit elf Kommilitonen der Coburger Hochschule und ihrem Dozenten Michael Müller rücken sie die Kronacher Architektur ab dem 26. April ins rechte Licht - und stehen dabei unter genauer Beobachtung. Denn die Hochschüler werden für ihre Leistung bei "Kronach leuchtet" benotet. Zum vierten Mal sind Studenten des Studienganges Innenarchitektur bei der Veranstaltung im Einsatz, jedes Mal in wechselnder Besetzung. Die Teilnahme am Fest wird an der Hochschule als Projekt angeboten. Doch ausgerechnet in der Woche des Aufbaus liegt Dozent Michael Müller krank im Bett. Nun muss Simon Müller als studentische Projektleitung sicherstellen, dass ab Freitag sowohl die installierten Lampen als auch die Gesichter der Besucher strahlen.

Kronacher Straßenlaternen gehen aus

"Für viele der Studenten ist es das erste Lichtprojekt überhaupt", erzählt der 28-Jährige. Die meisten von ihnen seien im zweiten Semester, gemeinsam verbringen sie eine Woche in Kronach. Vom Strauer Torweg bis hinunter zum Kirchplatz haben sich die Studenten vorgearbeitet, im Stadtgraben steht ein Laster voller Lichtequipment. Während des zehntägigen Festes bleiben die Straßenlaternen in diesem Stadtbereich ausgeschaltet, damit die Beleuchtung voll zur Geltung kommen kann.

"Kronach leuchtet" ist ein Wohlfühlfest mit "Wow-Effekt"

In Simon Müllers Augen gibt es nämlich nichts Hässlicheres als Natronlicht aus der Laterne. "Dieses orange Licht, das oft auf großen Parkplätzen zu sehen ist. Sogar die Festung wurde früher damit angestrahlt", erzählt er. Orangenes Licht könnte auf Häuserfassaden störend wirken, beispielsweise bei Naturstein. Außerdem blenden Straßenlaternen oft. "Das Auge fokussiert immer den hellsten Punkt", erklärt der 28-Jährige. "Aber wir wollen die Fassaden nicht überstrahlen, sondern die natürlichen Farben erhalten."

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Die Aufgabe der Studenten sei es, Architekturmerkmale zu erkennen und jeweils die richtige Illumination dafür zu finden. Farben werden dabei selten verwendet. Denn: "Alles mit mehr als zwei Farben wirkt wie Las Vegas: kitschig und bunt." Und das sei definitiv nicht das Ziel der Gruppe. Viele Besucher kämen mit der Erwartung, bei "Kronach leuchtet" müsse alles bunt und schrill blinken. Es gebe aber auch diejenigen, die auf weniger Spektakel und mehr Architektur aus seien, meint Müller. "Es kommen auch viele Fotografen, die Gebäude mit Langzeitbelichtung fotografieren."

Auf einen Kaffee in den Garten

Welchen Bereich der Stadt die Studenten übernehmen entscheidet Kronach Creativ in Absprache mit Dozent Michael Müller. Im vergangenen Jahr strahlte das Team sogar die Festung an. "In Kronach ist das Schönste, dass alle über die Veranstaltung Bescheid wissen", sagt Simon Müller. "Wenn wir bei einem Haus klingeln müssen, um zu fragen, ob wir in den Garten dürfen, machen 95 Prozent der Leute die Tür auf und stellen uns sofort einen Kaffee hin." Zuvor haben die Studenten bereits bei Lichtprojekten in Bad Staffelstein, Höchstadt an der Aisch, Miltenberg oder Coburg mitgearbeitet.

Lange Kabel, längere Nächte

Vier Nächte bleiben die Studenten in Kronach, Schlaf finden sie dabei allerdings wenig. "Tagsüber verlegen wir Kabel und räumen den Lastwagen aus", erzählt Müller. "Aber nachts können wir natürlich besser sehen, welcher Strahler anders ausgerichtet werden muss." Zwischen 15 und 18 Stunden arbeite das Team täglich. Dann gibt es ein gemeinsames Abendessen, bevor alle erschöpft ins Bett fallen. "Nachts um 4 liegen die Nerven schon mal blank", sagt Müller und lacht. Dass ein Student das Projekt deswegen in der Vergangenheit abgebrochen hätte, habe er aber noch nicht erlebt. "Wir sind ja auch nicht gnadenlos", stellt der 28-Jährige klar. Wer zwischendurch eine Pause braucht, bekomme sie auch.

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Die Leistung während des Aufbaus wird bewertet und später mit einer Dokumentation und Präsentation der Ergebnisse verrechnet. Die Grundlagen der Elektronik sollten die Studenten dafür beherrschen: Welchen Widerstand hat ein Kabel und wie viel Watt verträgt ein Stromkreis, bevor die Sicherung rausfliegt? "Wir hören öfters, unsere Projekte seien zu dunkel", erzählt Müller von seinen bisherigen Erlebnissen bei "Kronach leuchtet". "Aber es geht ja nicht darum, den größten Strahler hinzustellen, sondern dem Auge die Möglichkeit zu bieten, etwas zu entdecken."

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