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Kreis Kronach: Verheiratete sollen Priester werden dürfen

Hört Papst Franziskus auf seine Bischöfe, dürfen bald auch verheiratete Männer Priester werden. Eine Idee, der Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber einiges abgewinnen kann.
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An der Grenze des bisher Denkbaren? Geht der Papst auf die Empfehlungen der Amazonas-Synode ein, könnten zukünftig auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden. Symbolfoto: Pixabay
An der Grenze des bisher Denkbaren? Geht der Papst auf die Empfehlungen der Amazonas-Synode ein, könnten zukünftig auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden. Symbolfoto: Pixabay

Werden zwei Begriffe kombiniert, die sich eigentlich gegenseitig ausschließen, sprechen Germanisten von einem Oxymoron. Etwa, wenn vom "alten Knaben", dem "stummen Schrei" oder der "geraden Kurve" die Rede ist. Wer kein Experte im Kirchenrecht ist, dürfte auch die Kombination "verheiratete katholische Priester" dazuzählen. Doch die gibt es tatsächlich - wenn auch nur in Ausnahmefällen. Entscheidet sich ein evangelischer Pfarrer dazu, katholisch zu werden, darf er auch in seiner neuen Konfession als Priester arbeiten und muss den Zölibat nicht leben.

Bald könnten die Ausnahmen noch einmal etwas ausgeweitet werden. Auf sogenannte "viri probati" (lateinisch für "bewährte Männer"). Damit meint die Kirche katholische Männer, die bereits verheiratet sind. Zukünftig sollen diese dennoch zum Priester geweiht werden dürfen. Der Zölibat würde für sie dann nicht gelten. So jedenfalls lautet eine Empfehlung mehrerer Kardinäle, Bischöfe und Experten an den Papst. Beschlossen auf einer Sondersynode (siehe Infokasten) im Vatikan. Der Haken an der Sache: Zunächst gilt die Ausnahme wohl nur in Südamerika.

Taufende Nonnen

Fast den gesamten Oktober über dauerte die Synode, auf der die 185 Mitglieder über "neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie" im Amazonas-Gebiet diskutierten. In diesem soll die Priesterweihe für verheiratete Männer künftig dem Priestermangel entgegenwirken.

Wie die Situation in entlegenen Gebieten Südamerikas aussieht, hat der Kronacher Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber bereits selbst erlebt. "Als ich vor 25 Jahren während meines Studiums in Chile war, habe ich Gegenden besucht, da kam der Priester nur einmal im Jahr vorbei", erzählt er. Um die seelsorgerische Arbeit vor Ort hätten sich dort französische Ordensschwestern gekümmert. "Die haben dort alles gemacht", betont Teuchgräber. "Sogar Kinder getauft."

Dem Priestermangel durch entsprechend ausgebildete und geweihte Familienväter entgegenzuwirken, hält er für eine gute Entscheidung. "Es hieß ja bisher immer, dass die viri probati weltkirchlich nicht durchzusetzen sind. Aber das sind sie natürlich", betont er. "Da hat der Papst die Bischöfe nun hinter sich bekommen."

Auswirkungen könnte die Amazonas-Synode allerdings nicht nur für Katholiken in Südamerika, sondern auch in Europa haben. Beschließt der Papst, "viri probati" in Südamerika zu erlauben, erwartet etwa der Kirchenrechtler Thomas Schüller einen Dominoeffekt. "Bischofskonferenzen aus allen Teilen der Welt, in denen ebenfalls Priestermangel herrscht, werden sagen: Was im Amazonas-Gebiet gilt, muss auch bei uns erlaubt sein. Deutschland gehört dazu", sagte er dem "Spiegel".

Teuchgräber hätte nichts dagegen, wenn verheiratete Männer auch in Deutschland zum Priester geweiht werden könnten. "Ich würde mich freuen, wenn wir das hinkriegen könnten, denn das wäre schon eine Bereicherung." Damit ist er auf einer Linie mit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick.

Mehr Mut erhofft

Ob es wirklich soweit kommt? Die Kronacher Pastoralreferentin Birgitta Staufer-Neubauer ist da etwas skeptischer. Zunächst müsse der Papst nun die Ergebnisse der Synode erst noch ausarbeiten. "Er ist zwar ein gescheiter Mann, der auch Europa im Blick hat, aber er hat ja mal gesagt, dass er für die ganze Welt zuständig ist. Und wir haben ja die unterschiedlichsten Voraussetzungen", sagt sie. "Ich kann mir daher gut vorstellen, dass er Unterschiede zwischen den Kontinenten macht und sagt: ,Für die europäischen Länder müssen wir noch einmal neu überlegen.‘"

Sie selbst hätte sich gewünscht, die Teilnehmer der Synode wären noch etwas mutiger gewesen - und hätten ebenso intensiv wie über die "viri probati" auch darüber diskutiert, dass künftig Frauen Diakoninnen werden können. In ihrem Abschlussdokument halten die Synoden-Teilnehmer fest, dass das Frauen-Diakonat in den Beratungen zwar mehrfach gefordert wurde, der Vorschlag wurde von der Versammlung allerdings nicht explizit unterstützt.

Nun soll ein gemeinsamer Austausch mit einer Kommission zum Frauendiakonat stattfinden. "Einige deutsche Bischöfe denken da schon etwas weiter", weiß Staufer-Neubauer. "Es gibt ja einige Vereine, die sich schon seit Jahrzehnten dafür einsetzen, dass das Frauen-Diakonat endlich einmal angegangen wird." Die Zeit dafür sei längt gekommen, ist die 59-Jährige überzeugt: "Das Diakonat für Frauen muss jetzt auf den Weg gebracht werden!"

Verstärkte Resignation

Unter anderem, weil Diakone taufen und verheiraten dürfen. Immer wieder merke sie während ihrer Arbeit, dass sie einen Priester oder Diakon hinzuholen muss, "wenn es darauf ankommt". Die Vor- und Nachbereitung von Hochzeiten könnte ihre Aufgabe sein, für die Hochzeit ist dann aber ein Priester nötig. "Das könnten wir dann als Diakoninnen selbst machen", meint Staufer-Neubauer. Ebenso sehe es mit Taufen aus.

Beim Frauen-Diakonat gehe es aber nicht nur um die tägliche Praxis, sondern auch um die Zukunft der Kirche. "Ich habe die Angst, dass uns die Frauen in den Pfarreien davonlaufen", betont sie. Dass die Kirche in den vergangenen Jahrzehnten so wenig auf Frauen zugegangen sei, habe immer mehr zu einer Art Resignation geführt. Das sei nicht nur an den Universitäten erkennbar, an denen immer weniger Frauen Theologie studieren wollen, sondern auch direkt in der Gemeinde. "Viele Frauen im Ehrenamt fühlen sich nicht wahr- und ernstgenommen. Ich kann sie verstehen. Ich bin jetzt seit 30 Jahren im Dienst und in dieser Zeit ging wenig vorwärts."

Ihren Chef hat sie an ihrer Seite. "Frauen im Amt kann ich mir persönlich in Deutschland durchaus vorstellen", sagt Teuchgräber. Große Hoffnungen macht er ihr aber nicht. Die katholische Kirche habe nämlich nicht nur die evangelische, sondern auch die orthodoxe Kirche als Referenz. "Da sind Frauen im Amt oder auch als Diakoninnen nicht denkbar." Er habe die Sorge, dass die Kirche durch die Frage des Frauendiakonats gespalten werde.

Es sei klar, dass eine Möglichkeit gefunden werden müsse, Frauen in Positionen zu bringen, die ihren Fähigkeiten auch entsprechen. "Aber müssen das diese alten sakramentalen Strukturen mit Ämtern sein, die jetzt von Männern besetzt sind?", fragt er. "Vielleicht müssen wir etwas ganz neues finden."

Warum die Beschlüsse der Synode nicht bindend sind

Synode: Als Synode wird ein Gremium bezeichnet, dessen Vertreter möglichst alle Kirchenmitglieder repräsentieren soll. Dazu gehören neben Geistlichen und Laien auch Experten. Frauen dürfen in der katholischen Kirche zwar an einer Synode teilnehmen, sind bisher aber nicht stimmberechtigt. Einfluss: Auf Synoden soll über wesentliche Fragen des kirchlichen Lebens entschieden werden. Allerdings sind die dort gefassten Beschlüsse in der Regel nicht verbindlich, weshalb es sich mehr um Appelle handelt. Denn entscheidend ist lediglich, zu welchen Schlüssen Papst Franziskus kommt und welche Entscheidungen er umsetzen möchte. Dies wird er in einem eigenen Schreiben mitteilen.

Mehrheit: Insgesamt tauchen in der Abschlusserklärung 120 Appelle auf. Für jeden war eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Da 180 Teilnehmer stimmberechtigt waren, waren 120 Ja-Stimmen notwendig.

Ergebnis: Von den Appellen, die es in das Schlussdokument schafften, erhielt der Vorschlag zu den verheirateten Priestern die meisten Gegenstimmen. 41 Teilnehmer waren dagegen, 128 dafür. Für das Frauendiakonat stimmten 137 Teilnehmer (bei 30 Nein-Stimmen). Quelle: Wikipedia

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