Kronach
Justiz

Kronach/Bayern: Frau (18) fast vergewaltigt - Angeklagter in Drogenhandel verstrickt

Am dritten Verhandlungstag zur versuchten Vergewaltigung beschrieb eine Psychologin das Trauma, an dem die junge Frau seit dem Angriff leidet. Die Vernehmung weiterer Zeugen beleuchtete zudem die Drogengeschäfte des Angeklagten.
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Im Juli 2018 wurde eine junge Frau auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände von einem 36-Jährigen angegriffen. Foto: Archiv/Andreas Schmitt
Im Juli 2018 wurde eine junge Frau auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände von einem 36-Jährigen angegriffen. Foto: Archiv/Andreas Schmitt

Sie ging kaum noch aus dem Haus, fühlte sich verfolgt und in der Nacht plagten sie Alpträume. Erinnerungen an den Morgen, an dem sie ein Unbekannter auf dem Weg zur Arbeit ins Gebüsch zerrte und wie im Wahn zusammenschlug. Dieser Fall versuchter Vergewaltigung und schwerer Körperverletzung wird derzeit am Coburger Landgericht verhandelt. Angeklagt ist ein 36-Jähriger aus dem Kreis Kronach, der die junge Frau am 5. Juli 2018 auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände schwer misshandelt haben soll (wir berichteten).

Am dritten Verhandlungstag sagte die Psychologin, die das Opfer seit November betreut, zum Zustand der 18-Jährigen aus. Zudem ging es um angebliche Morddrohungen, denn der Angeklagte muss sich wegen eines weiteren Falls von Körperverletzung sowie Drogenhandels verantworten.

Nach dem Angriff traumatisiert

Die 18-Jährige, die bereits in der vorherigen Sitzung unter Tränen ausgesagt hatte, entband ihre Therapeutin von der Schweigepflicht. Die Psychologin diagnostizierte bei der jungen Frau eine posttraumatische Belastungsstörung. Sie sei schreckhaft, könne sich nicht konzentrieren und ohne Medikamente nicht schlafen. In der Klinik, in der die 18-Jährige nach dem Angriff acht Wochen verbrachte, wurde außerdem eine Panikstörung festgestellt.

Was bisher geschah: 18-Jährige fast vergewaltigt - Zeugin spricht von "Todesschreien" der Frau

"Sie hat mir erzählt, dass ihr der Mann den Mund zugehalten hat", sagte die Psychologin während ihrer Vernehmung. "In diesem Moment hat sie Todesangst erlebt, weil sie keine Luft bekommen hat." Der Zustand der 18-Jährigen habe sich mittlerweile verbessert, sie zeige aber weiterhin Restsymptome. "Sie war ein halbes Jahr lang krankgeschrieben, hat ihre Lehre abgebrochen", erzählte die Therapeutin. "Es war dramatisch."

Mit Elektroschocker attackiert

Eine weitere Zeugin, die Exfreundin des 36-Jährigen, die dieser am 30. Mai 2018 mit der Faust geschlagen haben soll, ließ über ihren Anwalt ausrichten, nicht vor Gericht aussagen zu können. "Sie hat ausdrücklich gesagt, dass sie dem Angeklagten nicht gegenübertreten kann", berichtete die vorsitzende Richterin Jana Huber. Der Aussage des 36-Jährigen zufolge, sei der Faustschlag Notwehr gewesen. Die Frau sei während eines Streits hysterisch geworden und auf ihn losgegangen. Daraufhin habe er ihr "eine geschossen".

Seine Expartnerin beschuldigt den Angeklagten jedoch, bei dem Treffen in ihrer Wohnung gewaltsam entkleidet und mit einem Elektroschocker bedroht worden zu sein. Sie wolle aus Angst vor dem 36-Jährigen ausschließlich über Video vernommen werden, was die Kammer jedoch ablehnte. Nun wird darüber entschieden, ob der Frau bei ihrer Vernehmung am 1. April ein Zeugenbeistand zur Seite gestellt werde.

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Auch die aktuelle Freundin des Angeklagten war vor Gericht Thema. Da der Kronacher zusätzlich wegen Drogenhandels angeklagt ist, sagten zwei seiner ehemaligen Lieferanten gegen ihn aus. Die gebürtigen Berliner hatten den 36-Jährigen im April 2018 kennen gelernt und ihn mit einem knappen halben Kilo Amphetamin versorgt, zusätzlich mit Haschisch und Marihuana. Die Rauschmittel sollte der Angeklagte anschließen weiterverkaufen.

Seitenlange Liebesbriefe

Als der 36-Jährige jedoch von der Polizei mit den Drogen gefasst wurde, verriet er seine Geschäftspartner an die Beamten. Während seiner Inhaftierung habe die derzeitige Freundin des Angeklagten zu einem der Berliner Männer Kontakt aufgenommen. Viermal habe sie ihn im Gefängnis besucht, täglich mit ihm telefoniert. Er habe ihr im Gegenzug mehrere seitenlange Liebesbriefe geschrieben.

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Als die Frau dem Kronacher Angeklagten ihre neue Beziehung beichtete, soll dieser außer sich gewesen sein und mit der Faust auf den Tisch geschlagen haben. Zudem habe er gedroht, den Berliner "wegräumen zu lassen". Verteidiger Till Wagler zweifelte die Aussage des Zeugen und die Morddrohungen an. Sein Mandant habe schließlich dafür gesorgt, dass der Zeuge im Gefängnis lande. Wem die Loyalität der Frau gilt, blieb am Ende des Verhandlungstages unklar.

Weitere Zeugen und Termine

Die Verhandlung am Coburger Landgericht wird am Montag, 1. April, fortgesetzt. Dann soll die Exfreundin des Angeklagten befragt werden. Das Urteil gegen den 36-jährigen Kronacher soll Ende April oder Anfang Mai fallen.

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