Kronach
Natur

Frankenwald: Naturfotograf Stefan Friedrich ist auf der Suche nach dem Wow-Effekt

Seit der Kronacher Stefan Friedrich seine Leidenschaft für die Fotografie neu entdeckt hat, ist so gut wie immer eine Kamera in seiner Griffweite. Stets auf der Suche nach den größeren und kleineren Besonderheiten des Frankenwalds.
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Ein Moment der Ruhe: Nicht immer muss der Blick durch den Sucher gehen. Naturfotograf Stefan Friedrich weiß, seine Kamera auch mal zum passenden Zeitpunkt zur Seite zu legen. Etwa, um wie hier den Blick vom Staffelberg zu genießen. Foto: Stefan Friedrich
Ein Moment der Ruhe: Nicht immer muss der Blick durch den Sucher gehen. Naturfotograf Stefan Friedrich weiß, seine Kamera auch mal zum passenden Zeitpunkt zur Seite zu legen. Etwa, um wie hier den Blick vom Staffelberg zu genießen. Foto: Stefan Friedrich
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Ein dichter Nebelschleier liegt über dem Frankenwald. Nur vereinzelt lugen Baumwipfel zaghaft durch die tiefe Wolkendecke. Ein kurzes Tippen, ein schneller Wisch mit dem Zeigefinger nach links: schon zischt das nächste Foto über das Display von Stefan Friedrichs Smartphone. Ein paar erklärende Sätze zum Bild - und weiter geht's.

Ein Raufußkauz, der in der Dämmerung auf einem Ast hockt. Wisch. Schneeverschneite Fichten. Wisch. Ein zierlicher Rotfuchs im hohen Gras gleich neben einer Straße. Wisch. "Was ich an den neuen spiegellosen Kameras so mag, ist, dass man das Auslösegeräusch ausschalten kann", sagt Friedrich, während ein Schwarzstorch auf seinem Bildschirm auftaucht. "Wenn man Wildtiere aus dem Versteck heraus fotografiert, kriegen die dich einfach nicht mit. Jedenfalls solange man sich nicht bewegt."

Die Natur vor der Haustür

Über eine längere Zeit stillzuhalten fällt dem 51-Jährigen allerdings nicht sonderlich schwer. Manchmal heißt es einfach Abwarten, bis das erhoffte Tier auf der Lichtung auftaucht. Fast jeden Tag zieht der Kronacher Naturfotograf auf der Jagd nach neuen Fotos durch Flora und Fauna. Ab und an in der Fränkischen Schweiz, am liebsten aber im heimischen Frankenwald. "Ich möchte mit meinen Bildern Appetitanreger für die Natur hier sein", sagt er. Daher sind die Resultate seines Hobbys auf gleich mehren Plattformen zu finden (siehe Infokasten). "Andere sollen sehen, dass man nicht ewig weit fahren muss, um herrliche Natur genießen zu dürfen. Man hat sie als Kronacher direkt vor der Haustür."

Wenn er etwa in Höfles aus dem Haus geht, müsse er nur wenige Minuten laufen, ehe er "Natur pur" erlebe. "Da finde ich den Schwarzstorch, den Eisvogel, den Biber und noch viel mehr spannende Tiere und Pflanzen." Auch wenn sich der Betriebshandwerker ein Leben ohne Kamera längst nicht mehr vorstellen kann, war sie gleich über mehrere Jahrzehnte aus seinem Alltag verschwunden.

Wieder wachgeküsst

Erst vor etwa zehn Jahren kehrte die Liebe zu dem Hobby zurück, in das sein Vater ihn einst als Achtjährigen eingeführt hatte. Wie funktioniert die Mechanik in der Kamera? Welche Perspektiven überraschen? Und wie entwickelt man eigentlich einen Film? Fragen, auf die Friedrich schon in jungen Jahren eine Antwort wusste. "Die Fotografie begleitet mich wirklich durchs Leben. Ich weiß auch nicht, warum das bei mir irgendwann eingeschlafen ist."

Es war die Digitalfotografie, die sein altes Hobby aus dem Dornröschenschlaf küsste. Und auf einmal brannte die Liebe für die Fotografie stärker als jemals zuvor. "Es war mal wie eine Sucht", sagt Friedrich rückblickend und räumt gleich ein: "Eigentlich ist sie es immer noch - aber jetzt habe ich sie einigermaßen im Griff." Lange Zeit habe er kein einziges seltenes Naturerlebnis verpassen wollen. Waren es Kranichzüge oder im vergangenen Sommer der Blutmond. Alles, was nur ein kurzes Zeitfenster für Fotos ließ, übte auf den 51-Jährigen eine besondere Faszination aus.

Was inzwischen anders ist? "Am 16. Juli gab es mit der partiellen Mondfinsternis ja wieder ein eher seltenes Naturschauspiel. Das hat mich aber gar nicht gejuckt und ich bin schlafen gegangen." Was bei seinem Hobby durchaus wichtig ist. Denn wer das sanfte Licht der Morgensonne einfangen möchte, muss naturgemäß früh aus den Federn. Belohnt wird er dafür mit Bildern wie dem einer Rehmutter, die mit ihrem Kitz vom gelben Gegenlicht angestrahlt wird. War die Sonne tatsächlich so intensiv oder hat er in der Nachbearbeitung ein wenig nachgeholfen? Die Antwort ist ein fast strafender Blick.

Denn in der Naturfotografie gibt es klare Regeln, die für die digitale Nachbearbeitung nur einen begrenzten Spielraum lassen. Zwar nimmt Friedrich mit seinen Fotos nicht an Wettbewerben teil, hält sich aber trotzdem an die strengen Vorgaben - auch aus ganz pragmatischen Gründen. "Ich versuche, so zu fotografieren, dass ich möglichst wenig nachbearbeiten muss. Ich will meine Zeit schließlich in der Natur verbringen und nicht vor dem Rechner", erklärt er.

Zwei lokale Vorbilder

Nicht immer macht sich Friedrich mit seiner fast 30 Kilogramm schweren Ausrüstung alleine auf den Weg. Immer wieder zieht er mit dem Kronacher Fotografen Stefan Amm und dessen Bruder Martin los. "Die beiden sind für mich lokale Vorbilder. Tolle Fotografen mit einem ebenso großartigen wie eigenen Bildstil."

Durch sie habe er nicht nur von Fotospots erfahren, die ansonsten weniger bekannt sind, sondern auch viele Tipps zu Aufnahmetechniken bekommen. "Etwa, auf Bodennähe zu fotografieren, und einen Bohnensack als flaches Stativ zu verwenden", erzählt Friedrich. "Von ihnen bin ich in die heimische Flora und Fauna noch einmal viel intensiver eingeführt worden. Denn wo heimische Orchideen wachsen, bekommt man ansonsten nirgends gesagt." Und wo? "Das verrate ich nicht", sagt er und grinst. "Sonst sind die Stellen hinterher alle überlaufen."

Einen Tipp für ein Fleckchen Frankenwald mit Wow-Effekt hat er aber trotzdem: "Der Blick ins Lamitztal bei Wallenfels ist einfach genial." Ohnehin habe er seine Heimat durch die Fotografie noch einmal ganz anders kennengelernt. "Vor allem viel ruhiger." Momente, die nicht nur fest im Gedächtnis gespeichert sind - sondern immer auch griffbereit auf seinem Smartphone.

Digitale Fotoausstellung

Wer sehen möchte, mit welchen Fotos Stefan Friedrich von seinen Touren durch die Natur zurückkommt, wird bei gleich drei Onlinediensten fündig: Auf Instagram ist der 51-Jährige als @sfriedrichkronach unterwegs. Seine Flickr-Seite ist unter der Adresse www.flickr.com/people/125858949@N04/ und sein 500px-Auftrittt unter www.500px.com/s-friedrich-kronach zu finden.

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