Kronach
Gesundheit

Kronach: Frankenwaldklinik kommt nicht zur Ruhe

Erneut verlassen zwei Chefärzte die Helios-Frankenwaldklinik - unter anderem die Leiterin der Geburtshilfestation. Jener Einrichtung, die vergangenen Herbst kurzzeitig stillgelegt werden musste. Droht nun ein ähnliches Szenario?
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Kauft der Landkreis die Frankenwaldklinik vom Helios-Konzern zurück? Die Freien Wähler haben am Freitag den Antrag gestellt, genau das von der Landkreisverwaltung prüfen zu lassen. Foto: Archiv/Marco Meißner
Kauft der Landkreis die Frankenwaldklinik vom Helios-Konzern zurück? Die Freien Wähler haben am Freitag den Antrag gestellt, genau das von der Landkreisverwaltung prüfen zu lassen. Foto: Archiv/Marco Meißner

Ob bei einer Erkältung, nach der komplizierten Bein-OP oder nach der Geburt: Das Wichtigste auf dem Weg zu einer schnellen Genesung ist Ruhe. Da sind sich so gut wie alle Mediziner einig. Doch zu genau der scheint der Patient Frankenwaldklinik nicht zu kommen. Kaum ein Quartal vergeht, ohne dass das 2014 vom Helios-Konzern übernommene Krankenhaus negative Schlagzeilen macht. Mal, weil Patienten der Meinung sind, schlecht untersucht oder behandelt worden zu sein, mal, weil das Personal über zu hohe Arbeitsbelastungen klagt.

Hinzu kommen die ebenfalls wiederkehrenden Meldungen, dass ein weiterer leitender Mediziner die Klinik verlässt. Die neuesten Namen in dieser Reihe: Roy Hoffmann und Annett Reinisch - also der Chefarzt der Kardiologie und die Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe. Reinisch verlasse die Klinik, um sich beruflich neu zu orientieren, teilte die Klinik mit.

Schärfere Wortwahl

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Viel interessanter als ihre Beweggründe ist, wie es mit ihrer Abteilung weitergeht. Schließlich musste vergangenen Herbst die Geburtshilfe-Station kurzzeitig stillgelegt werden, weil nicht ausreichend Personal zur Verfügung stand, um krankgeschriebene Kollegen zu vertreten. Es war der Auslöser dafür, dass die Politik in der Wortwahl schärfer wurde. Eine solche Situation dürfe sich keinesfalls wiederholen, war die einstimmige Meinung sämtlicher im Kreistag vertretenen Parteien.

Droht nun womöglich ein ähnliches Szenario wie vor einem Jahr? Ein klares Nein kommt als Antwort auf diese Frage nicht aus der Klinik. "Das Ziel ist, eine vorübergehende Abmeldung, wenn irgend möglich, zu vermeiden", formuliert es der neue Geschäftsführer Philipp Löwenstein, der erst diesen Monat den Posten seines Vorgängers Christian Kloeters übernahm.

Damit es nicht erneut einen Monat gibt, in dem werdende Mütter ihre Kinder nicht in der Kreisstadt zur Welt bringen können, soll Reinischs Nachfolge schnell geregelt werden. Bundesweit und darüber hinaus werde nach Verstärkungen für das Klinik-Team gesucht. Ärztlich wie pflegerisch. "Erste Gespräche sind bereits vereinbart", so Löwenstein.

Im Sinkflug

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Doch die Stilllegung hat Spuren hinterlassen. "Gerade von einem Konzern wie Helios, der wahrscheinlich einer der größten Anbieter am Markt ist, darf man ja wohl erwarten, dass er bestimmte Engpässe innerhalb seines Konzerns ausgleichen kann", äußert Stefan Wicklein, der Kreistagsfraktionsvorsitzende der Freien Wähler, sein Unverständnis.

Der ständige Personalwechsel könne nur mit großer Sorge zur Kenntnis genommen werden und auch der öffentliche "Hilfeschrei" des Pflegepersonals, das sich mit einem Brief an Landrat Klaus Löffler (CSU) wandte (wir berichteten), habe sein Übriges zum "zunehmenden Sinken des Ansehens der Klinik in der Öffentlichkeit" beigetragen.

Lösungsvorschläge, wie dieser Sinkflug gestoppt werden kann, gebe es bei Helios keine. "Man hat ein wenig das Gefühl, dass im Helios-Konzern das Kronacher Haus nur als Anhängsel und stiefmütterlich behandelt wird", schreibt er daher in einem Antrag, der am Freitag im Büro des Landrats einging. Es sei an der Zeit, mit Helios "über die Ernsthaftigkeit" des Engagements in Kronach zu reden, heißt es in dem Schreiben.

In seiner ersten Sitzung des kommenden Jahres solle sich der Kreistag daher dafür aussprechen, von der Landkreisverwaltung prüfen zu lassen, unter welchen Bedingungen die Frankenwaldklinik von Helios "zurückgenommen und in andere Trägerschaft überführt werden könnte". So, wie Helios die Klinik derzeit lenkt und leitet, dürfe es jedenfalls nicht weitergehen.

Zuverlässige Datengrundlage

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Eine Forderung, die bereits seit einigen Monaten nicht nur durchs politische Kronach, sondern auch Teile der Bevölkerung geistert. MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) - neben dem Landrat, Richard Rauh (SPD) und Peter Hänel (FW) einer von vier Landkreisvertretern im Beirat der Klinik - hat sich etwa ebenfalls schon dafür ausgesprochen, die Klinik in eine kommunale Struktur zurückzuführen.

Den Freien Wählern gehe es nicht darum, eine Entscheidung vorwegzunehmen, betont Wicklein. Es solle schlichtweg geklärt werden, ob und unter welchen Bedingungen ein Rückkauf denkbar ist. "Denn wenn wir eine Entscheidung treffen sollten, muss die Datengrundlage zuverlässig sein", erklärt er auf FT-Nachfrage. "Das kann natürlich auch zu dem Ergebnis führen, dass ein Rückkauf utopisch ist!"

Dass ein solcher Antrag schon wenige Tage nach seinem ersten Arbeitstag in Kronach eingereicht wird, nimmt der neue Klink-Geschäftsführer nicht persönlich, betrachtet es vielmehr als einen weiteren Aspekt der bestehenden Debatte. Als solcher soll der Antrag auch zu verstehen sein, sagt Wicklein.

Ihm sei bewusst, dass die Klinik für die Region immer schon ein entscheidender Mittelpunkt der Daseinsvorsorge war und dass die Entscheidung zur Privatisierung weiterhin als großer Einschnitt wahrgenommen wird, äußert Löwenstein Verständnis. Es sei daher völlig legitim, dass sich die politischen Vertreter dazu im Diskurs begegnen.

Löwenstein sieht gute Grundlage

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Wenig überraschend spricht er sich gegen einen Rückkauf aus. Angesichts überregionaler Herausforderungen wie dem Problem des Fachkräftemangels und des "politisch gesetzten Wirtschaftlichkeitsgebots" sei ein solcher Schritt keineswegs ein Garant zur Lösung aller derzeitigen Herausforderungen.

Weil Helios sich in der jüngsten Beiratssitzung eindeutig zu Kronach bekannt habe, sehe er aber eine gute Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit mit dem Landkreis im Beirat.

Tarifverhandlungen: Zweite Runde endet ohne Ergebnis

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An der Helios-Frankenwaldklinik verdient eine Pflegekraft mehrere Hundert Euro weniger als in den umliegenden Kliniken. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern, indem Stück für Stück das Tarifniveau des öffentlichen Dienstes erreicht wird. So lautet jedenfalls eines der zentralen Ziele, mit denen die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in die derzeit laufenden Tarifverhandlungen mit der Frankenwaldklinik startete. Doch auch die zweite Runde führte am Dienstag zu keinem Ergebnis.

Die Gewerkschaft forderte bislang eine Gehaltserhöhung von 2,5 Prozent ab Oktober 2018, vier Prozent ab Juli 2019 und 2,5 Prozent ab März 2020. Zusätzlich zur Lohnerhöhung sollen medizintechnische Assistenten und operationstechnische Assistenten monatlich 125 Euro erhalten, Hebammen eine Zulage von 250 Euro. Gerade die Zulage für die Hebammen sei wichtig, um die Attraktivität des Berufes in Kronach wieder zu steigern, heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft.

Die Klinik-Geschäftsführung bietet derzeit allerdings lediglich 1,5 Prozent zum 1. Oktober 2018, 3,3 Prozent zum 1. Oktober 2019 und nochmals 1,75 Prozent zum 1. März 2020 an. Hebammen, medizintechnische Assistenten und operationstechnische Assistenten würden demnach lediglich eine Zulage von 100 Euro bekommen. Dennoch wertet die Tarifkommission von ver.di das Angebot der Klinik als einen Schritt in die richtige Richtung. "Zwar sind die Schritte recht klein, aber sie gehen zumindest voran", findet Betriebsratsvorsitzender Manfred Burdich, der auch Mitglied der ver.di-Tarifkommission ist. Er gehe daher davon aus, dass es in der nächsten Verhandlungsrunde am 17. Januar 2019 zumindest in den monetären Fragen zu einer Einigung kommen wird.

Dieser Meinung ist auch sein Gegenüber, der neue Klinik-Geschäftsführer Philipp Löwenstein. Wir sind zuversichtlich", erklärt dieser auf FT-Nachfrage. "Ich sehe keine unüberwindlichen Hindernisse auf dem Weg zu einer Einigung." Mit ihrem Angebot, das über Fragen der Entlohnung hinausgehe, habe die Klinik sowohl den Wunsch der Mitarbeiter nach einer Lohnerhöhung als auch die ihr möglichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beachtet. Zu einzelnen Details will sich Löwenstein aktuell aber nicht äußern.

Personal soll entlastet werden

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Eines der Themen in der dritten Verhandlungsrunde wird die Entlastung der Mitarbeiter sein. Nach anfänglicher Ablehnung hätten die Verhandlungsführer der Klinik - allen voran Löwenstein - inzwischen eingesehen, dass es notwendig ist, eine Regelung zu schaffen, die das Personal entlastet, so ver.di. Auch das sei ein weiterer kleiner Schritt, der optimistisch mache.



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